Thomas Tuchel griff zu einem ungewöhnlichen Vergleich, um die Mentalität seines Teams zu beschreiben: „Sie sind alles Haie. Wenn sie Blut riechen, dann sind sie da und treffen.“ Diese Haie – angeführt von Kapitän Harry Kane – retteten England mit einem späten Doppelpack vor einer Blamage gegen den Außenseiter DR Kongo. Nach einem frühen Rückstand drehte Kane die Partie innerhalb von elf Minuten und schoss die Three Lions nicht nur ins WM-Achtelfinale, sondern bewahrte sie auch vor einer historischen Niederlage.
Kane als Lebensversicherung der Three Lions
Kane ist mittlerweile mehr als nur ein Torjäger. „Er ist Kapitän, er ist Anführer, er entscheidet Spiele mit seinem unglaublichen Finish“, schwärmte Tuchel nach dem 2:1-Erfolg. Zuvor war England mehrfach an Kongos überragendem Torwart Lionel Mpasi gescheitert. Doch Kane blieb zuversichtlich: „Ich war mir sicher, dass einer von uns einen Heldenmoment haben wird – und zum Glück war ich das.“ In der Schlussphase bekam er den entscheidenden Platz im Strafraum, den er für seine Tore benötigt.
Das von Kane angeführte England zeigte Eigenschaften, die Deutschland bei dieser WM vermissen ließ: Durchsetzungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit. „Wir haben immer wieder auf diesen Felsen draufgeschlagen, bis er zerbrochen ist“, beschrieb Anthony Gordon den Kampf gegen die kongolesische Abwehr. Auch Tuchel lobte den unbändigen Willen seiner Mannschaft: „Sie haben geglaubt, sie haben nicht aufgegeben, sie haben es einfach nicht akzeptiert.“
Großer Nachteil im Achtelfinale gegen Mexiko
Der noch größere Test der Resilienz steht England im Achtelfinale in der Nacht zum Montag (02.00 Uhr/MagentaTV) bei Co-Gastgeber Mexiko bevor. Einerseits herrscht pure Vorfreude auf das legendäre Aztekenstadion, andererseits ist da der Respekt vor den besonderen Bedingungen. „An die Höhe können wir uns nicht anpassen. Das ist ein gewaltiger Vorteil Mexikos“, sagte Tuchel. Das Stadion liegt auf rund 2.200 Metern Höhe, weshalb England plant, so früh wie möglich nach Mexiko zu reisen.
Tuchel rechnet mit einer Vielzahl von Hindernissen. Doch am Ende haben die Three Lions vorn noch „King Kane“. „Er ist eine Inspiration für uns alle“, betonte Gordon, der vor seinem Wechsel zu Barcelona auch vom FC Bayern umworben war. „Es ist nicht die Tatsache, dass er trifft. Es ist vielmehr die Konstanz, immer und immer wieder da zu sein, wenn es darauf ankommt.“
Harte Arbeit als Erfolgsrezept
Diese Konstanz zeigt Kane nicht nur in den Spielen, sondern auch im Training. „Man sieht es jeden Tag, in einfach jedem Training. Da gibt es keine Einheiten, die mal etwas lockerer angegangen werden. Das ist alles richtig harte Arbeit“, erklärte Gordon. Kane selbst beschreibt seinen Erfolg als ein Puzzle, das mit jedem Tor komplettiert wird. „Es sind die Dinge, die die Leute da draußen nicht sehen, die zählen. Die kleinen Details, die dafür sorgen, dass du Konstanz auf dem höchsten Level erreichen kannst“, sagte der 32-Jährige. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo seien darin unangefochten.
Kane fühle sich so gut wie nie zuvor und wolle stets als gutes Beispiel vorangehen. „Und am Ende, wenn man auf den Platz geht, dann weiß ich, dass mich die ganze Arbeit hinter den Kulissen bereit für die großen Momente gemacht hat“, so der Bayern-Stürmer. Vollendet wäre sein Gefühl erst, wenn England am 19. Juli in New York zum zweiten Mal nach 1966 Weltmeister wird.



