Norwegen kritisiert Schottland nach kurzfristig abgesagtem WM-Test
Norwegen kritisiert Schottland nach Absage

Kurz vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist ein geplantes Testspiel zwischen Schottland und Norwegen kurzfristig abgesagt worden. Die Partie, die seit Monaten vorbereitet wurde, sollte am Montag im schottischen Trainingslager in Charlotte stattfinden. Doch die Schotten zogen sich aus Sorge vor Verletzungen zurück. Norwegen reagierte mit scharfer Kritik.

Norwegens Trainer äußert sich enttäuscht

Der norwegische Nationaltrainer Ståle Solbakken zeigte sich überrascht und verärgert. „Für mich war das überraschend und unprofessionell von Schottland“, sagte er dem norwegischen Sender NRK. Besonders störte ihn, dass Trainer Stephen Clarke ihn nicht persönlich informierte, sondern einen Teammanager schickte. Solbakken äußerte zudem Zweifel an den Gründen für die Absage: „Ich glaube nicht, dass die Verletzungen, auf die sie dies schieben, während ihrer letzten Trainingseinheit passiert sind.“

Teammanager Hangeland ergänzt Kritik

Norwegens Teammanager Brede Hangeland schloss sich der Kritik an. „Wir haben viele Monate lang an diesem Spiel gearbeitet. Es ist peinlich, es erst ein paar Tage vorher abzusagen“, sagte Hangeland. Es habe viele Vereinbarungen gegeben. „Und dann wollen sie plötzlich nicht mehr. Ich finde, das war schwach“, so Hangeland weiter. Auch Stürmer Alexander Sørloth bezeichnete die Entscheidung als „große Schande und ziemlich unprofessionell“.

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Schottland verteidigt sich

Der schottische Fußballverband wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass Clarke und Solbakken das Spiel gar nicht erst besprochen hätten. Die Verantwortlichen der beiden Mannschaften hätten die Partie organisiert. Zudem kritisierte der Verband Norwegen dafür, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Es sei ein Trainingsspiel hinter verschlossenen Türen vereinbart gewesen.

Clarke sieht keine Schuld

Schottlands Trainer Stephen Clarke bemühte sich, den Vorgang herunterzuspielen. Gegenüber der BBC sagte er, das Spiel sei lediglich als einstündige Trainingseinheit gedacht gewesen. „Wir haben uns vergangene Woche ein oder zwei kleinere Wehwehchen zugezogen und entschieden, dass es das Risiko nicht wert ist“, erklärte er. Schottlands WM-Vorbereitungen hatten zuvor einen herben Dämpfer erhalten: Im Testspiel gegen Curaçao Ende Mai verletzte sich Mittelfeldspieler Billy Gilmour so schwer am Knie, dass er die WM verpassen wird. Gilmour war als Stammspieler eingeplant.

McGinn verteidigt Entscheidung

Mittelfeldspieler John McGinn verteidigte die Absage: „Wenn sie sich informiert hätten, wüssten sie, dass wir einen sehr wichtigen Teil des Kaders verloren haben. Das hatte enorme Auswirkungen auf alle, und wir wollten nicht noch einen weiteren Spieler verlieren.“ Er fügte hinzu: „Unsere Aufgabe ist es, sich um Schottland zu kümmern, Norwegens Aufgabe ist es, sich um Norwegen zu kümmern. Wenn Norwegen Erling Haaland oder Martin Ødegaard verloren hätte, hätten sie das Spiel ebenfalls abgesagt.“

Bisherige Testspiele und Ausblick

Schottland trat am Samstag noch gegen Bolivien an und gewann mit 4:0. Das norwegische Team absolvierte am Sonntag das letzte offizielle Testspiel vor der WM gegen Marokko, das 1:1 endete. Schottland kehrt nach 28 Jahren Abstinenz auf die weltweit größte Fußballbühne zurück und trifft am 14. Juni auf Haiti. Für Norwegen ist es die vierte WM-Teilnahme nach 1938, 1994 und 1998; das erste Spiel findet am 17. Juni gegen den Irak statt.

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