48.000 Pfund – so viel hat ein Bieter bei einer Auktion in Großbritannien für die WM-Siegermedaille von Benjamin Mendy gezahlt. Die Versteigerung wurde am Dienstag von der britischen Nachrichtenagentur PA bestätigt. Mendy hatte die Medaille als Mitglied des französischen Kaders beim WM-Triumph 2018 in Russland erhalten. Der Linksverteidiger war während des Turniers verletzungsbedingt ohne Einsatz geblieben, gehörte aber offiziell zum Aufgebot der Équipe Tricolore.
Der anonyme Käufer ersteigerte das Erinnerungsstück für umgerechnet rund 56.000 Euro. Der Verkauf erfolgte über ein Auktionshaus, das auf Fußballmemorabilien spezialisiert ist. Ein Sprecher des Auktionshauses bestätigte den Verkauf auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Details, etwa ob es sich um ein Online-Gebot handelte, wurden nicht genannt.
Vom Vorzeige-Profi zum Angeklagten
Benjamin Mendy galt einst als einer der besten linken Verteidiger der Welt. Nach seiner Ausbildung in Le Havre wechselte er 2013 zu Olympique Marseille. 2016 zog es ihn zur AS Monaco, wo er mit dem Team sensationell die französische Meisterschaft gewann. 2017 folgte der Wechsel zu Manchester City. Die Ablösesumme lag laut Medienberichten bei 57,5 Millionen Euro. In Manchester entwickelte sich Mendy zum Stammspieler und gewann unter Pep Guardiola zwei Meistertitel, den FA Cup und den Ligapokal. In der Champions League zog er mit City ins Finale, unterlag aber gegen den FC Chelsea.
Sein Karriere widmete er auch dem französischen Nationalteam. Sein Debüt gab er 2017 im Freundschaftsspiel gegen Spanien. Insgesamt bestritt er zehn Länderspiele – sein letztes 2019. Bei der WM 2018 stand er im Kader, fiel aber wegen eines Meniskusschadens aus.
Skandal und Freispruch
Im August 2021 wurde Mendy in seiner Villa in Cheshire festgenommen. Ihm wurden Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in mehreren Fällen vorgeworfen. Manchester City suspendierte ihn umgehend und stellte die Gehaltszahlungen ein. Der Prozess vor dem Crown Court in Chester begann im Januar 2022 und zog sich über mehrere Monate. Im Juli 2023 sprach die Jury den Fußballer in allen Anklagepunkten frei. Die Geschworenen hatten mehr als drei Stunden beraten.
Mendy zeigte sich nach dem Urteil erleichtert, äußerte sich jedoch öffentlich nur zurückhaltend. Seine Anwälte betonten, dass er die schwere Zeit nur dank der Unterstützung seiner Familie und Freunde überstanden habe. Die entstandenen Anwaltskosten sollen sich auf rund eine Million Pfund belaufen haben.
Verkauf als Neuanfang
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich schloss sich Mendy im September 2023 dem FC Lorient an. Der Verein aus der Bretagne gab ihm die Chance, wieder regelmäßig zu spielen. Dennoch blieben die finanziellen Folgen der Suspendierung spürbar. Der Verkauf der WM-Medaille sei ein Schritt, um einen Schlussstrich zu ziehen und das Kapitel endgültig abzuschließen, hieß es aus seinem Umfeld.
Medaillen von Fußball-Weltmeistern werden nur selten versteigert. Meistens behalten die Spieler ihre Trophäen ein Leben lang. Dass ein Ex-Weltmeister seine Siegermedaille veräußert, ist außergewöhnlich. Der erzielte Preis von 48.000 Pfund liegt unter den Erwartungen mancher Experten, die von einem höheren Erlös ausgegangen waren. Dennoch zeigt die Auktion, dass auch Erfolgsstücke mit einer schwierigen Biografie Geschichte schreiben.
Wie geht es weiter?
Benjamin Mendy bestritt für Lorient in der aktuellen Saison zwölf Pflichtspiele. Der Klub kämpft in der Ligue 1 gegen den Abstieg. Mendys Vertrag läuft bis Sommer 2025. Ob er nach dieser Saison noch einmal einen größeren Verein findet, bleibt abzuwarten. Sein Nationaltrainer Didier Deschamps hat eine Rückkehr in die Équipe Tricolore unterdessen nicht ausgeschlossen.
Die WM-Siegermedaille von 2018 wird künftig in einer Privatsammlung ihren Platz finden. Der Käufer bleibt anonym. Mendy selbst hat sich bislang nicht zu dem Verkauf geäußert. Die Geschichte zeigt, dass sportlicher Ruhm nicht immer vor persönlichen Abstürzen schützt – und dass Erinnerungen manchmal einen Preis haben.



