In der ZDF-Talkshow Markus Lanz am Donnerstagabend geriet der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, in Erklärungsnot. Auslöser war eine konkrete Nachfrage der Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld, die einen handgeschriebenen Zettel aus der Tasche zog und Siegmund mit den Kosten seiner Wahlversprechen konfrontierte.
Weidenfeld rechnet vor: Steuersenkungen und Prämien gehen nicht auf
Weidenfeld, Autorin und Wirtschaftsjournalistin, hatte sich die zentralen Punkte des AfD-Programms notiert: Steuersenkungen, Prämien, Subventionen. „Für mich geht das nicht auf“, sagte sie ruhig, aber bestimmt. Siegmund reagierte mit einem Lächeln und sprach von „Visionen“ sowie „kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen“. „Wir versprechen nicht das Unmögliche“, betonte er. Weidenfeld blieb skeptisch und bot ihm den Zettel an: „Sie können den Zettel übrigens gerne haben und Ihren rechten ausgebildeten Leuten mitbringen. Ich habe das Gefühl, die hätten einfach ein bisschen mehr rechnen sollen.“ Siegmund konterte mit einem Jobangebot, das Weidenfeld ablehnte: „Vielen Dank, ich bin Journalistin.“
Lanz hakt nach: Welche Ministerien will die AfD streichen?
Moderator Markus Lanz versuchte mehrfach, Siegmund auf konkrete Einsparungen festzulegen. Siegmund hatte zuvor angekündigt, zwei Ministerien streichen zu wollen, nannte aber keine Namen. „Wir wollen euch überraschen“, sagte er. Auf Nachfrage von Lanz blieb er vage: Er wisse es „ganz genau“, wolle es aber strategisch nicht preisgeben. Er müsse als erster AfD-Ministerpräsident, auf den „ganz Europa guckt“, Abwägungen treffen, um Fehler zu vermeiden. Lanz erinnerte an die Biersteuer, die rund 16 Millionen Euro bringe und die die AfD abschaffen wolle – eine konkrete Finanzierungslücke.
Bender berichtet von AfD-Kaderschmieden
Justus Bender, stellvertretender Leiter des Politikressorts der FAS, berichtete von einer „schwarz-rot-gold-Akademie“ und Kaderschmieden der AfD zur Personalrekrutierung. Siegmund zeigte sich empört: „Ich staune grad, dass das Gänsehaut hervorruft, wenn man sich qualitativ auf eine Regierung vorbereitet.“ Bender verwies auf das Potsdamer Treffen, bei dem auch über die Suche nach Juristen aus rechtsgerichteten Burschenschaften gesprochen worden sei. Siegmund nannte es ein „Potsdamer Kaffeekränzchen“ und betonte, bei der AfD gebe es keine Gesinnungsprüfung, „bei uns ist Qualität entscheidend“.
AfD in Sachsen-Anhalt als rechtsextremistisch eingestuft
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft; ein Verfahren gegen diese Einstufung läuft. Dennoch sprach Siegmund über Regierungsbildung und versprach kostenlose Kitas, mehr Polizei und Familiengeld. Auf die Frage nach der Gegenfinanzierung blieb er vage: „So schnell wie möglich.“ Weidenfeld bemerkte trocken, dass allein die demografische Entwicklung – Sachsen-Anhalt habe seit 2000 fast eine halbe Million Einwohner verloren – die Versprechen infrage stelle. Siegmund konterte mit dem Hinweis auf fast 20.000 offene Stellen, die sich in zehn Jahren verdoppeln könnten. „Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist fast schon zwölf“, sagte er.
Fazit: Viel Atmosphäre, wenig Konkretes
Die Sendung zeigte einmal mehr, wie die AfD mit vagen Versprechen und strategischer Ausweichung arbeitet. Weidenfelds Zettel wurde zum Symbol für die fehlende finanzielle Grundlage der Wahlkampfversprechen. Lanz blieb hartnäckig, ließ sich aber nicht auf die Verfassungsschutz-Einstufung ein. Am Ende blieb der Eindruck: Siegmund kann gut reden, aber nicht rechnen.



