FIFA-Chef Infantino angezählt: Wer fordert ihn heraus?
FIFA-Chef Infantino angezählt: Wer fordert ihn heraus?

Die Bestätigung von Gianni Infantino als FIFA-Präsident ist keineswegs gesichert. Zahlreiche Mitgliedsverbände zeigen sich unzufrieden mit dem Kurs des 52-jährigen Schweizers. In den vergangenen Wochen sollen mehrere Funktionäre aus Europa und Asien in vertraulichen Gesprächen die Möglichkeit einer Alternativkandidatur ausgelotet haben. Offiziell hat sich noch niemand zu einer Herausforderung bereit erklärt, doch die Gerüchteküche kocht.

Der nächste FIFA-Kongress ist für den 16. März 2023 in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, angesetzt. Dort wird der Präsident des 211 Mitgliedsverbände umfassenden Weltverbands für eine dritte Amtszeit gewählt. Infantino hatte seine Kandidatur bereits im Sommer 2022 angekündigt – doch ob er ohne Gegenkandidaten bleibt, ist weiterhin offen. Die formelle Frist für Bewerbungen läuft Ende Februar ab.

Infantino vom Außenseiter zum umstrittenen Amtsinhaber

Der gebürtige Walliser feierte 2016 einen spektakulären Aufstieg. Am 26. Februar jenes Jahres setzte er sich in der zweiten Runde der Wahl zum FIFA-Präsidenten überraschend gegen den asiatischen Funktionär Scheich Salman bin Ebrahim Al Chalifa durch. Diese Wahl war nötig geworden, weil Sepp Blatter nach den Korruptionsskandalen um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zurückgetreten war. Infantino galt als Reformkandidat, der den angeschlagenen Verband wieder auf Vordermann bringen sollte.

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Doch während seiner ersten Amtszeit konzentrierte sich die Macht zunehmend in seinen Händen. Bei der Wahl 2019 in Paris wurde er ohne Gegenkandidaten im ersten Wahlgang bestätigt. Kritiker werfen ihm vor, die Versprechen von Transparenz und Kontrolle nicht eingelöst zu haben. Stattdessen habe er die FIFA als sein persönliches Imperium geführt, mit steigenden Gehältern und einem ausgebauten Machtapparat.

Wo die Herausforderer herkommen könnten

Als aussichtsreichste Kandidaten für eine Gegenkandidatur gelten Persönlichkeiten, die bereits in der Vergangenheit gegen die FIFA-Führung antraten. Der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein, ehemaliger Vizepräsident der FIFA, kandidierte 2015 gegen Blatter und 2016 gegen Infantino. Er konnte sich damals auf die Unterstützung vieler europäischer und amerikanischer Verbände stützen. Auch der Franzose Jérôme Champagne, einst hoher FIFA-Funktionär, brachte sich 2015 und 2020 ins Gespräch. Beide haben bislang nicht öffentlich über eine Kandidatur gesprochen, halten sich aber alle Optionen offen.

Laut übereinstimmenden Medienberichten prüft zudem eine Gruppe von Funktionären aus dem europäischen Fußball, ob ein gemeinsamer Kandidat aufgestellt werden kann. Die westeuropäischen Verbände gelten als schärfste Kritiker Infantinos. Insbesondere der englische Fußballverband und der deutsche DFB sollen auf eine Ablösung drängen. Die Interessenlagen sind jedoch unterschiedlich; während einige Verbände nur eine Reform der Statuten wollen, streben andere einen kompletter Neuanfang an.

Afrika und Asien als Bollwerk Infantinos

Infantino kann sich gleichzeitig der Unterstützung aus Afrika, Asien und Ozeanien sicher sein. Unter seiner Führung wurden die Solidaritätszahlungen an die Mitgliedsverbände massiv erhöht. Allein im Entwicklungsprogramm "Forward" fließen pro Vierjahreszyklus rund 2,8 Milliarden US-Dollar an die Verbände – eine Summe, die viele nationale Verbände existenziell benötigen. Diese Abhängigkeit übersetzt sich in politische Loyalität.

Hinzu kommt, dass Infantino in Afrika stark präsent ist: Er setzte sich früh für die Ausweitung der Klub-Weltmeisterschaft ein und versprach den afrikanischen Verbänden zusätzliche Startplätze bei der WM. Bei der Abstimmung über die Vergabe der WM 2030 und 2034 sicherte er sich Stimmenpakete, indem er den Kontinenten alternative Projekte anbot. Diese Strategie geht bislang auf – bei der Wahl 2019 gab es nicht einmal einen Gegenkandidaten.

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Eine offene Wahl würde die FIFA verändern

Sollte sich dennoch ein prominenter Gegner formieren, wäre dies die erste echte Wahlkampfsituation seit Jahren. Die Debatten würden sich nicht nur um Personen drehen, sondern um die Ausrichtung des Weltverbands. Zentrale Streitfragen sind die umstrittene Vergabe der Winter-WM 2034 an Saudi-Arabien, der immer vollere Spielkalender und die Frage, wie die FIFA mit Menschenrechtsverletzungen in Gastgeberländern umgeht. Infantino hat die FIFA zudem als Global Player positionieren wollen, der sich in allen Lebensbereichen engagiert – etwa bei der Digitalisierung von Schulsport oder in der Bekämpfung von Diskriminierung.

Seine Gegner halten dagegen, dass sich die FIFA auf ihre Kernaufgaben konzentrieren müsse. Die Fähigkeit Infantinos, Verbände hinter sich zu vereinen, wird in den kommenden Wochen auf eine harte Probe gestellt. Sollte die Kandidatenliste bis zur Frist leer bleiben, wäre es eine Rückkehr zur alten Einheitsfalle – aber die öffentlichen Signale deuten darauf hin, dass der Widerstand diesmal ernster ist als 2019. Fußball-Fans dürfen gespannt sein, ob es in dieser Woche noch zu einer Überraschung kommt.