Müller und Lineker attackieren Tuchel nach WM-Aus: „Unbegreiflich“
Müller und Lineker attackieren Tuchel nach WM-Aus

Nach dem überraschenden WM-Aus Englands gegen Argentinien im Halbfinale steht Nationaltrainer Thomas Tuchel massiv in der Kritik. Auslöser sind seine taktischen Umstellungen nach der frühen 1:0-Führung durch Anthony Gordon. Statt auf Offensive zu setzen, wechselte Tuchel drei Verteidiger ein und stellte auf eine Fünferkette um. Argentinien nutzte die defensive Ausrichtung aus und drehte die Partie mit einem späten Doppelschlag, der den „Three Lions“ den Traum vom ersten WM-Titel seit 1966 zunichtemachte.

Müller: „Ich kann nicht begreifen, wie sie die Argentinier eingeladen haben“

Thomas Müller, Weltmeister von 2014 und langjähriger Nationalspieler, äußerte sich in einem Instagram-Video fassungslos: „Ich kann es nicht fassen und nicht verstehen, wie England dieses Spiel nach der Führung angegangen ist. Ich kann nicht begreifen, wie sie die Argentinier eingeladen haben, aus idealen Positionen eine Flanke nach der anderen zu schlagen.“ Müller kritisierte damit die passive Spielweise, die Lionel Messi und seinem Team erlaubte, Druck aufzubauen.

Der 52-jährige Tuchel verteidigte seine Entscheidung: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass offensive Wechsel helfen würden. Natürlich gibt es danach immer Leute, die es besser wissen. Ich übernehme die Verantwortung.“ Dennoch zeigte er sich selbstkritisch, nachdem Englands Hoffnungen auf den Titel geplatzt waren.

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Lineker und Rooney: Scharfe Angriffe auf die Taktik

Neben Müller meldeten sich auch ehemalige englische Nationalspieler zu Wort. Gary Lineker, Rekordtorschütze Englands, bezeichnete die Taktik als „absolut unbegreiflich“. Auf der Plattform X schrieb er: „Wenn man Messi und Argentinien erlaubt, dass sie auf einen zustürmen, dann sucht man förmlich nach Ärger. Die Wechsel, die wir vorgenommen haben, haben uns nicht geholfen. Ich bin am Boden zerstört.“

Wayne Rooney, ebenfalls ein ehemaliger Nationalstürmer, pflichtete bei: „Es ist absolut unbegreiflich, dass man ausgerechnet gegen den besten Fußballspieler aller Zeiten die Taktik verfolgt, seine Spieler tief stehenzulassen.“ Rooney verwies auf die Gefahr, die von Messi ausgeht, wenn man ihm Räume gibt.

Michael Owen: „Kein Mut, keine Courage“

Michael Owen, Ballon-d'Or-Gewinner von 2001, kritisierte die fehlende Spielkontrolle. „Welche Botschaft sendet das aus?“, fragte er auf X. „Solange wir nicht verstehen, dass Mut und Courage bedeuten, unter Druck den Ball in den eigenen Reihen zu halten und das Spiel zu kontrollieren – statt den Ball einfach 40 Meter nach vorn zu schlagen oder zu köpfen –, wird das Ergebnis immer dasselbe sein.“ Owen zog einen direkten Vergleich mit Spaniens Leistung gegen Frankreich am Vortag: „Schaut euch an, wie Spanien gestern beim Stand von 1:0 gespielt hat. Das ist Courage. Das ist Mut. Und dann schaut euch England beim Stand von 1:0 an.“

Die Kritik zeigt, dass Tuchels defensive Ausrichtung nicht nur das Spiel, sondern auch das Vertrauen in seine Fähigkeiten erschüttert hat. England war als einer der Favoriten ins Turnier gestartet, doch die Taktik gegen Argentinien ließ die Mannschaft alt aussehen.

Micah Richards: „Heute hat er es falsch gemacht“

Micah Richards, ehemaliger Profi von Manchester City und heutiger TV-Experte, sah die Schuld eindeutig bei Tuchel. „Heute hat er es falsch gemacht. Und das muss er akzeptieren. Sobald wir das Tor erzielt hatten, hatten wir keine Anspielstation mehr nach vorn. Kane war im Spiel völlig erschöpft. Da hätte man sich Ollie Watkins gewünscht, jemanden, der hinter die Abwehr laufen und uns nach vorn bringen kann“, befand Richards.

Die fehlende offensive Entlastung führte dazu, dass Argentinien immer stärker wurde und letztlich die Partie drehte. Harry Kane, der als Kapitän und Torgarant fungierte, war in der zweiten Halbzeit kaum noch zu sehen.

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Kyle Walker: Kein Fortschritt unter Tuchel

Kyle Walker, der im Frühjahr seine Nationalmannschaftskarriere beendet hatte, zog einen bitteren Vergleich zur Ära von Gareth Southgate. Mit Southgate hatte England 2018 ebenfalls das WM-Halbfinale erreicht – und war dort an Kroatien gescheitert. „Es ist dieselbe Geschichte, die ich in den letzten zehn Jahren meiner Karriere erlebt habe. Wenn man für England spielt, gibt es immer ein 'Wenn', ein 'Aber' und ein 'Vielleicht'“, sagte Walker. Trotz des Trainerwechsels und neuer Spieler sei das Ergebnis gleich geblieben: ein Halbfinal-Aus.

Die Niederlage wirft Fragen auf, ob Tuchel der richtige Trainer für Englands ambitionierte Ziele ist. Die Fans und Experten fordern eine offensivere Spielweise, die das Potenzial der Mannschaft besser nutzt. Ob Tuchel diese Kritik annimmt und umsetzt, bleibt abzuwarten.