Auf den Molukken in Indonesien sorgt ein Mofa-Korso mit Deutschland-Fahnen für Aufsehen. Rund 15.000 Kilometer entfernt von Deutschland ziehen Fans auf Mofas durch die Straßen von Ambon, schwenken schwarz-rot-goldene Fahnen und tragen DFB-Trikots. Dies geschieht bereits knapp zwei Wochen vor dem Start der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko.
Ein außergewöhnliches Fußballphänomen
Was wie eine Szene aus Berlin oder München wirkt, spielt sich auf den Molukken in Indonesien ab – genauer auf der Insel Ambon. Seit Jahrzehnten gibt es dort eine außergewöhnlich starke Fan-Kultur rund um die deutsche Nationalmannschaft. Doch wieso? So ganz genau ist das nicht aufzuklären.
Viele Molukker begannen bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren, deutsche Spiele im Fernsehen zu verfolgen. Die Generationen gaben ihre Begeisterung weiter. Aus TV-Abenden wurden Traditionen. Das DFB-Team gehört seit über Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Fußballnationen der Welt (4 WM-Titel und 3 EM-Titel seit 1954). Diese Erfolge brannten sich ein – und machten die DFB-Elf für viele zum Lieblingsteam.
Public Viewing unter Palmen
Der ARD-Weltspiegel besuchte die Insel bereits 2024 und begleitete Menschen beim Public Viewing während der Heim-EM beim Viertelfinal-Aus gegen Spanien (1:2 n.V.) unter Palmen. Die Molukker fiebern mit ihren Idolen Jamal Musiala oder Joshua Kimmich. Hinzu kommt das Image von Disziplin und Teamgeist. Deutsche Mannschaften galten auf den Molukken lange als kämpferisch, diszipliniert und zuverlässig. Diese Eigenschaften werden dort häufig mit Deutschland verbunden.
Spitzname „Der Panzer“
In Ambon trägt die Nationalmannschaft sogar den Spitznamen „Der Panzer“. Nach den schweren Konflikten zwischen Christen und Muslimen Ende der 1990er-Jahre spielte Fußball teilweise eine verbindende Rolle. Er brachte Menschen zusammen, wo zuvor Gräben verliefen.
Auffällig ist: Einen bedeutenden historischen Deutschlandbezug gibt es nicht. Anders als die Niederlande hatte Deutschland nie eine wichtige koloniale Rolle auf den Molukken. Die heutige Deutschland-Liebe lässt sich daher kaum historisch erklären. So bleibt die schwarz-rot-goldene Euphorie auf Ambon vor allem eines: ein außergewöhnliches Fußballphänomen.



