Hertha BSC steht vor einem Neuanfang: Nach dem Abgang mehrerer Leistungsträger und mit nur einem Neuzugang startet der Hauptstadtclub am Freitag (20.30 Uhr) beim VfL Bochum in die neue Zweitliga-Saison. Die Erwartungen sind gedämpft, das Ziel lautet offiziell nur einstelliger Tabellenplatz. Doch die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl will mit einer neuen, offensiven Spielidee überraschen.
Transfermarkt: Große Namen weg, nur ein Neuzugang
Der Kader von Hertha BSC hat sich im Sommer deutlich verändert. Ex-Kapitän Fabian Reese wechselte zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg, Juwel Kennet Eichhorn zu Bayer Leverkusen. Auch Kreativspieler Michael Cuisance (SC Lens) und Stammkeeper Tjark Ernst (Feyenoord Rotterdam) verließen den Verein. Michael Karbownik (Istanbul Başakşehir FK) und Dawid Kownacki (Werder Bremen) sind ebenfalls weg.
Bislang präsentierte die Alte Dame nur einen Neuzugang: Offensivspieler Oluwaseun Adewumi wurde vom englischen Zweitligisten FC Burnley ausgeliehen. Der Rechtsfuß kann als Zehner oder auf dem Flügel eingesetzt werden. Als Co-Trainer verstärkt Andreas Schumacher das Team von Chefcoach Stefan Leitl.
Kaderbaustellen: Stürmer und Linksverteidiger gesucht
Die Mittelstürmerposition ist eine der größten Baustellen. Luca Schuler und Sebastian Grönning kämpfen um den Stammplatz, Talent Niklas Hildebrandt hofft auf Spielzeit. „Wir haben da ein kleines Vakuum. Diese Position ist schon etwas, wo wir noch etwas machen sollten“, gab Leitl im Trainingslager zu.
Zudem suchte Hertha zunächst einen Nachfolger für Ernst. Florian Kastenmeier von Fortuna Düsseldorf gilt als Wunschkandidat, Nikolas Polster vom Wolfsberger AC als Alternative. Allerdings überzeugte Marius Gersbeck in den letzten Testspielen. Ein weiteres Problem: Einen etatmäßigen Linksverteidiger hat Hertha nicht im Kader. Deyovaisio Zeefuik kann dort spielen, stieg nach Verletzungsproblemen aber erst wieder ein. Gustav Christensen rückte für ihn auf die Position und verletzte sich im Testspiel.
Saisonziel: Einstelliger Tabellenplatz statt Aufstieg
Die Berliner haben ihre Ambitionen deutlich zurückgeschraubt. Nach dem enttäuschenden Scheitern im Aufstiegsrennen und dem Verlust mehrerer Leistungsträger verzichtet die Clubführung auf große Ansagen. Geschäftsführer Peter Görlich rief „einen einstelligen Tabellenplatz“ als Ziel aus – also Platz neun. Ob die Fans mit einem Mittelfeldplatz zufrieden wären, ist fraglich.
Finanzen: Entspannung dank Transfererlösen
Die finanzielle Situation hat sich verbessert. Die Verkäufe der Leistungsträger spülten eine zweistellige Millionensumme in die Kassen. Die kursierende Summe von rund 25 Millionen Euro wollte Görlich nicht bestätigen: „Auch Fußballvereine haben Brutto-Netto-Rechnungen. Es mag sein, dass da irgendwelche Summen kursieren, aber am Ende des Tages müssen wir gucken, was ist davon übriggeblieben, was landet tatsächlich bei uns?“, sagte er dem rbb.
Dennoch berichtete der Geschäftsführer, dass sich die ökonomische Situation „etwas entspannt“ habe. „Wir haben finanziell sicherlich an der einen oder anderen Stelle über unsere Verhältnisse gelebt. Das mussten wir erst mal korrigieren“, so Görlich.
Spielidee: Höheres Pressing, mehr Offensive
Mit höherem und aggressiverem Pressing will Hertha offensiver auftreten und die Torausbeute steigern. „Das Ziel ist, den Gegner mehr zu stressen und selbst einen kürzeren Weg zum Tor zu haben“, sagte Paul Seguin dem „Kicker“. Die Mannschaft agiere, statt zu reagieren. Ob die Fitness für die kräftezehrende Spielweise reicht, wird sich zeigen.
„Hohes Pressing birgt immer Risiko. Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen. Aber der offensive Gedanke gefällt uns grundsätzlich gut. So machen wir weiter“, sagte Leitl.
Stammplatz-Duelle: Wer setzt sich durch?
In der Innenverteidigung konkurrieren Niklas Kolbe und Marton Dardai um einen Startelfplatz. Dardai verpasste Teile der Vorbereitung, überzeugte aber im Trainingslager, während Kolbe in Testspielen patzte. Rechtsaußen dürfte zunächst Marten Winkler vor Neuzugang Adewumi beginnen, der noch Trainingsrückstand hat. Im Sturm spricht nach dem letzten Testspiel gegen Köln einiges für Grönning – der Däne traf, Schuler wirkte angeschlagen.



