Die Generalprobe gegen den FC Southampton ging mit 1:2 knapp verloren, doch Felix Higl hatte allen Grund zum Jubeln. Der 29-jährige Neuzugang erzielte bei seinem Debüt für Preußen Münster den Führungstreffer und machte damit Werbung in eigener Sache. Zudem ist die Torwartfrage geklärt: Morten Behrens trägt künftig die Nummer 1.
Higl war erst drei Tage zuvor von Zweitligist Greuther Fürth gekommen und stand gegen die Engländer sofort in der Startelf. Seine erste Chance nutzte er in der 13. Minute eiskalt: Von Wesley Adeh mustergültig eingesetzt, ließ er Flynn Downes aussteigen und schoss mit links aus 13 Metern wuchtig ins linke Eck. Die 10.357 Zuschauer im Stadion des 100-jährigen Vereinsjubiläums feierten den Treffer und sahen ein munteres Testspiel, das zugleich die letzte Standortbestimmung vor dem Drittliga-Start am 8. August beim SV Wehen Wiesbaden war.
Einstand nach Maß
Higl, dessen Debüt immerhin 80 Minuten dauerte, zeigte sich anschließend zufrieden: „Klar ist es schön, so zu starten. Obwohl ich natürlich noch lieber gewonnen hätte“, sagte der Angreifer. „Aber die Jungs haben es mir hier auch sehr einfach gemacht und mich sofort integriert.“ Der 1,94 Meter große Kölner, dessen Marktwert auf 350.000 Euro taxiert wird, kennt die Spielidee von Trainer Thomas Wörle bereits aus der gemeinsamen Zeit in Ulm (2023 bis 2025) – die erfolgreichste Periode seiner bisherigen Laufbahn. „Das macht‘s umso einfacher für mich“, erklärte Higl.
Wiedersehen mit Leo Scienza
Kurios: Auf der Gegenseite traf ein ehemaliger Ulmer Teamkollege. Leo Scienza, der damals ebenfalls für den SSV spielte, glich nur vier Minuten nach Higls Treffer zum 1:1 aus (17.). Der 27-jährige Mittelfeldspieler, inzwischen über Heidenheim nach England gewechselt, bringt es auf einen Marktwert von 14 Millionen Euro. Higl schmunzelte: „War echt schön, Leo mal wieder zu sehen. Nur seinen Treffer hätte er sich ruhig verkneifen können.“
Trotz des Gegentreffers blieben die Preußen im ersten Durchgang ebenbürtig. In der 39. Minute vergaben sie sogar eine Doppelchance: Louis Kolbe scheiterte, und den Seitfallzieher von Kapitän Niko Koulis klärte Kuryu Matsuki auf der Linie.
Southamptons Klasse setzt sich durch
Nach dem Seitenwechsel erhöhte der englische Zweitligist den Druck. Die Entscheidung fiel drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit: Weil Rechtsverteidiger Kolbe nach einer Verletzungsbehandlung noch nicht zurück auf dem Feld war, nutzte Lewis Dobbin die Lücke und schob aus zehn Metern zum 2:1 ins lange Eck. Wörle zog dennoch ein positives Fazit: „Ich finde, wir haben dennoch eine starke Partie gegen einen Gegner abgeliefert, der eigentlich eine Kragenweite zu groß für uns ist. Das war ein insgesamt gelungener Test.“
Behrens übernimmt die Nummer 1
Neben dem Debütanten stand die Torhüterfrage im Mittelpunkt. Johannes „Jojo“ Schenk, bisherige Nummer 1, muss das Feld räumen: Morten Behrens trug gegen Southampton die 1 und ist laut Wörle gesetzt. Der 28-Jährige zeigte eine solide Leistung und glänzte in der 62. Minute mit einer Flugparade nach einem Kopfball von Taylor Harwood-Bellis. Schenk spielte derweil am Vormittag – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – im Vorspiel der beiden B-Teams (1:1). Dabei lief er nur 35 Minuten auf und trug die bisherige Rückennummer von Behrens, die 26.
Doch Schenk lehnt die 26 offenbar ab und fordert stattdessen die 35. Wie die Bild-Zeitung erfuhr, will der 23-Jährige diese Nummer aus persönlichen Gründen tragen. Die Preußen müssen seinen Wunsch nun am Montag offiziell beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt hinterlegen. Klar ist auch: Beim Saisonauftakt in Wiesbaden wird Schenk nicht im Kader stehen. Beide Seiten streben einen Wechsel bis zum Ende der Transferperiode am 2. September an, doch ein konkretes Angebot für den ablösepflichtigen Abwehrspieler, dessen Marktwert auf 1,5 Millionen Euro geschätzt wird und dessen Vertrag bis 2028 läuft, liegt bislang nicht vor.



