Die französischen Sicherheitskräfte hatten für die Nacht von Donnerstag auf Freitag mit Gewalt auf den Straßen gerechnet, doch die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Nach dem 2:0-Sieg Frankreichs im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Marokko blieben Ausschreitungen in Frankreich weitgehend aus. Lediglich im Raum Grenoble wurden kleinere Zwischenfälle gemeldet.
Präventive Maßnahmen der Behörden
Das Innenministerium und die Kommunen hatten im Vorfeld umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um eine Eskalation zu verhindern. Im Großraum Paris wurde das Mitführen von Waffen und Pyrotechnik verboten, in Teilen Südfrankreichs der Alkoholkonsum im öffentlichen Raum untersagt. Mehrere Metro- und Regionalbahnstationen blieben aus Sicherheitsgründen geschlossen. Allein in Paris waren 8000 Polizeikräfte im Einsatz. Das Pariser Ausgehviertel Marais wurde bis zwei Uhr morgens für den Autoverkehr gesperrt. In ganz Paris wurde das Spiel auf Leinwänden übertragen, jedoch gab es keinen zentralen Public-Viewing-Ort. Der Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, erklärte gegenüber dem Fernsehsender BFMTV: „Ich bevorzuge mehrere kleine Fanzonen anstatt einer großen, um das Risiko von Ausschreitungen zu verringern.“ Er wünsche sich eine große Party, bei der sich alle sicher fühlen sollen. Bis Freitagvormittag gab es keine Berichte über Ausschreitungen in Paris.
Zwischenfälle in London und den USA
Anders sah es in London aus. Auf der Edgware Road im Westen der britischen Hauptstadt kam es zu Zusammenstößen zwischen marokkanischen Fans und der Polizei. Britische Medien berichten von einem verletzten Polizisten. Im Viertel, in dem viele marokkanischstämmige Menschen wohnen, versammelten sich bereits zur Halbzeitpause die ersten Demonstranten. Es wurde Feuerwerk gezündet und der Verkehr mit riesigen marokkanischen Fahnen blockiert. Auch in den USA gab es einen kleinen Zwischenfall: Medien berichten, dass marokkanische Fans in der Nacht vor dem Spiel vor dem Hotel der französischen Mannschaft Feuerwerk gezündet und mit Gesängen und Trommelmusik versucht haben sollen, das Team von Trainer Didier Deschamps um den Schlaf zu bringen. Sicherheitskräfte konnten diese Aktion unterbinden.
Gelassene Reaktion der marokkanischen Gemeinschaft in Frankreich
Die Leistung des französischen Teams wurde durch diese Störversuche nicht beeinträchtigt. Frankreich warf Marokko mit einem 2:0 aus dem Turnier. In Frankreich lebende marokkanische Fans hatten an diesem Abend nichts zu feiern, nahmen die Niederlage jedoch gelassen. Der Nachrichtensender FranceInfo verfolgte das Spiel im Geburtsort von Kylian Mbappé, Bondy bei Paris, wo viele Menschen die Nordafrikaner unterstützten. Dort zog ein marokkanischer Fan nach dem Spiel kurzerhand sein Trikot aus, unter dem das blaue Trikot der Franzosen zum Vorschein kam. „So ist das halt, franko-marokkanisch zu sein, Leute“, meinte er. Die marokkanische Gemeinschaft in Frankreich, die rund zwei Millionen Menschen umfasst und durch die Kolonialgeschichte eng mit dem Land verbunden ist, zeigte sich somit friedlich.



