Tadej Pogacar hat die 10. Etappe der Tour de France von Aurillac nach Le Lioran (166,6 km) mit einem beeindruckenden Solo gewonnen. Der Slowene setzte sich 15,5 Kilometer vor dem Ziel am Col de Pertus (1. Kategorie) von Richard Carapaz ab und fuhr ungefährdet zum dritten Etappensieg bei dieser Tour. Es war sein 24. Tour-Etappensieg insgesamt, womit er in der ewigen Bestenliste an André Leducq (25 Siege) heranrückt. Den Rekord hält Mark Cavendish mit 35 Siegen.
Pogacar auf Rachefeldzug
Der Angriff war auch eine Art Vergeltung: Vor zwei Jahren hatte Jonas Vingegaard Pogacar auf ähnlichem Terrain besiegt. „Vor zwei Jahren hat mich Jonas geschlagen, da war ich leer im Sprint. Das habe ich mir gemerkt“, sagte Pogacar. Diesmal zeigte er keine Schwäche und ließ der Konkurrenz keine Chance. Hinter ihm kämpften Remco Evenepoel als Zweiter und Paul Seixas als Dritter um die Plätze, während Vingegaard erneut Zeit verlor. Pogacar baute seine Gesamtführung weiter aus.
Lipowitz stark, aber teamdienlich
Florian Lipowitz belegte als Vierter mit 34 Sekunden Rückstand einen starken Platz und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf Rang sechs. Der Deutsche vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe zeigte sich in den Anstiegen erneut stark, stellte aber seine eigenen Ambitionen hinter die Teamtaktik. „Ich habe gehört, dass Remco eine Lücke aufgehen lassen hat. Dann blieb für mich nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen, dass Remco wieder zurückkommt“, sagte Lipowitz in der ARD. Er betonte den Teamgedanken: „Mit Remco und mir Richtung Podium schaut es gut aus.“
Evenepoel konnte sich bei Lipowitz bedanken, dass dieser auf den letzten Kilometern das Tempo drosselte, als der Belgier kurz abgehängt wurde. So nutzte Evenepoel seine Spurtkraft und wurde noch Zweiter. Der Zwist von der Tourmalet-Etappe, als Evenepoel mangelnde Unterstützung beklagte, scheint damit vergessen.
Vingegaard spielt Formschwäche herunter
Jonas Vingegaard verlor erneut Zeit auf Pogacar, zeigte sich aber bemüht, die Lage zu entschärfen. „Ich finde, es ist ein ganz passabler Tag für uns. Es könnte viel schlimmer sein“, sagte der Däne. Kurze Anstiege lägen ihm nicht, und mit dem geringen Rückstand könne er zufrieden sein. „Heute Nacht gehe ich schlafen, und morgen ist wieder ein neuer Tag“, so Vingegaard. Pogacar wollte sich nicht zur Form der Rivalen äußern: „Zur Form der Konkurrenten kann ich nichts sagen. Ich kann nur sagen, dass meine Form wirklich gut ist, und ich finde, dass die Tour bisher wirklich gut auf die Fähigkeiten unseres Teams zugeschnitten war.“
Die Tour scheint vor den Alpen bereits entschieden. Hinter Pogacar kämpfen Evenepoel, Vingegaard und Lipowitz um die weiteren Podiumsplätze.



