Seit einigen Tagen laufen die Junioren-Wettbewerbe bei den French Open, doch auch im Hauptfeld der Herren zeigt sich eine bemerkenswerte Jugendbewegung. Gleich drei männliche Tennisprofis unter 21 Jahren haben den Einzug ins Viertelfinale von Paris geschafft – eine Premiere in diesem Jahrhundert bei einem Grand-Slam-Turnier. Alexander Zverev, mit 29 Jahren einer der älteren Viertelfinalisten, dürfte sich fast wie ein Altstar fühlen, während die Youngster mit ihrer jugendlichen Energie für Aufsehen sorgen.
Rafael Jódar (19): Der nervenstarke Anti-Nadal
Die spanischen Tennisfans hoffen auf einen zweiten „Rafa“, doch der Vergleich mit Sandplatz-König Rafael Nadal hinkt. Jódar ist kein Defensivspezialist; lange Ballwechsel versucht er zu vermeiden. Der Viertelfinalgegner von Alexander Zverev setzt auf Tempo und Risiko, ohne viel Topspin. Er kann mit Vor- und Rückhand gleichermaßen Druck erzeugen – eine Seltenheit. Sein kraftvolles Spiel ist amerikanisch geprägt, gereift im College-Tennis an der University of Virginia.
Der 1,91 Meter große Athlet hat noch Schwächen im Aufschlag, wirkt mental jedoch erstaunlich gefestigt. Das beweisen zwei Fünfsatzsiege in Serie. Auch die Internet-Diskussion um ein angebliches Schubsen eines Ballmädchens, das die Bilder nicht bestätigen konnten, brachte ihn nicht aus der Ruhe. Sein Vater und Trainer Rafael Jódar senior strahlt eine stoische Gelassenheit aus und verzieht selbst in brenzligen Momenten keine Miene.
João Fonseca (19): Das gehypte Ausnahmetalent
Als der Brasilianer bei den Australian Open 2025 erstmals auf sich aufmerksam machte, sagte Boris Becker: „In England würde man sagen: A star is born.“ Der große Durchbruch ließ jedoch auf sich warten. Fonseca mangelte es an Konstanz, und Rückenprobleme plagten ihn immer wieder. Manche Fans und Experten urteilten: Der junge Mann aus Rio wird überschätzt, der Hype sei nicht gerechtfertigt.
In Paris beweist Fonseca das Gegenteil. „Die Begeisterung um ihn ist riesig – und völlig zu Recht“, sagte Novak Djokovic über seinen Drittrunden-Bezwinger. „Er hat Talent und Schlagkraft. Ganz Brasilien feuert ihn an.“ Auch Brasiliens Tennis-Idol Gustavo Kuerten, der dreimal die French Open gewann, jubelt vor Ort über Fonsecas Auftritte. Tritt Fonseca jetzt schon in die großen Fußstapfen von Kuerten?
Jakub Mensik (20): Der unscheinbare Marathonmann
Der Tscheche steht ein wenig im Schatten der beiden Teenager Fonseca und Jódar, obwohl er nur ein Jahr älter ist und schon länger in der Weltrangliste vorne mitmischt. Das ist Mensik gewohnt: Auch bei seinem bislang größten Erfolg, dem Triumph beim Masters in Miami, sprachen alle über Verlierer Novak Djokovic, der seinen 100. Turniersieg verpasst hatte.
In Paris stand Mensik einmal groß im Rampenlicht, als er nach Krämpfen unmittelbar nach dem Matchball gegen Mariano Navone zusammensackte. Zwei Tage später kassierte er ein 0:6 im ersten Satz gegen Top-Ten-Spieler Alex de Minaur, fand dann aber Kraftreserven und gewann. Ähnlich der Fünfsatzkrimi zwei Tage später gegen Andrej Rubljow. Wie meistert er das? „Nun ja, es ist ein Grand Slam“, sagte Mensik lapidar, „so funktioniert das eben.“



