Der Streit um den Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington erreicht eine neue Eskalationsstufe. Am Freitag haben die von Donald Trump ernannte US-Staatsanwältin für den District of Columbia, Jeanine Pirro, und ihr Stellvertreter Michael Spence einen 20-seitigen Schriftsatz bei Gericht eingereicht. Darin bitten sie einen Richter, die Klage der Trump-Regierung gegen den früheren Profisportler David Hearn fallenzulassen. Die Regierung hatte den 67-jährigen ehemaligen Olympia-Kanuten beschuldigt, das Becken mutwillig beschädigt zu haben.
Die Bundesanwälte stützen ihren Antrag auf neue Dokumente des Innenministeriums. Diese deuteten auf einen überhasteten und fehlerhaften Installationsprozess hin, teilten sie mit. Bereits während der Renovierung seien wiederholt Schäden an der Beschichtung aufgetreten, außerdem habe sie sich großflächig im gesamten Becken abgelöst. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Die Schäden sind offenbar auf Baumängel zurückzuführen, nicht auf Vandalismus – womit die Anschuldigungen gegen Hearn ihre Grundlage verlieren.
Ein Prestigeprojekt wird zum Spottobjekt
Das Reflecting Pool am Lincoln Memorial ist kein gewöhnliches Gewässer. Es ist zu einem Symbol für Trumps Bemühungen geworden, Washington umzugestalten. Für rund 14,7 Millionen Dollar ließ der Präsident das gut 600 Meter lange Becken renovieren. Eigens für die Feiern zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli wurde es mit einer blauen Farbe beschichtet, die Trump „American Flag Blue“ nannte. Doch schon im Juni, als das Becken gefüllt wurde, zeigten sich die ersten Probleme: Algenblüten färbten das Wasser grün, die Farbe blätterte ab.
Das Renommeeprojekt geriet zum Gespött. In sozialen Medien kursierte das Wortspiel „Strait of Warm Ooze“ (Straße des warmen Schleims) – eine Anspielung auf die im Englischen ähnlich klingende Straße von Hormus, jene Meerenge zwischen Iran und Oman, die infolge des von Trump begonnenen Irankriegs für die Weltwirtschaft zum Problem geworden war. Auch die Kosten und die Ausführung der Arbeiten sorgten für Kritik.
Trump: „Für mich war das ein klarer Fall von Vandalismus“
Präsident Trump hat sich in dem Streit nun offen gegen sein eigenes Justizministerium gestellt. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am Samstag: „Ich bin mit Jeanine Pirro, der US-Staatsanwältin für den District of Columbia, in Bezug auf den Reflecting Pool absolut nicht einverstanden. Ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht hat. Für mich war das ein klarer Fall von Vandalismus.“ Schon zuvor hatte Trump die Probleme wiederholt „Vandalen“ angelastet, die das Projekt angeblich absichtlich sabotiert hätten. Mit David Hearn glaubte er, einen Schuldigen gefunden zu haben.
In einem späteren Beitrag räumte Trump zwar ein: „Es mag Schwierigkeiten mit dem Auftragnehmer gegeben haben, aber der Hauptschaden wurde von VANDALEN verursacht!“ Zugleich verbreitete er ein zuvor veröffentlichtes Video der Parkwächter, das seiner Behauptung nach Vandalen auf dem Gelände zeigt. Dazu schrieb er: „Sehen Sie sich selbst den VANDALISMUS an, der am Reflecting Pool stattgefunden hat.“ Allerdings ist in dem Clip nicht eindeutig zu erkennen, ob die abgebildeten Personen tatsächlich etwas zerstören oder lediglich ins Wasser greifen, um abgeblätterte Farbreste zu entfernen.
Justizministerium sieht keine Beweise für Vandalismus
Die Haltung der Bundesanwälte ist eindeutig: Die Dokumente des Innenministeriums sprechen für einen fehlerhaften Installationsprozess, nicht für eine vorsätzliche Sabotage. Ein Gericht müsste für eine Verurteilung Hearns nachweisen, dass der 67-Jährige die Schäden mit Absicht herbeigeführt hat. Daran fehlt es nach Ansicht der Justizbehörde. Die Klage gegen den ehemaligen Kanuten, der an Olympischen Spielen teilgenommen hatte, soll deshalb fallengelassen werden.
Eine Stellungnahme von Pirros Büro auf die jüngsten Äußerungen Trumps blieb zunächst aus. Der Fall zeigt, wie sehr der Präsident das Becken als persönliches Projekt betrachtet – und wie konfliktreich das Verhältnis zwischen dem Weißen Haus und den Justizbehörden auch in dieser Angelegenheit ist. Am Mittwoch waren erneut Renovierungsarbeiten an dem Becken nötig, wie Aufnahmen von der Baustelle zeigten.



