Das Millerntor-Stadion ist das neue Zuhause von Marcel Rapp. Am Wochenende 7.–9. August startet St. Pauli in die 2. Liga. Der neue Trainer steht vor einer kniffligen Entscheidung: Wie geht er mit Kapitän Jackson Irvine um?
Das letzte Jahr hat am Image gekratzt
Sportlich, aber auch an der Person Jackson Irvine (33). Nach Saisonende wurde der Kapitän des FC St. Pauli von Sportchef Andreas Bornemann (54) für seine Pauschal-Kritik am Verein abgewatscht. Bornemann sagte: „Irvine ist auch ein Gesicht des Abstiegs.“ Ex-Coach Alexander Blessin (53) lenkte den Blick auf die Führungsspieler: „Wir müssen in dem Bereich etwas aufweichen.“ Jetzt ist Marcel Rapp (47) da. Die spannende Frage: Wie geht der neue Trainer mit der Personalie Irvine um?
Rückblick: Die Kontroversen um Irvine
Die erste Aufregung um Irvine gab es in der vergangenen Sommerpause. Da trug er auf einem Festival ein „FC-Palestine“-Shirt, das die Landesgrenzen Palästinas ohne den Staat Israel stilisierte. Irvine distanzierte sich davon im Anschluss nie. Das Ganze gipfelte im Herbst in einer öffentlich auf Social Media ausgetragenen Schlammschlacht zwischen seiner Frau Jemilla und Aufsichtsrat René Born. In einer Zeit, in der Irvine dem Klub sportlich (nach Fuß-OP) nicht zur Verfügung stand.
Es folgte die Rückkehr in die Startelf Ende November. Irvine gab der Mannschaft Halt, konnte aber nicht an frühere Zeiten anknüpfen. Der Käpt’n spielte oft unter großen Schmerzen am Fuß. Er blieb bis zum Ende (fast) der Einzige, der die konstante Inkonstanz in der zweiten Bundesliga-Saison anprangerte. Die am Ende in den Abstieg mündete. Wie geht es jetzt mit Irvine (Vertrag mindestens bis 2027) weiter?
Was macht Rapp? Knifflige Entscheidung für neuen St.-Pauli-Trainer
Die Fragen, die der neue Chefcoach für sich beantworten muss: Traut er Irvine eine wichtige Rolle zu? Will er auf einen Spieler verzichten, der für Identifikation mit Klub und Stadt („Hamburg ist mein Zuhause“) steht? Ist er überzeugt, die Themen abseits des Fußballs in Zukunft einhegen zu können?
Für Bornemann ist der Nach-dem-Abstieg-Disput zumindest ausgestanden. Der Sportchef: „Es gab einen kurzen Austausch mit Sprachnachrichten, es war alles in bester Ordnung. Jetzt ist er bei der WM.“ Zum dritten Mal in Folge nimmt Irvine (82 Länderspiele) an einer Weltmeisterschaft (11.6.–19.7.) teil. Australien trifft in der Vorrunde auf die Türkei (14.6.), die USA (19.6.) und Paraguay (26.6.). So lange ist Irvine mindestens weg. Dann wird es noch Urlaub geben. Trainingsauftakt beim FC St. Pauli ist am 25. Juni.
Rapp erklärte bei seiner Vorstellung diplomatisch: „Ich bin jetzt frisch dabei, über alles zu reden. Wir reden und dann werden wir Entscheidungen fällen. Ich glaube, das ist ein guter Weg.“ Auf dem er eine knifflige Entscheidung treffen muss.



