Mexiko fürchtet den WM-Knockout durch den Deutschland-Schreck Ecuador. Der Mitgastgeber beschwört, was zu beschwören geht, um sich nach der perfekten Gruppenphase vor dem absoluten Stimmungsschock zu bewahren. Der Trainer als Glücksbringer, die positive Bilanz und die Festung Aztekenstadion – alles muss herhalten.
Ecuador will alte Rechnung begleichen
„Der erste Schritt zu einer historischen Weltmeisterschaft“, schrieb Mexikos „PubliMetro“ zwar großmundig. Die Warnung folgte aber umgehend: Ecuador habe auch das Zeug zum „unangenehmsten Gegner“. Die Südamerikaner kommen mit dem gewaltigen Schwung durch das 2:1 im letzten Gruppenspiel gegen die DFB-Elf. „Ecuador reist ins Aztekenstadion, um eine 24 Jahre alte Rechnung bei der Weltmeisterschaft zu begleichen“, betonte „El Comercio“ aus Ecuador.
2002 trafen beide Mannschaften zum bisher einzigen Mal bei einer WM aufeinander. Ecuador verlor 1:2 gegen die Mexikaner und schied nach der Vorrunde aus. Mexiko kam als Gruppenerster weiter. Trainer damals wie heute bei den Mexikanern: Javier Aguirre. Nicht zuletzt deswegen fragte die Zeitung „Esto“ bereits mit Blick auf den Coach: „WM-Glücksbringer?“
Mexiko-Coach Aguirre und die bittere Erfahrung von 1986
Der 67-Jährige ist ein Trainer-Routinier. Er spürt den Druck eines ganzen Landes, das so sehr von diesem bisher unerreichbaren Titel träumt. 1970 bei der Heim-WM nutzte Mexiko den Heimvorteil und schaffte es bis ins Viertelfinale. 1986 gelang es erneut. Aguirre trug damals das Trikot von „El Tri“, war gesetzt im zentralen Mittelfeld. Gegen die Deutschen, bei denen Thomas Berthold nach einer guten Stunde vom Platz geflogen war, sah dann aber auch Aguirre in der Verlängerung die Rote Karte. Das Elfmeterschießen verlor Mexiko 1:4. Aguirre weiß also, wie es sich anfühlt, vor dem Heimpublikum auszuscheiden.
Aguirre will sich, vor allem aber seine Mannschaft vor dieser Erfahrung bewahren. Er managt die riesigen Erwartungen der Mexikaner bisher souverän. Die Bilder allein von Hunderttausenden, die die Mannschaft an den Spieltagen auf der Prachtstraße Reforma am Fuße des goldenen „Ángel de Independencia“ feierten, entgehen auch Aguirre nicht. Sie wollen nicht nur feiern, sie wollen die Trophäe.
Aguirre stellt sich vor seine Spieler. Er gönnte dem 40 Jahre alten Keeper Guillermo Ochoa, der nur noch Ersatz ist, kurz vor dessen Karriereende den großen Moment beim letzten Gruppenspiel mit einer späten Einwechslung unter ohrenbetäubendem Jubel. Aguirre setzt auch Wunder-Teenager Gilberto Mora dosiert ein. Er kontrolliert, was zu kontrollieren ist.
Aguirres Gegenüber: Sebastián Beccacece
Sein Pendant heißt Sebastián Beccacece, auch er war als Co-Trainer schon zweimal bei einer WM: 2014 mit Chile, 2018 mit Argentinien – beide Male an der Seite von Jorge Sampaoli. Beccacece, der wie Superstar Lionel Messi aus Rosario stammt, übernahm den Posten des ecuadorianischen Nationaltrainers im Sommer 2024. „Es ist die Freude, an einem Ort zu sein, von dem man träumt“, sagte er einmal in einem FIFA-Video über die Faszination WM.
Nach dem beschwerlichen Start in die XXL-Endrunde fiel die Last von Beccacece beim Sieg gegen die deutsche Mannschaft komplett ab. Entfesselt feierte er mit seiner blonden Rockstar-Mähne den Triumph. Daheim in Ecuador bekam das Volk einen zusätzlichen Feiertag geschenkt.
„Das Azteka wird brennen!“
Der Ort, der Beccacece und die Mannschaft nun erwartet, ist ein ganz besonderer: Das Aztekenstadion. 80.824 Zuschauer, eine einzigartige Atmosphäre, für die auch diesmal wieder die mexikanischen Fans sorgen werden. „Die Fans sind für uns äußerst wichtig“, sagte Angreifer Guillermo Martínez. „Das Azteka wird brennen!“, prophezeite das Portal infobae bereits martialisch.
Das Stadion, in dem sich Pelé 1970 und Diego Maradona 1986 jeweils zum Weltmeister krönten, ist die WM-Festung der mexikanischen Nationalmannschaft. Drei Siege 1970, das Aus kam im Viertelfinale in Toluca gegen Italien. Zwei Siege, ein Remis in der Gruppenphase, dazu ein Sieg im Achtelfinale 1986. Das Aus kam in Monterrey gegen die deutsche Mannschaft.
Schreibt Mexiko sein Sommermärchen 2026 weiter oder zerstört Deutschland-Schreck Ecuador alle Hoffnungen auf ein mögliches Achtelfinale wieder im Aztekenstadion gegen England? Für Ecuador wäre es ein Wiedersehen nach 2006, als die Mannschaft in Deutschland gegen die Three Lions ausschied und seitdem darauf wartet, weiter als bis ins Achtelfinale zu kommen.



