FIFA entkräftet Vorwürfe: Kein Kabelkontakt beim Bellingham-Tor
Die FIFA hat die Diskussionen um Jude Bellinghams umstrittenen Treffer im WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen beendet. Der Weltverband teilte noch während der Partie via X mit, dass die Sensordaten des Balls keinen Kontakt mit einem Kamerakabel belegen. Der eingebaute Chip, der selbst feinste Berührungen registriert, habe keinen Ausschlag angezeigt. Damit bleibt es beim 1:1-Ausgleich durch Bellingham in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+2).
Die Szene hatte für große Aufregung gesorgt: Nach einem Abstoß von Norwegens Torhüter Örjan Nyland landete der Ball bei Englands Anthony Gordon, der Bellingham bediente. Norwegens Spieler reklamierten sofort, der Ball habe ein in der Luft gespanntes Kabel berührt und dadurch seine Flugbahn verändert. Schiedsrichter Clément Turpin ließ das Tor jedoch nach Rücksprache mit dem VAR gelten.
Norwegens Trainer kritisiert: „Eigentlich eine klare Sache“
Norwegens Trainer Stale Solbakken zeigte sich nach dem Spiel irritiert. „Der Schiedsrichter hat gesagt, er hat es nicht gesehen und keine Information bekommen. Und da die FIFA sagt, es gab keine Berührung, dann kann er wohl nichts machen“, erklärte Solbakken. „Aber der Ball fiel gerade herunter direkt vor unserer Bank. Ich selbst habe es nicht gesehen, dass das Kabel berührt wurde, aber unsere Bank reagierte sofort. Es ist eigentlich eine klare Sache.“
Bellingham war es, der mit seinem zweiten Treffer in der 93. Minute den 2:1-Sieg für England perfekt machte. Zuvor hatte Andreas Schjelderup (36.) die Norweger in Führung gebracht. Der Sieg war für England hart erkämpft, doch die Debatte um das erste Tor überschattete das Spiel.
Tuchel und Ittrich äußern sich: „Chip im Ball sagt dir alles“
Auch Englands deutscher Trainer Thomas Tuchel wurde auf die umstrittene Szene angesprochen. „Ich meine, da ist ein Chip im Ball, der dir sagt, wenn er ein Haar berührt“, sagte der 52-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er stellte sich damit hinter die Entscheidung des Schiedsrichters.
Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich, ehemaliger Bundesliga-Referee, analysierte die Situation bei MagentaTV. Sollte der Ball gegen einen Gegenstand prallen, der nicht zum Spiel oder Spielgeschehen gehört, sei ein Schiedsrichterball vorgesehen – dies gelte aber nur, wenn es einen Einfluss auf das Spielgeschehen gehabt habe. „Dies sei jedoch nicht festzustellen gewesen“, so Ittrich. „Es ist eine Tatsachenentscheidung, und die bleibt bestehen.“
Technische Details: So funktioniert der Ball-Chip
Der im Ball integrierte Sensor ist Teil eines Systems, das auch bei der Bewertung möglicher Handspiele helfen soll. Er erfasst genau, wann und mit welcher Stärke der Ball berührt wird. Für die Zuschauer am Bildschirm wird diese Information mit einer Grafik visualisiert. Die FIFA betonte, dass die Daten keinerlei Kabelberührung anzeigten, was die Entscheidung des Schiedsrichterteams untermauerte.
Norwegen haderte nach dem Spiel mit dem Ausgang. „Unsere Spieler waren von der Szene verwirrt“, gab Solbakken zu. Dennoch müsse man das Ergebnis akzeptieren. England zog durch den Sieg ins Halbfinale ein, während Norwegen die Heimreise antreten musste.



