Sepp Maier adelt Urbig: Bayerns Nummer eins der Zukunft
Maier: Urbig wird DFB-Keeper der Zukunft

Interview: "Gibt nicht so viele auf diesem Niveau"

Sepp Maier adelt Jonas Urbig: Die Bayern-Legende sieht den 22-Jährigen nicht nur als Neuer-Nachfolger in München, sondern auch als künftige Nummer eins im DFB-Tor. Im AZ-Interview erklärt Maier, warum Urbig schon jetzt bereit für die WM ist.

AZ: Herr Maier, nun ist es fast vollbracht: Torhüter Manuel Neuer verlängert seinen Vertrag beim FC Bayern München um eine weitere Saison bis Ende Juni 2027 und geht somit nach der Sommerpause in seine 16. Spielzeit als Nummer eins in München. Hat der 40-Jährige noch eine stabile Saison im Kreuz?

SEPP MAIER: Auf jeden Fall! Er würde nicht noch ein Jahr dranhängen, wenn die Zipperlein zu groß wären. Keiner kennt seinen Körper besser als Manuel selbst, zudem ist er erfahren genug – er weiß schon, was er tut.

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Bayern-Legende adelt Neuer

Halten Sie es für eine gute Idee, dass Neuer noch eine Spielzeit dranhängt? Der FC Bayern ist souverän Meister geworden, steht im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart – das Double winkt also. Dazu kommt das Erreichen des Halbfinals der Champions League.

In den Spielen gegen Real Madrid und Paris St.Germain – abgesehen von dem einen Patzer im Rückspiel gegen Real – hat Manuel doch bewiesen, was er immer noch draufhat, dass er weiter Weltklasse verkörpert. Mit dieser Karriere im Rücken muss er es sich selbst und vor allem niemandem anderen mehr beweisen. Das Wichtigste ist doch, was er fühlt. Und Manuel hat selbst gesagt, dass es ihm mit dieser Mannschaft und diesem Trainer großen Spaß macht.

Sie sprechen die Menschenführung und das Miteinander in der Kabine unter Vincent Kompany an.

Er hat das einfach super hinbekommen. In dieser Truppe ist nicht nur Zug drin, der Wille zum Erfolg, sondern auch ein prima Zusammenhalt. Und in der Torhütergruppe gibt es sogar Freundschaften wie die zwischen Manuel und Sven Ulreich. Auch mit Jonas Urbig harmoniert Manuel bestens.

Neuer-Verlängerung hilft Urbig

Kann das auch eine Rolle spielen? Die Tatsache, dass Neuer – wie er selbst betont hat – in Urbig seinen Nachfolger sieht und ihm - wie hauptsächlich in der Rückrunde dieser Saison - immer mehr Spiele, vor allem in der Bundesliga, überlässt?

Mit Sicherheit. Ich kann mir gut vorstellen, dass Manuel eine gewisse Verantwortung spürt und sich sagt: Ich bleibe so lange beim FC Bayern, bis Jonas richtig Fuß gefasst hat und seine Entwicklung zur Nummer eins abgeschlossen ist. Und Urbig hilft das sehr. Er kann nur davon profitieren, ein weiteres Jahr mit Manuel zu trainieren.

Beim 1:0 am vergangenen Samstag in Wolfsburg hielt Bayerns Sieg fest. Wie gut ist der 22-Jährige in Ihren Augen schon?

Wenn jemand in der Bundesliga für den FC Bayern im Tor steht, sollte solch eine Leistung selbstverständlich sein. Der Knackpunkt ist die Konstanz: Es genügt beim FC Bayern nicht, wenn du mal sechs, sieben, acht gute Spiele machst. Wie viele Einsätze hatte Urbig diese Saison?

Insgesamt 18 Pflichtspiele, davon 13 in der Bundesliga, drei in der Champions League und zwei im DFB-Pokal.

Ah, okay. Das ist schon eine Menge. Aber du musst dich über die gesamte Saison beweisen. Urbig ist ein sehr guter Torhüter und bringt alle Voraussetzungen mit, um sich bei Bayern zu etablieren. Bekommt er die Chance als Nummer eins, sollte man mit ihm auch Geduld haben, wenn mal etwas schiefläuft.

Maier würde Urbig mit zur WM nehmen

Bundestrainer Julian Nagelsmann wird Urbig kommende Woche wohl für die WM diesen Sommer in Nordamerika als dritten Torhüter nominieren. Zu Recht?

Auf jeden Fall. In der deutschen Torhüter-Landschaft gibt es nicht so viele auf diesem Niveau. Für ihn wäre das ein Glücksfall. Denn so kann er sich, ohne den ganz großen Druck, während des Turniers alles anschauen, alles aufsaugen. Ähnlich wie bei mir während der WM-Endrunde 1966 in England. Ich war als Ersatztorhüter dabei, die Nummer eins von Bundestrainer Helmut Schön war Hans Tilkowski von Borussia Dortmund. Ich konnte in den Spielen meine Idole Gordon Banks und Lew Yashin beobachten und von ihnen lernen. Das hat mich geformt. Ich finde, Urbig gehört die Zukunft. Er wird eines Tages die Nummer eins der Nationalelf.

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Er hat es sich verdient, nach der Verletzung von Marc-André ter Stegen dieses Turnier zu spielen.

Neuer-Thema beim DFB-Team ist abgehakt

Was trauen Sie der aktuellen Nummer eins beim DFB, Oliver Baumann, bei der WM zu?

Ein guter Torhüter. Er hat es sich verdient, nach der Verletzung von Marc-André ter Stegen dieses Turnier zu spielen. In der Nationalmannschaft hat er immer gut gehalten, auch bei der TSG Hoffenheim, sonst würden die jetzt nicht noch um die Champions-League-Teilnahme kämpfen.

Ist eine DFB-Rückkehr von Neuer für die WM doch denkbar?

Nein, das hat Manuel abgehakt und auch mehrmals betont. Was will er denn als Weltmeister von 2014 da noch? In meinen Augen könnte er bei einem Comeback nur verlieren – falls es schiefgeht. Da macht Manuel lieber einen schönen Urlaub in der Sommerpause und greift dann bei Bayern in der nächsten Saison noch mal an. Kürzlich hab' ich ihm mal eine Nachricht geschrieben und ihm zu einer seiner Top-Leistungen gratuliert: Na, fährst Du doch noch zur WM? Da hat mir Manuel geantwortet: Nein, Sepp. Wir zwei können uns gerne während der WM mal treffen und das ein oder andere Spiel im TV anschauen.