Nach Horror-Sturz bei Tour: So geht es Florian Lipowitz
Nach Horror-Sturz: So geht es Florian Lipowitz

Der schwere Sturz von Florian Lipowitz bei der Tour de France überschattet das Rennen. Der 25-jährige Radprofi des Red-Bull-Teams zog sich am Dienstag beim Einzelzeitfahren einen Schlüsselbeinbruch zu. Die Operation verlief erfolgreich. Teamchef Ralph Denk gibt Entwarnung: „Es geht ihm besser als erwartet.“

Operation am Genfer See – Zustand stabil

Nach Informationen der BILD wurde Lipowitz am Dienstagabend in einer Klinik am Genfer See operiert. Denk lobte das medizinische Team: „Unser medizinisches Team hat einen Bomben-Job gemacht. Da hilft der Red-Bull-Kosmos mit seinen vielen Kontakten in die Sportwelt.“ Lipowitz bleibt voraussichtlich noch eine Nacht im Krankenhaus. „Aber es geht ihm gut“, so Denk.

Der Schwabe aus Laichingen erlitt neben dem Schlüsselbeinbruch keine weiteren schweren Verletzungen. „Er hat Hautabschürfungen, wo er ein bisschen Angst hatte, die Wunden zu säubern. Jeder, der das schon mal gehabt hat, weiß, das tut weh“, erklärte Denk.

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Scherze trotz Schock – Familie und Freundin an seiner Seite

Die Stimmung im Team ist trotz des Schocks erstaunlich positiv. „Wir haben schon wieder gescherzt, auch über seine Abfahrtszeiten gestern, weil die waren richtig gut. Die waren ja schneller als bei Paul Seixas, der ja ein bisschen jünger ist und vielleicht ein Stück weit ambitionierter rangeht“, berichtete Denk. Die Familie von Lipowitz ist bei ihm, ebenso seine Freundin Antonia Weeger (21), die selbst Mountainbike fährt und die Risiken des Sports kennt. Sie hatte Lipowitz bereits am Dienstag zum Röntgen-Truck begleitet.

Die Scherze bezogen auch den 19-jährigen Franzosen Paul Seixas mit ein. Lipowitz hatte im Kampf um Platz 3 sieben Sekunden Rückstand auf Seixas aufgeholt, als der Unfall passierte. Denk: „Es war einfach sehr viel Geschwindigkeit drauf, und wahrscheinlich zu viel. Ich sehe sonst keinen anderen Schuldigen.“

Sicherheitsdebatte: War die Kurve ausreichend gesichert?

Lipowitz war in einer Rechtskurve zu schnell unterwegs und stürzte schwer. Denk hinterfragt die Absicherung der Strecke: „Ob er auch diese Verletzung davon getragen hätte, wenn man das professioneller absichert, wer weiß. Den Gehsteig, die Polsterung auf dem Gehsteig: Warum mache ich die nicht auf die Kante des Gehsteigs? Das kann man definitiv intensiv diskutieren.“ Auch die kurze Besichtigungszeit des Kurses kritisierte er: „Hätten wir mehr Trainingszeit bekommen auf dem Kurs, wäre es zumindest nicht von Nachteil gewesen.“

Psychologische Betreuung und Zukunftsperspektiven

Lipowitz, der als ruhiger Fahrer gilt, erhält mentale Unterstützung vom Team. „So eine Tour de France bereitest du nicht in zwei, drei Wochen vor, sondern das sind viele, viele Monate an strategischer Arbeit, aber auch an Entbehrungen. Man muss raus, auch wenn das Wetter schlecht ist. Und du hast ein großes Ziel und dann geht es von einem Moment auf den anderen kaputt. Das ist natürlich mental schon hart, aber wir haben auch da wieder gescherzt“, sagte Denk. Das Team verfügt über eine Abteilung für mentale Leistungsfähigkeit, die sich um Lipowitz kümmern wird.

Die Genesung wird einige Wochen dauern. Ein vorsichtiges Ziel könnte die Weltmeisterschaft in Montreal Mitte September sein. Denk: „Es ist viel zu früh, dass wir uns da Gedanken gemacht haben. Ich gehe aber davon aus, dass wir ihn dieses Jahr noch auf dem Rad bei Rennen sehen werden.“

Am Sonntag war bereits Jonas Vingegaard (29) auf der Etappe nach Le Markstein gestürzt – ebenfalls in einer Rechtskurve, ebenfalls mit Schlüsselbeinbruch und Tour-Aus. Wie es für beide Fahrer weitergeht, ist noch offen.

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