Marokko erreicht WM-Viertelfinale: 3:0-Sieg gegen Kanada
Marokko im WM-Viertelfinale: 3:0 gegen Kanada

Die marokkanische Nationalmannschaft hat als erstes Team das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Mit einem 3:0 (0:0)-Sieg gegen Co-Gastgeber Kanada in Houston zog der Afrika-Meister in die Runde der letzten acht ein. Während die Marokkaner um Doppeltorschütze Azzedine Ounahi ausgelassen jubelten, trottete Bayern-Star Alphonse Davies nach dem WM-Aus seiner Kanadier traurig über den Rasen.

Schwache erste Halbzeit, starke zweite Hälfte

Die Auswahl von Nationaltrainer Mohamed Ouahbi hatte beim 3:0-Erfolg allerdings mehr Mühe als erwartet. Nach einer schwachen ersten Halbzeit traf der zum Spieler des Spiels gekürte Ounahi zweimal (50. und 82. Minute). Soufiane Rahimi ließ Marokko in der Nachspielzeit (90.+8) noch einmal jubeln. „Wir haben gelitten“, gestand Marokkos Coach Ouahbi. Seine Mannschaft habe sich nach der Pause aber „beeindruckend“ reingehängt. „Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt wie Kanada, weiß man, dass es schwierige Momente geben wird. Wenn man weit kommen will, muss man auch mit solchen Momenten umgehen können.“

Marokko bangt um Bayern-Neuzugang Saibari

Nach Platz vier bei der WM 2022 wartet auf Marokko nun im Viertelfinale entweder der große Favorit Frankreich oder Deutschland-Bezwinger Paraguay. Offen ist, ob Bayern-Neuzugang Ismael Saibari dann wieder mitspielen kann – der Offensivstar musste verletzungsbedingt bereits in der 22. Minute ausgewechselt werden.

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Kanada „am Boden“ – aber stolz

Für Kanada endet dagegen das Turnier. Das Team von Jesse Marsch verabschiedet sich aber immerhin mit dem Erfolg, dank der ersten WM-Punkte überhaupt so weit gekommen zu sein wie noch nie. Auf der Tribüne half auch die Anfeuerung von Eishockey-Ikone Wayne Gretzky als einer der 68.777 Zuschauerinnen und Zuschauer am Ende nichts. Kanadas Coach Marsch: „Wir waren die bessere Mannschaft. Aber sie haben ein paar Tore erzielt. Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel – und uns hat es dort gefehlt.“ Es sei ein Privileg für die Fans, „so ein tolles Team“ zu sehen. „Wir liegen jetzt am Boden, aber ich könnte nicht stolzer sein“, sagte der frühere Leipzig-Coach.

Besondere Atmosphäre in Houston

Für die kanadische Auswahl und die Fans war die Reise nach Houston allein schon wegen des Datums besonders. Der große Nachbar USA, der unter Präsident Donald Trump eher schwierige Beziehungen zu Kanada pflegt, feierte am Samstag landesweit 250 Jahre Unabhängigkeit. Auch im und rund um das Stadion im patriotischen Bundesstaat Texas waren zahlreiche US-Fahnen und US-Trikots zu sehen. Die USA selbst hatten an ihrem „Independence Day“ spielfrei. Im Stadion waren zudem die marokkanischen Fans in der Überzahl.

Marokko als Mitfavorit – Saibari-Verletzung als Rückschlag

Der WM-Vierte des Turniers vor dreieinhalb Jahren in Katar gehörte schon vor dem Anpfiff mit einem hochtalentierten Kader mindestens zum erweiterten Favoritenkreis. Für Saibari zahlte der FC Bayern jüngst Schätzungen zufolge rund 55 Millionen Euro an die PSV Eindhoven. In ihrem insgesamt dritten WM-Achtelfinale begann Marokko aber erstaunlich passiv. Die Kanadier, die auf den nicht gänzlich fitten Davies komplett verzichteten, bestimmten klar die Anfangsphase. Jonathan David vergab eine halbwegs gute Torgelegenheit (5.), Tani Oluwaseyi hatte die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber an dem meist nur Bono genannten Torhüter Yassine Bounou (10.).

Saibari-Verletzung macht es schwerer

Die verletzungsbedingte Auswechslung von Saibari traf die Marokkaner kurz vor der ersten Trinkpause hart. Der 25-Jährige hatte bei dieser WM bereits dreimal getroffen, unter anderem zur Führung beim 1:1 gegen Rekordweltmeister Brasilien in der Gruppenphase. Rahimi kam für den verletzten Teamkollegen in die Partie. Der Abschluss des Neuen in die Arme von Kanadas Torwart Maxime Crépeau war der erste Schuss der Marokkaner aufs Tor (28.). In der Folge passierte bis zum Halbzeitpfiff nicht mehr viel, die Partie wirkte trotz des K.-o.-Charakters fußballerisch sehr behäbig – und wurde teils hitzig. Der größte Aufreger war bis dahin eine Rangelei, die mit Gelben Karten für Kanadas Richie Laryea und Marokkos Achraf Hakimi endete (40.). Der englische Schiedsrichter Michael Oliver hatte Mühe, die Gemüter zu beruhigen und verteilte noch weitere Verwarnungen.

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Ounahi erlöst die marokkanischen Fans

„Das Level, das wir die ersten Spiele gezeigt haben, wird nicht reichen, um dieses Spiel zu gewinnen“, hatte Marokkos Nationaltrainer Ouahbi vor dem Spiel angemahnt. Der Druck lag auch auf Real-Madrid-Star Brahim Díaz, der bislang torlos geblieben war – und wie seine Teamkollegen gegen Kanada 45 Minuten lang große Probleme hatte, sich in Szene zu setzen. Entsprechend überraschend fiel die Führung kurz nach dem Wiederanpfiff. Nach einem Freistoß von Hakimi kam der Ball zu Ounahi, der von der Strafraumgrenze flach ins untere Toreck traf. Für die Marokkaner wurde die Partie im Anschluss naturgemäß leichter. Der amtierende Afrika-Meister verlegte sich auf Konter und konnte abwarten. Das zweite Tor des Profis vom FC Girona riss die kanadischen Fans endgültig aus allen Träumen.