Lothar Matthäus hat die Familienbesuche beim DFB-Team während der Weltmeisterschaft scharf kritisiert. Der Rekordnationalspieler stellte in einer Diskussion die provokante Frage: „Ist das Schlafzimmer groß genug?“ Damit spielte er auf die möglichen Ablenkungen durch die Anwesenheit von Partnern und Kindern im Mannschaftsquartier an.
Matthäus bezweifelt positive Wirkung der Familienbesuche
Der 64-Jährige, der selbst an fünf Weltmeisterschaften teilgenommen hat, zeigte sich skeptisch, ob die Anwesenheit der Familien tatsächlich zur Leistungssteigerung beiträgt. „Ich habe meine Erfahrungen gemacht. Wenn die Familie da ist, ist man vielleicht nicht mehr zu 100 Prozent fokussiert“, so Matthäus. Er verwies auf seine eigene aktive Zeit, in der Familienbesuche während Turnieren unüblich waren.
Die Diskussion um Familienbesuche bei großen Turnieren ist nicht neu. Während der EM 2021 und der WM 2022 in Katar durften die Spieler ihre Angehörigen im Teamquartier empfangen. Der DFB hatte diese Praxis als Teil eines modernen und familiären Führungsstils verteidigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt ebenfalls auf eine lockere Atmosphäre, wie die kürzlich öffentlich gewordenen Küsse mit seiner Freundin Lena zeigen, die Matthäus zuvor als „vorbildlich“ lobte.
Kritik an Ablenkung und fehlender Konzentration
Matthäus argumentierte, dass die Konzentration auf das Turnier unter den Familienbesuchen leiden könne. „Man hat dann nicht nur den Trainer und die Mitspieler um sich, sondern auch die eigene Familie. Das kann ablenken“, sagte er. Er forderte eine Rückkehr zu strengeren Regeln, wie sie früher üblich waren. „Früher war der Fokus klarer: Man war im Turnier, und die Familie wartete zu Hause.“
Der DFB hatte die Familienbesuche als Teil einer umfassenden Betreuung der Spieler eingeführt. Sportdirektor Rudi Völler betonte mehrfach, dass die Anwesenheit der Familien das Wohlbefinden der Spieler steigere und damit indirekt die Leistung fördere. „Wir wollen, dass sich die Spieler wohlfühlen. Wenn die Familie dabei ist, sind sie entspannter“, so Völler.
Gemischte Reaktionen auf Matthäus' Aussage
Die Aussagen von Matthäus stießen auf geteiltes Echo. Während einige Fans und Experten ihm zustimmten und eine zu lockere Atmosphäre kritisierten, verteidigten andere die Familienbesuche als moderne und menschliche Herangehensweise. Der ehemalige Nationalspieler und heutige TV-Experte betonte jedoch, dass es ihm nicht um eine generelle Ablehnung gehe, sondern um die richtige Balance. „Es kommt auf den Zeitpunkt an. Vor wichtigen Spielen sollte die Familie vielleicht nicht da sein“, präzisierte er.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der die deutsche Nationalmannschaft mit gemischten Ergebnissen in die WM gestartet ist. Nach der Vorrunde steht das Team im Achtelfinale, wo es auf Paraguay trifft. Matthäus hatte zuvor bereits andere Themen kritisiert, etwa die Aufstellung von Antonio Rüdiger oder die Leistung von Felix Nmecha.



