Julian Nagelsmann steht nach dem erneuten Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft massiv unter Druck. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler beraten über die Zukunft des Bundestrainers. Parallel wird im Boulevard bereits kräftig für Jürgen Klopp als Nachfolger getrommelt.
Nagelsmanns Zukunft immer ungewisser
Nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay in Foxborough war Nagelsmanns System endgültig kollabiert. Völler, der bis dahin als einer der letzten Unterstützer galt, äußerte sich zurückhaltend: „Ich bin überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, um weiterzumachen.“ Das Wort „wahrscheinlich“ zeigt, dass selbst der Sportdirektor nicht mehr vollständig von Nagelsmann überzeugt ist.
Der Boulevard geht bereits vor den angekündigten Gesprächen von einer Blitztrennung aus und schiebt Klopp mit großen Überschriften ins höchste deutsche Fußballamt. Dabei ist unklar, ob die Fans des deutschen Teams nach dem nächsten frustrierenden Turnier nicht wieder auf eine Sommer-Hängepartie warten müssen, wie 2018, als Joachim Löw erst im Cabrio durch den Schwarzwald fuhr, um seinen WM-Schmerz zu verarbeiten.
Völler und Neuendorf in der Verantwortung
Völler, der als Sportdirektor mitredet, wenn es um die Frage „Weiter so oder kompletter Neuanfang?“ geht, schob nach: „Aber ich bin nicht der DFB alleine. Ich habe das nicht alleine zu entscheiden.“ Neuendorf, der als FIFA-Council-Mitglied eigentlich in den USA sein könnte, musste nach Deutschland zurückkehren. Sein Aufenthaltsort ist unklar: zu Hause im Rheinland, in der DFB-Zentrale in Frankfurt oder in München, wo das Gespräch mit Nagelsmann stattfinden könnte.
Gespräch mit oder ohne Nagelsmann?
Aus Neuendorfs Statement vom Dienstag geht nicht eindeutig hervor, ob Nagelsmann an der Turnieranalyse teilnehmen darf. Er sprach von einer „gemeinsamen und ruhigen“ Ursachenforschung – gemeinsam mit Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig, aber ohne Nagelsmann namentlich zu nennen. 2022 nach dem WM-Debakel in Katar hatte Neuendorf Hansi Flick noch explizit als Teilnehmer genannt. Diesmal fiel Nagelsmanns Name nicht.
Nagelsmann selbst zeigte sich gesprächsbereit: „Die Argumente liefere ich den Bossen. Jeder weiß, wie ich als Trainer ticke.“ Kritiker legen ihm diesen Duktus als dünnhäutig und schnell beleidigt aus.
Geld als entscheidender Faktor
Im Trennungspoker geht es angeblich nur noch um eine siebenstellige Gehaltsentschädigung bei noch zwei Jahren Vertragslaufzeit. Der Vergleich mit Klopp, der als TV-Experte in den USA Fan-Herzen gewinnt, ist unfair. Aus Klopps Umfeld hört man lärmendes Schweigen – ein Signal, dass die Drähte gelegt werden. Eine wichtige Rolle könnte auch Hans-Joachim Watzke spielen, der mächtige DFL-Chef und DFB-Vizepräsident, der Klopp aus Dortmunder Tagen bestens kennt.
Schwieriges DFB-Konstrukt
Neuendorf muss Drähte legen in einem schwierigen Konstrukt, in dem Hierarchien eingehalten werden müssen und das föderale System auch Funktionären aus den Regionen Mitspracherecht einräumt. Aus Landesverbänden hört man, dass man zumindest nach einer Meinung gefragt werden möchte. Der Klopp-Deal könnte sehr teuer werden, und nicht jeder mag die Alphatier-Art des 59-Jährigen, der zudem noch bei Red Bull als Global Head of Soccer losgeeist werden muss.
Berlins Verbandschef Bernd Schultz sagte: „Ich wünsche mir, dass eine breite Diskussion geführt wird.“ Es könne nicht nur um die Nationalmannschaft gehen, denn die Stars der Zukunft werden in der Fläche entwickelt. Auch Völler müsse sich erklären.
Völlers ungeklärter Weg
Völler, der im Gegensatz zu Nagelsmann hohe Sympathiewerte genießt, könnte bei einer Verpflichtung Klopps überflüssig sein. Andererseits hat der ewige Rudi noch einen Vertrag bis zur EM 2028. Ausdrücklich wurde er vor gut drei Jahren inthronisiert, damit man einen Notnagel hat, sollte kein Bundestrainer zur Verfügung stehen.



