Rudi Völler (66), Weltmeister als Spieler und WM-Zweiter als Teamchef (2002), äußerte sich im Interview acht Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curacao zu wichtigen Themen rund um die deutsche Nationalmannschaft. Der DFB-Sportdirektor sprach über Torwart Manuel Neuer, Bundestrainer Julian Nagelsmann und die Prämien.
Manuel Neuer: Fit für die WM?
Auf die Frage, ob Manuel Neuer zum WM-Start hundertprozentig fit sein wird, antwortete Völler: „Manuel hat bereits mit der Mannschaft Trainingseinheiten in Chicago absolviert und gezeigt, dass die Wade keine großen Probleme mehr macht. Auch wenn er kein Testspiel mehr bestreitet: Wir reden hier über Manuel Neuer! Er ist ein Weltklasse-Torwart, der in seiner Karriere bereits alles erlebt hat und über genügend Erfahrung verfügt. Er wird ein Super-Turnier spielen, davon bin ich überzeugt. Zudem kennt er viele Spieler auf dem Platz vom FC Bayern. Um Manuel müssen wir uns keine Sorgen machen. Zumal wir auch Oliver Baumann haben.“
Kai Havertz: Die Sturm-Sorge?
Über Kai Havertz, der als letzter Spieler zum Team stieß, sagte Völler: „Ich kenne Kai, seit er 12 Jahre alt war und wir ihn nach Leverkusen geholt haben. Ich war immer von seiner Qualität überzeugt. Dass er zum zweiten Mal – als erster Deutscher – in einem Champions-League-Finale getroffen hat, zeigt, dass er die wichtigen Tore machen kann. Ich habe sein Endspiel mit Arsenal gegen PSG gemeinsam mit Julian (Nagelsmann) geschaut. Ehrlich gesagt: Ganz traurig waren wir nicht, als er nicht mehr in der Verlängerung spielte, angesichts seiner Verletzungsvorgeschichte. Wir wissen, dass er nun in Topform für uns ist.“
Wirtz und Musiala: Durchbruch oder Findungsphase?
Zu Florian Wirtz und Jamal Musiala, die bei der EM 2024 im Fokus standen, erklärte Völler: „Jamal kam aus einer schweren Verletzung, hat aber den Anschluss geschafft und mehr Spielzeit bekommen. Auch bei Florian, unabhängig von einem schwierigen Start in Liverpool, habe ich keine Bedenken. Er macht in der Vorbereitung einen Super-Eindruck.“ Auf die Frage, ob das Duo Deutschland zum Titel tragen kann, antwortete er: „Es geht nur mit der gesamten Mannschaft. Aber die beiden sind enorm wertvoll und unheimlich wichtig. Ganz ohne sie wird es bei der WM nicht gehen. Vor zwei Jahren waren sie unsere Rohdiamanten, jetzt sind sie noch gereift. Wir brauchen aber auch die Spieler drumherum.“
Prämien: Rekord oder nicht?
Zu den ausgehandelten Prämien sagte Völler: „Andreas Rettig und ich haben mit Jo Kimmich und Jonathan Tah gesprochen und uns an den Zahlen orientiert, die es theoretisch auch in Katar gegeben hätte. Ein paar Nuancen haben wir geändert. Es sind leistungsbezogene Prämien. Die Vorrunde zu überstehen, sollte als Deutschland unser Mindestanspruch sein.“
Julian Nagelsmann und die Reißleinen-Klausel
Völler äußerte sich auch zur beidseitigen Reißleinen-Klausel mit Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Julian Nagelsmann zählt für mich zu den internationalen Toptrainern. Dass es in drei Jahren Zusammenarbeit auch mal Wellen gibt, ist normal. Es war ein Glücksfall, dass er auf dem Markt war, als wir einen Bundestrainer brauchten.“
Jürgen Klopp als WM-Experte
Zur Rolle von Jürgen Klopp als WM-Experte, der Nagelsmann analysieren und kritisieren wird, meinte Völler: „Da bin ich total entspannt. Jürgen wird das sympathisch machen, auf seine direkte Art. Und wenn es Kritik geben sollte, werden wir das aushalten. Julian ist ein überragender Coach. Die Mannschaft wird mit ihm noch besser. Ich habe beschlossen, nach der EM als DFB-Sportdirektor aufzuhören. Aber wer weiß, was Julian dann noch mit unserer Nationalelf plant? Ich bin optimistisch für die Zukunft – mit unserem Mix aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten wie Bischof, El Mala oder Ouédraogo. Diese Spieler werden uns noch viel Freude bereiten.“
Bewerbung um WM 2038 oder 2042
Zu einer möglichen Bewerbung Deutschlands um die WM 2038 oder 2042 sagte Völler: „Auch wenn es aktuell keine konkreten Pläne gibt, fände ich eine Bewerbung grundsätzlich super. Am besten wäre das komplette Programm wie in den 1970ern, als wir in Deutschland die WM und Olympische Spiele ausgerichtet haben. Das wäre perfekt.“
Nick Woltemade und Google-Scherz
Auf die Frage, wann er zuletzt den Namen Nick Woltemade gegoogelt habe, antwortete Völler lachend: „Mir hat es neulich jemand gezeigt. Das ist schon witzig, da hat sich Google wohl einen kleinen Scherz erlaubt. Aber eine gewisse Ähnlichkeit ist ja auch da, zumindest wenn man meine Bilder von früher nimmt. Ich kann darüber lachen.“



