Eine Gemeinsamkeit gibt es zwischen Ralf Rangnick und Luis de la Fuente: Beide hatten während der laufenden Fußball-WM Geburtstag – Rangnick wurde 68, de la Fuente 65 Jahre alt. Doch abgesehen von dieser kuriosen Parallele sind die beiden Trainer grundverschieden. Am Donnerstag (21.00 Uhr, ARD und Magenta) treffen sie im Sechzehntelfinale der WM aufeinander – ein Duell der Gegensätze in Spielphilosophie, Lebensweg und Persönlichkeit.
Zwei Karrierewege: Der Fußball-Professor gegen den Verbandsmann
Rangnick ist mehr als nur ein Trainer. Der „Fußball-Professor“ hat eine ganze Trainer-Generation geprägt – darunter Julian Nagelsmann, Oliver Glasner, Marco Rose und Thomas Tuchel. Tuchel, heute England-Coach, wurde von Rangnick nach dem Ende seiner Spielerkarriere in die Nachwuchsabteilung des VfB Stuttgart geholt. Rangnick selbst war Sportchef, Manager und Trainer bei Clubs wie Moskau, Manchester, Salzburg, Stuttgart, Schalke, Hoffenheim und Leipzig. Seine Stärken spielte er vor allem dann aus, wenn er möglichst viel Macht hatte.
De la Fuentes Karriere verlief dagegen anders. Nach wenigen Club-Stationen heuerte er 2013 beim spanischen Verband an, betreute zunächst die U19, dann die U21. Nach Erfolgen wurde er im Dezember 2022 als Nachfolger von Luis Enrique zum Nationaltrainer ernannt. De la Fuente ist eher der loyale Verbandsmann, weniger Machtmensch oder prägender Architekt – was seine Arbeit nicht weniger einflussreich macht.
Zwei Spielideen: Pressingmonster gegen Ballbesitz-Kontrolle
Der größte Unterschied zeigt sich in den Spielphilosophien. Rangnick setzt auf aggressives, extremes Pressing. Der Gegner wird bereits im Moment des Ballverlusts attackiert, die Zurückeroberung erfolgt nah am gegnerischen Tor. Hohe Intensität prägt das Spiel. De la Fuente dagegen ist ein Mann der Kontrolle: Ballbesitz soll mit vertikalen Angriffen verbunden werden. „Ich verstehe ein Modell, eine Idee als nicht verhandelbar“, sagt de la Fuente. In spanischen Medien wird darüber sinniert, dass Rangnicks Pressing das perfekte Gegengift zu de la Fuentes Ansatz sein könnte.
Zwei Erfolgsbilanzen: Entwickler gegen Titelhamster
Trotz seines Einflusses auf den Fußball ist Rangnicks Trophäensammlung überschaubar: Zwei Doubles mit Salzburg und der DFB-Pokalsieg mit Schalke. Er glänzt als Entwickler: Hoffenheim führte er von der 3. Liga in die Bundesliga, Leipzig von der vierten Liga in die Champions League. Seine Mannschaften spielen oft den besseren Fußball, liefern in großen Spielen aber zu selten. Bei der EM 2024 gewann Österreich die Gruppe vor Frankreich und den Niederlanden, schied dann im Achtelfinale gegen die Türkei aus. Bei der aktuellen WM rettete erst ein Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Einzug in die K.o.-Phase.
De la Fuente kann auf Clubebene keine Titel vorweisen, dafür im Verband: EM-Titel mit U19 und U21, Olympia-Silber 2021, Nations League 2023 und EM-Titel 2024. Er kam nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM 2022 ins Amt und gewann nur sieben Monate später die Nations League – damit endete eine titellose Zeit von elf Jahren. Bisher liefert de la Fuente ab.
Teamgeist: Beide Trainer genießen hohe Anerkennung
Was beide eint, ist die Anerkennung in ihren Mannschaften. Rangnick hat die chronisch erfolglosen Österreicher wachgeküsst. Kapitän David Alaba nannte ihn „das fehlende Puzzleteil“. Das Team sei zu einer Familie zusammengewachsen. In Spanien kennt de la Fuente viele Spieler seit dem Teenager-Alter durch seine Arbeit in den Nachwuchsmannschaften. „Luis kennt uns und wir kennen ihn, wir sind fast unser ganzes Leben zusammen. Mit einem Blick wissen wir schon, was wir voneinander wollen. Das ist wirklich wichtig“, sagte Mittelfeldchef Rodri.



