Die Deutsche Bank und weitere Finanzinstitute haben massiv gegen den geplanten digitalen Euro lobbyiert – und dabei möglicherweise gegen Transparenzpflichten verstoßen. Das belegen mehr als 380 Seiten bislang unbekannter E-Mails, Positionspapiere und Änderungsvorschläge, die der Verein Bürgerbewegung Finanzwende über das Informationsfreiheitsgesetz angefordert hat. Die Dokumente zeigen, wie die Banken versuchten, die Ausgestaltung des digitalen Euro zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
Deutsche Bank forderte niedriges Guthabenlimit
Allein die Deutsche Bank übermittelte im August 2025 insgesamt 44 Seiten detaillierte Vorschläge an die deutsche Vertretung bei der EU in Brüssel. Darin forderte sie unter anderem ein Guthabenlimit im „niedrigen 3-stelligen Bereich – ähnlich einem typischen Bargeld-Betrag im Portemonnaie eines Bürgers“. Zudem wehrte sie sich gegen starre Gebührenobergrenzen, da diese Zahlungsdienstleister „entmutigen“ könnten, das elektronische Bargeld anzubieten. Ähnliche Schreiben gingen von Unicredit, ING und DZ Bank an die Bundesregierung.
Digitaler Euro bedroht Geschäftsmodell der Banken
Der digitale Euro soll Europa von US-Zahlungsdienstleistern unabhängiger machen. Die Guthaben würden bei der Europäischen Zentralbank liegen, was Banken Einnahmeverluste bringt – etwa weil Gebühren aus Kartenzahlungen wegfallen könnten. Die Branche habe „aus Profitinteressen massiv gegen dieses Vorhaben mobilisiert“, warnte Finanzwende bereits im April in einem Report. Die jetzt ausgewerteten Dokumente wurden laut Finanzwende erst nach dessen Fertigstellung übermittelt und waren nicht im Lobbyregister erfasst.
Finanzwende vermutet Verstoß gegen Transparenzpflichten
Finanzwende hat sich bei der zuständigen Stelle beim Bundestag beschwert. „Wenn Banken einen starken digitalen Euro verhindern wollen, um ihre eigenen Profite zu schützen, dann dürfen sie das tun. Voraussetzung ist aber, dass sie es öffentlich tun und nicht mit gut versteckten Geheimpapieren“, sagt Kevin Kühnert, der bei Finanzwende den Bereich Steuern, Verteilung und Lobbyismus leitet. Der frühere SPD-Generalsekretär kritisiert die mangelnde Transparenz der Lobbyarbeit.
Reaktionen der betroffenen Banken
Die Deutsche Bank zeigte sich auf Anfrage der „Auffassung, dass wir die Vorgaben des Lobbyregisters einhalten“. Ihre Position zum digitalen Euro sei dort hinterlegt, zusätzliche Papiere müssten „nicht gesondert eingereicht werden“. Die ING sieht sich „im Einklang mit den geltenden Vorgaben des deutschen Lobbyregisters“. Die DZ Bank will untersuchen, „ob eine Eintragung in Bezug auf die konkreten Aktivitäten im Kontext des digitalen Euro erforderlich ist“. Auch Unicredit kündigte eine Überprüfung an, ob es zu Verstößen gegen das Lobbyregistergesetz gekommen sei. Falls ja, verpflichte man sich, diese „so schnell wie möglich zu beheben“.



