Die FIFA steht vor einer möglichen Führungskrise: Präsident Gianni Infantino sieht sich zunehmend Kritik ausgesetzt. Nach Informationen der Augsburger Allgemeinen könnten vier hochrangige Funktionäre seine Nachfolge antreten. Die Diskussion um Infantinos Zukunft gewinnt an Fahrt, insbesondere nach den jüngsten Kontroversen um die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien.
Die vier Kandidaten im Überblick
Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen, der sich auf Kreise der FIFA beruft, gelten folgende Funktionäre als aussichtsreiche Kandidaten: Der englische Fußballverbands-Chef und UEFA-Vizepräsident David Gill, der ehemalige nigerianische Fußballfunktionär und FIFA-Vizepräsident Pinnick, der französische Verbandsboss Philippe Diallo sowie der asiatische Fußballfunktionär und FIFA-Vizepräsident Salman bin Ibrahim Al Chalifa. Diese vier Persönlichkeiten könnten bei einem Rücktritt oder einer Abwahl Infantinos das Rennen machen.
Infantino unter Druck
Der Schweizer steht seit seiner Wiederwahl 2023 in der Kritik. Kritiker werfen ihm einen autoritären Führungsstil und eine zu enge Bindung an autoritäre Regime vor. Die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien hat die Diskussion weiter angeheizt. Mehrere europäische Verbände, darunter der DFB, hatten Bedenken geäußert. Infantino selbst wies alle Vorwürfe zurück und betonte, die FIFA stehe für Einheit und Transparenz.
Wer hat die besten Chancen?
Beobachter sehen insbesondere Salman bin Ibrahim Al Chalifa als Favoriten. Der Bahrainer ist seit 2013 Präsident des Asiatischen Fußballverbands (AFC) und verfügt über gute Kontakte zu vielen Verbänden. Auch David Gill, ehemaliger Geschäftsführer von Manchester United, genießt hohes Ansehen in Europa. Pinnick, der in Nigeria und Afrika vernetzt ist, könnte die Stimmen aus Afrika auf sich vereinen. Philippe Diallo, seit 2023 Präsident des französischen Verbandes, gilt als Vertreter der jüngeren Generation.
Reaktionen aus der Fußballwelt
Der frühere FIFA-Funktionär und Experte für Sportpolitik, Jürgen Mittag, sagte der Augsburger Allgemeinen: "Infantino hat sich viele Feinde gemacht. Die Konstellation ist reif für einen Wechsel. Allerdings wird ein Putsch von innen schwierig, da Infantino die Mehrheit der Verbände hinter sich hat." Auch der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger äußerte sich kritisch: "Die FIFA braucht dringend eine inhaltliche Neuausrichtung. Die Diskussion um die Nachfolge ist überfällig."
Wie könnte ein Machtwechsel ablaufen?
Ein Abgang Infantinos könnte auf verschiedene Weise erfolgen: durch einen Rücktritt, eine Abwahl auf dem FIFA-Kongress oder durch eine Misstrauensabstimmung. Laut FIFA-Statuten kann der Präsident nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitgliedsverbände abgesetzt werden. Ein außerordentlicher Kongress müsste von mindestens einem Fünftel der Mitgliedsverbände einberufen werden. Bislang gibt es keine offizielle Initiative, aber hinter den Kulissen wird laut über mögliche Szenarien spekuliert.
Auswirkungen auf den Fußball
Ein Führungswechsel bei der FIFA hätte weitreichende Folgen: Neue Prioritäten bei der Vergabe von Weltmeisterschaften, eine mögliche Reform der Statuten und ein anderer Umgang mit Menschenrechtsfragen. Experten erwarten, dass ein neuer Präsident stärker auf Transparenz und Demokratie setzen müsste, um das Ansehen der FIFA wiederherzustellen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Gerüchte um eine Ablösung Infantinos verdichten.



