FIFA-Präsident Gianni Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft und anderen Turnieren an private Investoren verkaufen. Der Plan sieht die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FFE vor, in der die Rechte gebündelt werden sollen. Investoren könnten rund 20 Prozent der Anteile erwerben, der Unternehmenswert wird auf 20 Milliarden US-Dollar festgelegt. Die FIFA erhofft sich einen Erlös von mehr als vier Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro). Der Vorschlag muss innerhalb von 53 Tagen von den 211 Mitgliedsverbänden gebilligt werden; bei Zustimmung winkt jedem Verband eine Zahlung von 40 Millionen US-Dollar, bei Ablehnung nur zehn Millionen. Ein nicht namentlich genannter Insider nannte dies gegenüber der „Times“ „reine Bestechung“. Die UEFA kritisierte den Plan scharf: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften.“
Was würde sich für Fans ändern?
Konkrete Änderungen für Fans kündigte die FIFA nicht an. Analysten befürchten jedoch, dass Investoren auf steigende Erlöse drängen und somit eine Aufstockung des WM-Turnierfelds oder häufigere Turniere wahrscheinlich werden. Die FIFA betont, die „ausschließliche Zuständigkeit für die Führung des Fußballs“ zu behalten. Die Einnahmen im aktuellen WM-Zyklus sollen auf 15 Milliarden US-Dollar steigen.
Wer sind die Gegner und was können sie tun?
Der mächtigste Gegner ist die UEFA, die ihre Opposition klar kommunizierte und eine Dringlichkeitssitzung noch diese Woche in Erwägung zieht. Der englische Fußballverband zeigte sich „tief besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“. Hans-Joachim Watzke, UEFA-Vizepräsident, sagte: „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht.“ Bayerns Sportvorstand Max Eberl äußerte sich schockiert: „Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden. Der Fußball gehört uns nicht.“ Er stellte einen Boykott Europas in Aussicht.
Welche Rolle könnte Infantino spielen?
Infantino könnte nach Ablauf seiner Amtszeit als Präsident zum Geschäftsführer der neuen Tochtergesellschaft FFE werden und so weiterhin Einfluss ausüben. Ein FIFA-Sprecher betonte, dass noch nie konkret darüber gesprochen worden sei, aber gemäß Statuten müsse der Präsident führende Rollen in Tochtergesellschaften einnehmen. Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter kritisierte: „Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen.“ Auch der britische Premier Andy Burnham und Medien wie die „Times“ übten scharfe Kritik.
Ist der Plan mehrheitsfähig?
Trotz des Widerstands aus Europa gilt eine Zustimmung der kleineren Verbände als wahrscheinlich, da ihre Einnahmen sich laut FIFA verdreifachen könnten – auf durchschnittlich über sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Infantino spricht von einer „Demokratisierung des Fußballs weltweit“ und verspricht Investitionen auch in „die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußball-Welt“. Der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf und Asiens Kontinentalverband zeigten sich jedoch über das undurchsichtige Verfahren enttäuscht.



