Pentagon ändert Opferzahlen im Iran-Krieg und stiftet Verwirrung
Iran-Krieg: Pentagon ändert Opferzahlen und sorgt für Verwirrung

Das US-Verteidigungsministerium hat die offizielle Opferbilanz zum Iran-Krieg abgeändert. Vier US-Soldaten, die bei erneuten Kämpfen in den vergangenen Wochen getötet wurden, tauchen in der Statistik des Pentagons nicht mehr auf. Sie wurden in eine neue Kategorie namens „Overseas Operations“ („Auslandseinsätze“) verschoben. Das Defense Casualty Analysis System (DCAS), auf das Pentagon-Vertreter wiederholt als maßgebliche Quelle verwiesen haben, entfernte vergangene Woche die vier getöteten Soldaten sowie Dutzende Verwundete aus der Bilanz zum Iran-Krieg. Am Sonntag erschien auf der Webseite des Systems die neue Kategorie, in der die vier getöteten Soldaten namentlich sowie 207 Verwundete aufgeführt werden. Unklar blieb, ob alle Verwundeten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verletzt wurden.

USA verlegen weiteres Militär in die Region

Die USA haben inmitten des Iran-Kriegs die Verlegung von weiterem Militär in den Nahen Osten bestätigt. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, sagte in der Polit-Sendung „Face the Nation“ des US-Senders CBS News, zusätzliche Kapazitäten würden in die Region verlegt. Genauere Angaben machte er nicht. US-Medien hatten bereits vor rund einer Woche berichtet, dass die USA weitere Kampf- und Tankflugzeuge in die Region verlegen. Gleichzeitig äußerte sich Waltz zu möglichen Gesprächen mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump gebe den Gesprächen einen gewissen Spielraum, sagte er dem Sender Fox News. „Er gibt den Gesprächen etwas Raum, er lässt ihnen ein wenig Zeit.“ Die USA haben den Iran 13 Nächte in Folge angegriffen, ihren Beschuss über das Wochenende aber nicht fortgesetzt.

Iran signalisiert Bedingungen für Angriffspause

Der Iran will seine Angriffe aussetzen, solange die USA ihre Attacken unterbrechen. Die Führung in Teheran bleibe jedoch skeptisch hinsichtlich der Absichten der US-Regierung, sagte ein ranghoher iranischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Position des Iran laute „Angriff für Angriff“: Wenn die Attacken aufhörten, werde auch der Iran seine Einsätze einstellen. Diese Botschaft sei den USA bereits übermittelt worden. Es gebe jedoch mehr Skepsis als Optimismus. „Die vorherrschende Meinung ist, dass die Pause eher taktischer Natur und nicht ernst gemeint ist“, sagte der Insider. Die US-Regierung hatte ihre Angriffe nach 13 Nächten mit Luftschlägen in Folge am Samstag eingestellt. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi rief unterdessen zum Dialog im Jemen-Konflikt auf. Es gebe keine militärische Lösung in dem Konflikt, vielmehr müsse dieser durch Dialog zwischen Saudi-Arabien, Jemen und anderen Ländern in der Region gelöst werden, sagte er in einem Interview mit der staatlichen Tageszeitung „Iran“.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien und Schiffsverkehr

Nach Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudische Ölanlagen ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab eingebrochen. Am Sonntag durchquerten nur elf Handelsschiffe die Meerenge an der Küste des Jemen, der niedrigste Stand seit Monaten, wie aus am Montag veröffentlichten Daten des Analysehauses Kpler hervorging. Auch der Verkehr durch die Straße von Hormus blieb am Wochenende gering. Die Huthi-Miliz reklamierte Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien für sich. Man habe mit Dutzenden Raketen und Drohnen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in den Städten Dschisan und Yanbu angegriffen, sagte Jahja Sari, Militärsprecher der vom Iran unterstützten Miliz, in einer Videobotschaft. Es handelte sich demnach um Gegenangriffe für Attacken der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen. Diese hatte mitgeteilt, als Reaktion auf den erneuten Beschuss eines unter Saudi-Flagge fahrenden Schiffes im Roten Meer „legitime militärische Ziele“ in der jemenitischen Provinz Hudaida angegriffen zu haben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Straße von Hormus: Iran stoppt Schiffe und droht mit Ausweitung

