Tomislav Piplica (57), Torwarttrainer von Lokomotive Leipzig und ehemaliger Bundesliga-Keeper, hat in einem Interview mit BILD deutliche Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) geäußert. Der Frust über das erneute Scheitern in der Aufstiegs-Relegation sitzt tief. Als Meister der Regionalliga Nordost verlor Lok Leipzig gegen die Würzburger Kickers (0:1, 1:2) und verpasste damit den dritten Aufstiegsversuch in die 3. Liga.
Regionalliga-Reform: Seit Jahren blockiert
Das Aus heizt die Diskussion um die seit Jahren geforderte Reform der Regionalliga an. Das sogenannte Kompassmodell – eine viergleisige Regionalliga mit 20er-Staffeln nach kürzesten Fahrtstrecken – wurde trotz monatelanger Gespräche ausgebremst. Es gibt weder ein alternatives Konzept noch einen Zeitplan für die Umsetzung. Piplica dazu: „Wenn du das ganze Jahr Erster bist und am Ende wegen zwei schlechter Spiele oder wegen etwas Pech nicht aufsteigst, dann ist das einfach nicht richtig. Aber wahrscheinlich ist es für die Reform jetzt schon wieder zu spät. Das machen sie mit Absicht.“
Die Kompasslösung hat sämtliche Verfahrensschritte durchlaufen und wird von zahlreichen Vereinen und Fanszenen bundesweit unterstützt. Dennoch steht eine Entscheidung der Verantwortlichen weiterhin aus. Grund ist die umstrittene Aufstiegsregelung: Fünf Regionalliga-Staffeln stehen nur vier Aufsteigerplätze gegenüber. Die Meister aus West und Südwest steigen direkt auf, der vierte Platz wird zwischen Nord, Nordost und Bayern vergeben – im jährlichen Wechsel per Relegation oder einem festen Platz alle drei Jahre.
Piplica: „Das ist alles Politik“
Piplica sieht die Schuld bei den Entscheidungsträgern: „Das Problem ist, dass wir als Sportler nichts zu sagen haben. Das ist schade – auch bei der WM. Das ist alles Politik. Jeder macht sein Ding. Und ich denke, dass die großen Köpfe keinen Bock haben, etwas zu ändern. Wenn jemand von oben sagen würde: Wir machen es so, dann gäbe es keine Diskussion.“ Für den früheren Bundesliga-Keeper ist klar: „Sie ziehen die Reformen unnötig in die Länge. Das ist verlorene Zeit. Wir haben in den letzten Jahren nur diskutiert, nur gequatscht. Das ist wirklich zum Weinen. Wie sie es am Ende machen, ist mir egal – aber die Meister müssen aufsteigen.“
Lizenzfall 1860 München: Havelse darf bleiben
Zusätzlichen Zündstoff liefert der Lizenzfall in der 3. Liga: Nach dem Zwangsabstieg von 1860 München darf der TSV Havelse trotz sportlichen Abstiegs in der Liga bleiben. Meister Lok Leipzig geht dagegen leer aus. Piplica schlägt eine alternative Lösung vor: „1860 bekommt keine Lizenz, Havelse darf bleiben. Warum sagen sie nicht, dass Havelse noch einmal gegen uns spielt? Vielleicht auch nur ein Spiel auf neutralem Boden. Dann hätten wir trotzdem noch eine Chance gehabt, aufzusteigen.“



