United Airlines wollte im vergangenen Jahr Delta Air Lines übernehmen. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. United-Chef Scott Kirby kontaktierte Delta-CEO Ed Bastian persönlich, um die Idee einer Fusion der beiden wertvollsten US-Fluggesellschaften voranzutreiben. Das Vorhaben scheiterte jedoch nach ersten Sondierungen.
Kirbys große Ambitionen
Scott Kirby gilt als ehrgeizig. Er leitet bereits eine der größten Airlines der Welt – doch das reicht ihm nicht. Sein Ziel: United Airlines um jeden Preis wachsen lassen. Dazu sollte offenbar eine Fusion mit dem Rivalen Delta Air Lines beitragen. Der Vorstoß unterstreicht Kirbys Neigung zu großen Würfen und seinen globalen Ambitionen für United.
Delta-Führungskräfte prüften den Vorschlag im Rahmen einer vorläufigen Due-Diligence-Prüfung, wie Insider berichten. Die Gespräche kamen jedoch nicht voran. Beide Unternehmen verwarfen die Idee später. Über den Vorstoß wurde bisher nicht berichtet.
Früherer American-Ableger bekannt
Kirbys Vorstoß bei Delta reiht sich ein in eine Serie von Megafusionsideen. Bereits Anfang 2026 hatte Kirby versucht, Fusionsgespräche mit American Airlines aufzunehmen. American lehnte jedoch ab. Der damalige Vorstoß wurde öffentlich und sorgte für heftige Diskussionen. Präsident Trump sagte damals, ihm gefalle die Idee nicht. American-CEO Robert Isom nannte den Vorschlag „wettbewerbswidrig“.
United und Delta gehören zu den vier Giganten der US-Luftfahrt. Die Branche wird seit Jahrzehnten von Fusionen geprägt. Branchenexperten hielten einen Zusammenschluss von United und Delta lange für kartellrechtlich unmöglich. Doch die zweite Amtszeit von Trump ließ viele Manager hoffen, dass selbst undenkbare Deals möglich werden könnten. Die Gespräche mit Delta zeigen, dass United diese Chance nutzen wollte.
Wettbewerbliche Bedenken
Eine Fusion zwischen United und Delta hätte enorme Auswirkungen auf den Wettbewerb im Flugverkehr und auf Verbraucher. Analysten erwarten, dass ein solcher Deal von Kartellbehörden und Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten intensiv geprüft worden wäre. Die beiden Airlines erwirtschafteten im vergangenen Jahr über 90 Prozent der Gewinne der gesamten US-Flugbranche. Die Marktbewertung von Delta lag bei etwa 56 Milliarden US-Dollar (Stand: Freitag), die von United bei rund 38 Milliarden Dollar.
Kirby hat offen bewundert, wie Delta das Reiseerlebnis in den Fokus stellt. Die in Atlanta ansässige Airline widerlegte die Branchenmeinung, dass Kunden nur den billigsten Sitzplatz suchen. Durch Premium-Angebote sicherte sich Delta treue Geschäftsreisende und wurde zur profitabelsten US-Fluggesellschaft. Diese Strategie inspirierte auch Uniteds eigene Transformation.
Kein Interesse an kleineren Übernahmen
Kirby zeigte wenig Interesse an kleineren Fusionen. In einer Erklärung im April schrieb er: „In der Vergangenheit ging es bei Fusionen von Fluggesellschaften meist darum, dass zwei angeschlagene Fluggesellschaften zusammenkamen, um Kosten, Flüge und Personal abzubauen. Meine Bestrebungen könnten nicht unterschiedlicher sein.“ Im Mai bestätigte er, ohne einen willigen Partner sehe United in absehbarer Zeit keine Branchenkonsolidierung. Er dementierte zudem ein Interesse an der Übernahme von JetBlue und betonte, nur eine große Transaktion wie mit American oder Delta sei sinnvoll.
Auch Delta-CEO Ed Bastian hatte zuvor gesagt, dass eine Konsolidierung unter angeschlagenen kleineren Akteuren möglich sei – aber nichts, was Delta anstrebe. Hohe Treibstoffpreise, die die Branche derzeit erschüttern, waren in der Vergangenheit ein Katalysator für Umwälzungen. Der Weltluftverband erwartet weitere Airline-Pleiten, vor allem bei Billigfliegern. Die Megadeal-Pläne von United sind vorerst vom Tisch – doch Kirbys Visionen bleiben groß.



