Pirlo als Italien-Coach auf der Kippe: Russland-Kontakte bereiten Sorgen
Pirlo-Coach-Ambitionen: Russland-Kontakte stoßen auf Bedenken

Die Ernennung des früheren Weltmeisters Andrea Pirlo zum neuen Nationaltrainer Italiens wackelt. Mehrere italienische Medien berichten übereinstimmend, dass im Fußballverband FIGC Bedenken wegen Pirlos Kontakten nach Russland bestehen. Auch aus der Politik kam Kritik. Damit ist die Nachfolge von Gennaro Gattuso, der nach der verpassten WM-Qualifikation gehen musste, erneut offen.

Vier-Jahres-Vertrag stand schon bereit

Nachdem Wunschkandidat Pep Guardiola abgesagt hatte, schien der Verband mit Pirlo einig. Laut Berichten sollte der 116-fache Nationalspieler, der 2006 in Deutschland den Titel holte, einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 unterschreiben. Offiziell bestätigt wurde dies jedoch nie. Nun aber berichten „La Gazzetta dello Sport“, „La Repubblica“ und „Corriere della Sera“ übereinstimmend, dass Pirlos Russland-Verbindungen das Vorhaben platzen lassen könnten.

Milliardärs-Club und Wettanbieter

Pirlo trainiert aktuell den United FC Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten – ein Klub des russischen Milliardärs Sergej Lomakin, der ihm ein Millionengehalt zahlt. Zudem fungiert der 47-Jährige als globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet. Erst vor wenigen Wochen war er zu einer Autogrammstunde nach Moskau gereist, was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für Unmut sorgte. Der „Gazzetta“ zufolge lässt FIGC-Präsident Giovanni Malago all diese Geschäftsbeziehungen nun prüfen.

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Politische Kritik und sportliche Bilanz

Die politische Kritik richtet sich gegen eine mögliche Zusammenarbeit mit jemandem, der geschäftlich mit Russland verbunden ist. „In Zeiten des Krieges darf es keine Nähe zu Russland geben“, sagte ein namentlich nicht genannter Politiker der „Repubblica“. Sportlich steht Pirlo trotz seiner großen Spielerkarriere mit Stationen bei Inter, AC Mailand und Juventus Turin als Trainer nicht blendend da: Nachdem er Juventus trainiert und den italienischen Pokal gewonnen hatte, folgten weniger erfolgreiche Engagements bei Sampdoria Genua und dem türkischen Klub Fatih Karagümrük. Sein aktuelles Team in Dubai führt die Liga zwar an, doch die Konkurrenz ist schwach.

Italiens WM-Trauma und die Folgen

Italien verpasste im Frühjahr zum dritten Mal nacheinander die WM-Qualifikation – ein Desaster für den viermaligen Weltmeister. Gattuso wurde entlassen, die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Pirlo galt als Kompromisslösung, nachdem Starcoaches wie Guardiola oder auch Antonio Conte abgesagt hatten. Sollte auch Pirlo durchfallen, müsste der Verband erneut auf die Suche gehen. Die Zeit drängt, da im Herbst die EM-Qualifikation beginnt.

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