In gut einer Woche beginnt in den USA die bislang größte Fußball-WM der Geschichte, doch viele Sportfans in New York interessiert das derzeit kaum. Die Knicks mit Edelfan Donald Trump stehen erstmals seit 27 Jahren wieder in den NBA-Finals und empfangen im Big Apple die spektakulärste Attraktion des Basketballs: Victor Wembanyama, ein 2,24 Meter großer Franzose mit dem Spitznamen „Alien“.
Trump plant Besuch im Madison Square Garden
Das Final-Debüt des Ausnahmetalents Wembanyama (San Antonio Spurs) und die Rückkehr der lange geplagten Knicks bilden den Rahmen für eine packende Serie, die am Donnerstag (2.30 Uhr MESZ) in Texas beginnt. Wenn es nächste Woche mit Spiel drei und vier in New York weitergeht, dürfte die Aufregung noch massiv zunehmen. US-Präsident Trump hat einen Besuch im legendären Madison Square Garden angekündigt.
„Mann, was für ein Team“, sagte der gebürtige New Yorker Trump bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. „Sie haben einige wirklich großartige Spieler.“ Einzelne Tickets für die Finalspiele in Manhattan werden zu Preisen von bis zu 1,1 Millionen US-Dollar gehandelt. Im vergleichsweise beschaulichen San Antonio könnte man sich dafür ein Haus kaufen.
Wembanyama: Wie der Sinn meines Lebens
Die erste Reihe der Promis wird am 8. und 10. Juni im Herzen von New York dabei sein, wenn die Knicks ihr lang ersehntes Finals-Comeback feiern und um den ersten Titelgewinn seit 1973 kämpfen. Doch die Favoritenrolle hat Gegner San Antonio inne. Das liegt vor allem an Wembanyama, der die Spurs an Titelverteidiger Oklahoma City Thunder vorbei ins Endspiel geführt hat und schon in seiner dritten NBA-Saison nach den Sternen greift.
„Die Larry O'Brien-Trophy zu gewinnen, ist ein Kindheitstraum. Es lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist fast so etwas wie der Sinn meines Lebens“, sagte der gerührte Wembanyama nach dem fulminanten Sieg in Spiel sieben gegen die Thunder, die von Shai Gilgeous-Alexander angeführt werden. Wembanyama ist gerade dabei, Gilgeous-Alexander und Nikola Jokic von den Denver Nuggets als beste Spieler der Liga abzulösen.
Wembanyamas Messlatte: Jordan und James
Historisch dürfte es für den Riesen nicht darum gehen, Spurs-Legende Tim Duncan (fünf Titel) in den Schatten zu stellen. Für Wembanyama sind die Referenzgrößen absehbar LeBron James und Michael Jordan, die als die beiden besten Basketballer der Geschichte gelten. „Er hat die Möglichkeit, Dinge zu tun, die wir in unserer Liga noch nie gesehen haben“, sagte James, der seit 2003 in der NBA spielt.
Der erste Titel in Wembanyama-Jahr drei käme früher als eigentlich geplant. Schließlich sind neben dem Franzosen auch die weiteren Schlüsselspieler Stephon Castle (21) und Dylan Harper (20) sehr jung. Die unerfahrenen Texaner haben in den Playoffs sämtlichen Zweifeln getrotzt und ihre Playoff-Härte unter Beweis gestellt. Basketball-Koloss Shaquille O'Neal nennt Wembanyama bereits den „ersten perfekten Big Man jemals“.
Damit trifft O'Neal den Kern. Wembanyama wirft Dreier, ist stark in der Zone und bewegt sich trotz seiner Länge hervorragend. Doch die eigentliche Stärke des Centers ist die Defensive. Schon jetzt ist absehbar, dass kein Profi der NBA-Geschichte auf dieser Seite des Courts einen solchen Einfluss genommen hat wie der junge Wembanyama. Das dürfte auch den Knicks, bei denen der Deutsche Ariel Hukporti nur eine Nebenrolle spielt, Sorge bereiten.
New York mit elf Siegen in Serie
Doch New York kommt selbst mit breiter Brust in die Finals. Die von Spielmacher Jalen Brunson angeführten Knicks haben zuletzt elf Playoff-Spiele in Serie gewonnen und die Serien gegen die Philadelphia 76ers sowie die Cleveland Cavaliers um Dennis Schröder dominiert. Vor dem Beginn der Finalserie hatten Brunson und Co. zudem eine deutlich längere Pause als die Spurs, die in sieben harten Spielen gegen Oklahoma City ran mussten.
Zudem kommen die Knicks als Gewinner des NBA-Cups, bei dem sie das Finale im Dezember in Las Vegas gegen San Antonio gewannen. Wembanyama kam damals nicht über 17 Zähler hinaus. Für ihn kein Grund zur Bescheidenheit. Über den NBA-Finaleinzug sagte Wembanyama: „Das Verrückte ist, dass ich das Gefühl noch 15 bis 20 Mal erleben möchte. Hoffen wir, dass es nicht zur Sucht wird. Vielleicht ist es das ja schon.“