Irans Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben sechs Handelsschiffe vor einer Durchfahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus gestoppt. Die Garden erklärten laut der ihnen nahe stehenden Agentur Tasnim, sie setzten die Kontrolle über ein 240.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Persischen Golf und der Straße von Hormus durch. Diese Fläche entspricht etwa zwei Dritteln des deutschen Staatsgebiets. Kein Schiff könne passieren, ohne die iranischen Vorschriften einzuhalten, hieß es. Versuche des US-Militärs, den Kurs von Schiffen zu ändern, würden mit „einer entschlossenen Reaktion und Warnschüssen beantwortet“. Als Folge seien die betroffenen Schiffe gezwungen, umzukehren. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai erklärte laut englischsprachigem Staatssender PressTV, es gebe keine Veränderung der Verkehrslage in der Straße von Hormus. Der Sprecher verwies auf bilaterale Gespräche mit Vertretern des Omans, dessen Territorialgewässer einen Teil der internationalen Schifffahrtsroute umfassen. Iran bezeichnete die Gespräche mit Oman als produktiv. Die technischen und politischen Konsultationen dauerten demnach an. Irans Armeesprecher Amir Akraminia drohte unterdessen mit einer Ausweitung des Kriegsgebiets, falls die USA ihre Luftangriffe fortsetzen sollten. Unter Verweis auf Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer sagte der Sprecher laut Nachrichtenagentur Mehr, entsprechende Warnungen hätten sich schon vor Ort bewahrheitet. Das Kriegsgebiet reiche bereits von Jordanien bis hin zu den Anrainerstaaten des Persischen Golfs. Sollte das US-Militär die Luftangriffe fortsetzen, werde das Gebiet noch weiter ausgedehnt. Das iranische Militär habe entsprechende Strategien vorbereitet.

Gaza und Westjordanland: Internationale Truppe und Festnahmen

Das israelische Sicherheitskabinett genehmigt einem Insider zufolge, dass eine geplante internationale Truppe für den Gazastreifen in Teile des Gebiets vordringen darf, die nicht unter israelischer Kontrolle stehen. Die geplante internationale Sicherheitstruppe gehört zu dem im Oktober vorgelegten, von den USA unterstützten Plan für den Gazastreifen. Im Gazastreifen selbst wurde der Polizeichef der Hamas im nördlichen Teil, Abdel-Nasser Al-Makadma, bei einem israelischen Angriff getötet. Das teilten das von der Hamas geführte Innenministerium und palästinensische Rettungskräfte mit. Makadma war auch als Gouverneur des nördlichen Gazastreifens bekannt. Bei einem weiteren israelischen Angriff wurde Rettungskräften zufolge ein palästinensischer Sanitäter im Flüchtlingslager Nuseirat getötet. Im Westjordanland nahmen israelische Soldaten nach einer tödlichen Auseinandersetzung Dutzende Palästinenser fest. Bei einer Schießerei am Vortag waren mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Der Bürgermeister von Tal, Walid Sidan, sagte Reuters, etwa 70 Menschen aus dem Dorf seien festgenommen worden. „Die Hausdurchsuchungen gehen weiter, Armeepatrouillen fahren durch die Straßen.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte ein „scharfes Vorgehen“ an.

Weitere Entwicklungen: Ukraine, Syrien und Katar

Die iranische Regierung protestierte scharf gegen einen mutmaßlichen ukrainischen Angriff auf ein Frachtschiff im Kaspischen Meer, bei dem ein Matrose getötet und ein weiterer verletzt worden sein sollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor eingeräumt, dass weitreichende Drohnen Schiffe im Kaspischen Meer getroffen hätten, darunter solche, die militärische Güter geladen und Bezug zum Iran gehabt hätten. Selenskyj beschuldigte zudem Russland, dem Iran Satellitenbeobachtungen zur Verfügung zu stellen, was diesem Angriffe in der Region ermögliche. UN-Generalsekretär António Guterres besuchte Damaskus und rief zur Unterstützung des syrischen Volks auf. Er kritisierte Israels Vorgehen auf den Golanhöhen und nannte es „absolut inakzeptabel“. Katar hob unterdessen seine Warnung zur vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs auf und erlaubte wieder Fahrten für alle Schiffstypen, mahnte aber weiterhin zur Vorsicht.