Manuel Gräfe, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter und heutiger TV-Experte, hat die strittigen Szenen im VAR-Drama des Spiels Kroatien gegen Portugal analysiert. Dabei zieht er einen auffälligen Vergleich zur umstrittenen Goretzka-Szene aus dem Deutschland-Spiel gegen Paraguay bei der WM 2022.
Gräfe: „Das erinnert mich an die Goretzka-Szene“
In seiner Analyse für BILD betont Gräfe, dass die Entscheidungen des VAR-Teams bei Kroatien gegen Portugal an eine ähnliche Situation im Spiel Deutschland gegen Paraguay erinnern. Damals wurde ein Tor von Leon Goretzka nach VAR-Eingriff aberkannt, was für große Diskussionen sorgte. „Die Parallelen sind deutlich: Beide Male ging es um eine vermeintliche Abseitsstellung oder ein Foul im Vorfeld, das letztlich nicht eindeutig war“, so Gräfe.
VAR-Chaos überschattet WM-Viertelfinale
Das Spiel zwischen Kroatien und Portugal endete mit einem umstrittenen Siegtreffer für Portugal in der Nachspielzeit, der nach VAR-Überprüfung gegeben wurde. Die kroatische Mannschaft und Trainer Zlatko Dalić protestierten heftig. Gräfe kritisierte die Kommunikation des Schiedsrichterteams: „Es herrschte völlige Intransparenz. Die Spieler wussten nicht, warum das Tor zählte – das ist inakzeptabel.“
Laut Gräfe hätte der VAR in dieser Situation eingreifen müssen, um eine klare Entscheidung zu treffen. „Wenn der VAR nicht eingreift, dann muss der Schiedsrichter auf dem Feld die Verantwortung übernehmen. Stattdessen gab es eine halbherzige Überprüfung, die niemandem half.“
Regeländerung nach WM gefordert
Gräfe fordert Konsequenzen aus dem VAR-Chaos. „Die Schwalben-Diskussion und die uneinheitlichen Entscheidungen müssen zu einer Regeländerung führen. Es kann nicht sein, dass so wichtige Spiele durch strittige VAR-Entscheidungen beeinflusst werden.“ Er verweist auf die anstehende WM 2026, bei der bereits über neue Technologien wie den „Chip im Ball“ nachgedacht wird. „Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, aber die menschliche Komponente bleibt entscheidend.“
Die FIFA hat angekündigt, die VAR-Prozesse nach dem Turnier zu evaluieren. Gräfe hofft auf klare Richtlinien: „Die Schiedsrichter müssen wissen, wann sie eingreifen sollen und wann nicht. Sonst bleibt es ein Glücksspiel.“



