Frankreichs Superstar Kylian Mbappé lässt sich von nichts aufhalten – weder von einem Rassismus-Eklat noch von einem verschossenen Elfmeter. Beim 2:0-Sieg im Viertelfinale gegen Marokko am Donnerstag in Foxborough strahlte der 27-Jährige wieder über das ganze Gesicht. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Mbappé. Zum dritten Mal nacheinander stehen Les Bleus im Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Selten wirkten sie stärker als bei diesem Turnier in Nordamerika.
Unerschütterliche Nervenstärke trotz Widrigkeiten
Die bisherige Bilanz Frankreichs bei dieser WM ist beeindruckend: sechs Spiele, sechs Siege, 16:2 Tore. „L'Équipe“ titelte nach dem überraschend einseitigen Spiel gegen Marokko „unaufhaltsam“. Die Franzosen erspielten sich Chance um Chance und gerieten defensiv kaum in Bedrängnis – und das gegen den Afrika-Cup-Meister dieses Jahres und WM-Vierten von 2022. Es war eine Machtdemonstration.
Mbappé bewies dabei seine außergewöhnliche Nervenstärke. Nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Paraguay war er von der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla de Boccia in sozialen Medien rassistisch beschimpft worden. Der Fall schlug tagelang hohe Wellen, rief sogar Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron auf den Plan und führte zu Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft. Hinzu kam ein verschossener Elfmeter in der 28. Minute gegen Marokko. „Ich habe schlecht geschossen“, räumte Frankreichs Kapitän ein. Es sei aber auch „knifflig“ gewesen, weil es ein „Durcheinander“ gegeben habe. Tatsächlich musste Mbappé mehrere Minuten am Punkt warten, während ein vorausgegangener Zweikampf überprüft wurde. Dass er an Marokkos Torwart Bono scheiterte, war fast keine Überraschung mehr. Viele Spieler schütteln so eine Szene nicht mehr ab – Mbappé schon.
Traumtor und Teamgeist
Sein 20. WM-Treffer war ein Traumtor und brachte Frankreich nach einer Stunde auf den Weg. Wenige Minuten später legte Mbappé für Ousmane Dembélé auf, der zum 2:0 vollstreckte. „Es geht nicht darum, wer die Tore erzielt. Wir kämpfen für Frankreich“, sagte Mbappé. Die Mannschaft zeigt eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Dass Topstars wie Mbappé, Dembélé oder Michael Olise vom FC Bayern München derart harmonieren, ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir spielen mit Leidenschaft“, so Mbappé. „Es gibt nichts Größeres, als sein Land bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten.“
Teamkollege Dembélé lobte Mbappé: „Kylian ist unglaublich. Er zweifelt nie und ist nervenstark.“ Auch Trainer Didier Deschamps, der nach dieser WM aufhören wird, zeigte sich beeindruckt: „Wenn du einen Kylian in der Mannschaft hast, musst du dir keine großen Sorgen machen.“
Rekordjagd und Lob von Ibrahimovic
In der ewigen WM-Torjägerliste ist Mbappé bis auf einen Treffer an Rekordhalter Lionel Messi herangerückt. In der Torschützenliste dieses Turniers liegen beide mit jeweils acht Treffern gleichauf. Das Wettschießen spitzt sich zu. Schwedens Ex-Topstürmer Zlatan Ibrahimovic lobte nach dem Sieg gegen Marokko einen der zuverlässigsten Vorbereiter Mbappés: Michael Olise. „Er ist der Tom Brady Frankreichs“, sagte Ibrahimovic dem TV-Sender Fox. „Wenn du Spieler wie Olise hast, denke nicht nach, renne nur – der Ball wird ankommen.“ Football-Star Brady war jahrelang Quarterback der New England Patriots, die in dem Stadion spielen, in dem Frankreich seine Erfolgsstory fortsetzte.
Auch ein Schlag auf den Knöchel störte den glücklichen Mbappé auf seiner Umarmungsrunde nicht mehr. Den designierten Bundestrainer Jürgen Klopp herzte er auf dem Rasen gleich mit. Unaufhaltsam, dieser Mbappé und seine Franzosen.



