Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat nicht nur sportliche Konsequenzen, sondern wirkt sich auch auf die Bundesliga aus. Während die direkten sportlichen Auswirkungen auf die Vereine begrenzt bleiben, leiden die internationale Vermarktung und das Ansehen des deutschen Fußballs im Ausland.
Frühere Rückkehr der Nationalspieler
Als letzter Klub aus der deutschen Eliteklasse nahm der FC Bayern München am Montag die Vorbereitung auf die neue Saison auf. Die deutschen WM-Fahrer um Joshua Kimmich und Manuel Neuer waren da noch nicht dabei. Ihr Wiedereinstieg ins Training erfolgt aber trotzdem früher, als es bei einer Finalteilnahme der Fall gewesen wäre. Ansonsten halten sich die direkten sportlichen Auswirkungen in Grenzen.
Fan-Zuspruch bleibt stabil
„Natürlich wird sich zunächst erst einmal Ernüchterung breitmachen“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth vom VfB Stuttgart. „Grundsätzlich aber bin ich davon überzeugt, dass die Zahlen bei den Fernsehzuschauern und den Fans in den Stadien sich nicht rückläufig entwickeln.“ Tatsächlich wäre es sehr überraschend, sollte der bei Fans boomende deutsche Vereinsfußball mit vollen Stadien teils bis in die 3. Liga oder Regionalliga plötzlich weniger interessieren. Schon nach dem Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften in Russland 2018 und vier Jahre später in Katar war ein solcher Effekt ausgeblieben.
Reputation im Ausland leidet
Im Ausland könnte das anders aussehen. In anderen europäischen Ländern „hat unsere Reputation als starke Fußballnation mehr als nur einen Kratzer erhalten“, sagte Wohlgemuth. „Da werden schon viele Leute denken: Dem Spiel der Deutschen ist einiges an Komponenten und an Qualität abhandengekommen.“ Für die internationale Vermarktung der Bundesliga ist das dritte frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft in Serie ein Problem. „Die Marke ‚Fußball Made in Germany‘ hat im Ausland sicher nicht an Ansehen gewonnen durch das Abschneiden bei der Weltmeisterschaft“, sagte Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln.
Weniger globale Stars und geringere TV-Einnahmen
Aus seiner Sicht besteht die Gefahr darin, „dass sich ein negativeres Image der Nationalmannschaft auf das Gesamtbild auswirkt, wie der deutsche Fußball im Ausland wahrgenommen wird. Das würde dann auch die Bundesliga betreffen.“ Breuer ergänzt: „Die ohnehin schon schwierigen Bemühungen der Bundesliga, bei der Auslandsvermarktung erfolgreicher zu sein, werden mit Sicherheit nicht einfacher.“ Zwei von vier wichtigen Faktoren beim internationalen Verkauf von TV-Rechten sind direkt oder indirekt betroffen. Wenn die Spieler der deutschen Mannschaft regelmäßig früh scheitern, hat die Bundesliga weniger globale Stars – das ist eines der Hauptargumente bei der Auslandsvermarktung. So bleiben die wenigen internationalen Topstars wie Bayerns Harry Kane, der mit England Platz drei bei der WM belegte, oder Franzose Michael Olise als Argumente.
Geringere Einnahmen auf dem US-Markt
Große internationale Erfolge, ein weiterer wichtiger Faktor, gab es bei den Vereinen zuletzt durch den Champions-League-Sieg von Bayern München 2020 sowie den Titel von Eintracht Frankfurt in der Europa League 2022. Bei der Nationalmannschaft ist es mit dem WM-Sieg 2014 noch länger her. Entsprechend kompliziert war zuletzt die Auslandsvermarktung, bei der die Premier League immer weiter davonzieht. Auf dem US-Markt führen die gerade abgeschlossenen Mehrjahresverträge zu einem Minus. Nach dpa-Informationen kassiert die Bundesliga von der Saison 2026/27 an jährlich rund 24 Millionen statt bisher 30 Millionen Dollar. Immerhin werden aber mehr Spiele übertragen und damit mehr US-Fans erreicht.
Transfermarkt kaum betroffen
Dass es für die Klubs durch die schwachen Auftritte der DFB-Elf schwieriger wird, gute Spieler zu bekommen, ist eher unwahrscheinlich – zumindest als direkte Auswirkung. „Das WM-Abschneiden hat keinen unmittelbaren Effekt darauf, ob die jeweilige Liga für Spieler attraktiv ist oder nicht“, sagte Stefan Ludwig, Leiter der deutschen Sportbusinessgruppe bei Deloitte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begleitet das Fußball-Geschäft seit Jahren mit regelmäßigen Studien.



