Saalfelden – Beim Trainingslager von RB Leipzig in Österreich dreht sich am zweiten Tag alles um einen Spieler, der gar nicht anwesend ist: Yan Diomande (19). Der Offensivstar hat sich mit Real Madrid einig und strebt einen Wechsel an. Kurz vor der Abreise ins Camp meldete er sich mit einem Infekt ab. Nun bezieht Sportgeschäftsführer Marcel Schäfer klar Stellung: Sobald Diomande gesund ist, muss er nach Saalfelden nachreisen.
Schäfer: „Er hat hierher anzureisen“
„Wir haben am Sonntag mit ihm telefoniert und sind im Austausch“, erklärt Schäfer in der Alpenkulisse. „Klar ist, wenn es ihm wieder besser geht, dass er hierher anzureisen hat.“ Der 43-Jährige bestätigt zugleich, dass es Gespräche zwischen RB Leipzig und Real Madrid gibt. „Das ist doch eine Bestätigung seiner Leistung“, sagt er. Ein Transfer scheint in greifbare Nähe gerückt – Real bietet mindestens 120 Millionen Euro Ablöse.
Diomande, dessen Marktwert in seiner ersten Saison von 1,5 Millionen auf 90 Millionen Euro explodierte, ist der wertvollste Spieler im Kader der Sachsen. Sein Abschied wäre ein herber Verlust, doch Schäfer betont: Man respektiere den Wunsch des Spielers und führe Gespräche, ohne Garantie für einen Wechsel. „Es gibt ja verschiedenste Szenarien, in denen er weiterhin unser Trikot tragen kann.“ Eine sofortige Rückkehr per Leihe nach Leipzig gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Warum ein Abschied möglich ist
Erst Ende Juni hatte Schäfer in BILD ein Machtwort gesprochen und einen Wechsel kategorisch ausgeschlossen. Nun relativiert er: „Die klare Intention war damals natürlich, Yan Diomande zu behalten.“ Doch wenn ein Spieler sich mit einem Thema beschäftige, gebühre ihm Respekt. Man setze sich mit dem Spieler und seiner Berateragentur auseinander – ohne Garantie, dass am Ende ein Wechsel steht.
Hinter den Kulissen brodelt es offenbar auch wegen der Beraterfrage: Diomandes Ex-Agentur „Maxidel“ und seine aktuellen Berater von „Roc Nation“ liegen im Streit. Schäfer winkt ab: „Ich habe von niemandem gehört, dass etwas nicht funktioniert, weil sich da jemand querstellt.“ Die Gespräche mit Real laufen demnach ungehindert.
Gulácsi vor Absprung nach Villarreal
Neben Diomande beschäftigt Leipzig auch der mögliche Abschied von Torhüter Péter Gulácsi (36). „Es ist so, dass wir mit Villarreal in zielführenden Gesprächen waren. Es geht noch um Details“, verrät Schäfer. „Mit Pete haben wir aus Überzeugung verlängert. Aber wenn er dann ausdrücklich noch einmal einen Wunsch hinterlegt, etwas Neues zu machen, dann setzen wir uns hin und besprechen das Thema.“
Am Sonntagnachmittag hob Gulácsi von Leipzig aus zum Medizincheck nach Spanien ab – der Wechsel scheint nur noch Formsache. Als Ersatz ist Örjan Nyland (35) im Gespräch, auch wenn Schäfer den Norweger nicht namentlich nennt: „Mit dem potenziellen Nachfolger sind wir schon sicherlich sehr weit, aber auch da sind noch ein paar Feinheiten zu besprechen.“
Orban bleibt, Asllani kein Thema
Derweil plant Schäfer fest mit Abwehrchef Willi Orban (33). „Unser Bestreben ist ganz klar, mit Willi in die nächste Saison zu gehen. Er ist voll eingeplant“, sagt er – „immer mit dem Wissen, dass man nicht weiß, was in zwei Wochen passiert.“ Bei Wunschstürmer Fisnik Asllani (23) von der TSG Hoffenheim hält sich der Sportchef bedeckt: „Es gehört sich nicht, über Spieler, die woanders unter Vertrag sind, zu sprechen.“
Während Diomandes Zukunft weiter offen ist, richtet sich der Fokus der Leipziger auf die Vorbereitung. Am Dienstag steht das nächste Training an – ohne den 19-Jährigen, der sich in Madrid in Behandlung befinden soll. Ob er tatsächlich nach Österreich kommt, wird sich zeigen. Klar ist nur: RB Leipzig will keine Schwächung hinnehmen, ohne eine angemessene Ablöse zu kassieren.



