Norwegens Nationaltrainer Ståle Solbakken hat überraschend die Trainingsmoral seines Stürmerstars Erling Haaland infrage gestellt. Vor dem WM-Viertelfinale gegen England am Samstagabend (23.00 Uhr/MagentaTV) in Miami sagte Solbakken über den 25-Jährigen, der bisher sieben Tore bei der WM erzielt hat: „Der Hunger ist nicht so groß im Training. Das war in einigen Einheiten so, wenn ich ehrlich bin.“ Dennoch wird Haaland in der Startelf stehen und sich im Torjägerduell mit Harry Kane messen. „Es ist kein Geheimnis, dass die beiden die Matchwinner für ihr Team sind“, ergänzte Solbakken. Als erschwerenden Faktor nannte er die klimatischen Bedingungen: Aktuell herrschen in Miami Temperaturen von etwa 36 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit.
Tuchel lobt Kanes Bayern-Mentalität
Englands Trainer Thomas Tuchel sieht im Wechsel von Harry Kane zum FC Bayern München einen Grund für dessen Topform. „In einer Umgebung wie bei den Bayern zu sein, wo es immer nur ums Gewinnen geht, formt deine Mentalität“, sagte Tuchel. „Dort gibt es keine Ausreden. Jeden Tag geht es ums Gewinnen. Das holt das Beste aus Harry heraus.“ Kane hat bei dieser WM sechs Tore erzielt. Aus England war zuletzt Kritik am Bayern-Wechsel des Stürmers vor drei Jahren laut geworden; der frühere Nationalspieler Michael Owen meinte, Kane sei besser als die Bundesliga, da diese abgesehen von den Bayern „sehr durchschnittlich“ sei.
Merino erlöst Spanien bei belgischem Torwart-Drama
Mikel Merino hat Spanien mit einem späten Tor ins WM-Halbfinale gegen Frankreich geschossen. Beim 2:1 (1:1) im Viertelfinale gegen Belgien traf der eingewechselte Arsenal-Profi in der 88. Minute zum Sieg und bescherte Spanien den ersten Halbfinaleinzug seit dem WM-Titel vor 16 Jahren. Dabei profitierte Merino von einem Patzer des belgischen Ersatztorhüters Senne Lammens, der den verletzten Stammkeeper Thibaut Courtois ersetzte. „Überglücklich“ zeigte sich der Matchwinner, dem schon im Achtelfinale gegen Portugal das Siegtor gelungen war. „Man gewöhnt sich langsam dran. Ich bin schon wieder reingekommen und habe kurz vor Schluss den Treffer erzielt, der entscheidend war“, sagte Merino. Bei der EM 2024 war er mit seinem Siegtreffer gegen Deutschland zum DFB-Schrecken geworden. „Jetzt kommt die nächste Aufgabe. Es sind noch zwei Spiele, und dann hoffen wir, dass wir unseren Traum wahr werden lassen können“, fügte er hinzu.
Rekordtorwart Simon kassiert erstes Gegentor nach 649 Minuten
Spaniens Torwart Unai Simon hat seine Rekordserie ohne Gegentor bei der WM nach 649 Minuten beendet. Der Belgier Charles De Ketelaere traf im Viertelfinale in der 41. Minute zum 1:1. Spanien war zuvor das einzige Team des Turniers ohne Gegentor gewesen. Den alten Rekord von Walter Zenga (517 Minuten bei der WM 1990) hatte Simon bereits im Sechzehntelfinale gegen Österreich überboten. Simons Serie begann bei der WM 2022, als er im letzten Gruppenspiel gegen Japan in der 51. Minute von Ao Tanaka überwunden wurde. Bei der aktuellen WM blieb er gegen Kap Verde (0:0), Saudi-Arabien (4:0), Uruguay (1:0), Österreich (3:0) und Portugal (1:0) ohne Gegentreffer.
Salah: „Ich weiß, dass ihr immer noch sauer seid“
Ägyptens Kapitän Mohamed Salah hat sich nach dem umstrittenen WM-Aus im Achtelfinale gegen Argentinien (2:3) an die Fans gewandt. „Ich weiß, dass ihr immer noch sauer seid, aber ich verspreche euch, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um sicherzustellen, dass das ein neuer Anfang für den ägyptischen Fußball wird“, schrieb der 34-jährige Liverpool-Stürmer in den sozialen Medien. Der ägyptische Verband hat Beschwerde gegen den französischen Schiedsrichter François Letexier eingereicht; Verbandschef Hany Abo Rida monierte eklatante Fehler und Doppelmoral. Nationaltrainer Hossam Hassan war nach dem Aus außer sich: „Uns ist Unrecht widerfahren. Die argentinische Seite hat Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt.“ Er kündigte an, die weitere WM zu boykottieren.
Zoff um Debast: Verein verhindert WM-Einsatz
Belgien muss im Viertelfinale gegen Spanien auf Verteidiger Zeno Debast verzichten. Der portugiesische Klub Sporting Lissabon hält den 22-Jährigen „aus medizinischer Sicht nicht für spielfähig“, wie der belgische Verband mitteilte. Diese Einschätzung weiche von der des medizinischen Stabs der „Red Devils“ sowie der Fifa ab. Debast war wichtiger Bestandteil der Qualifikation, verletzte sich aber vor der Endrunde am Bein. Bei der WM hat er noch keinen Einsatz absolviert. „The Athletic“ zufolge soll vor dem Viertelfinale ein Treffen in Los Angeles zwischen Vereins- und Verbandsvertretern stattfinden.
Kempes weist Verschwörungstheorien zurück
Argentiniens Fußball-Legende Mario Kempes hat sich gegen Verschwörungstheorien einer angeblichen Bevorzugung seines Teams gewehrt. „Die Verlierer werden immer jammern“, sagte der Weltmeister von 1978 dem Sender TyCSports. „Und um zu glauben, dass man dir eine Weltmeisterschaft schenkt, muss man schon sehr, sehr ... sein.“ Im Internet kursieren Spekulationen, dass Titelverteidiger Argentinien bevorzugt werde, unter anderem wegen einer nicht geahndeten Aktion von Lionel Messi im ersten Spiel gegen Algerien und strittiger Szenen im Achtelfinale gegen Ägypten. Auch lobende Aussagen von FIFA-Boss Gianni Infantino über Messi befeuerten die Theorien. Eine faktische Grundlage gibt es nicht. Kempes berichtete, er sei von einem kolumbianischen Radiosender gefragt worden, ob man Argentinien die WM geschenkt habe: „Was soll man dazu sagen? Sollen sie doch weiterreden, kein Problem.“
DFB-Spitze zu Klopp nach New York
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke sind zu Vertragsgesprächen mit Bundestrainer-Kandidat Jürgen Klopp in die USA aufgebrochen. Nach dpa-Informationen machten sich die Funktionäre auf den Weg nach New York, wo die Details zum avisierten Engagement des 59-Jährigen als Nachfolger von Julian Nagelsmann besprochen werden sollen. Klopp ist der absolute Top-Kandidat nach dem WM-Debakel und Rücktritt von Nagelsmann. Geklärt werden muss unter anderem die Auflösung von Klopps Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull. Die ersten Länderspiele stünden im September und Oktober an.
Pressestimmen: Frankreich souverän ins Halbfinale
Nach dem 2:0-Sieg gegen Marokko erhält Frankreich viel Lob. „L'Équipe“ schreibt: „Nicht aufzuhalten. Erst ineffizient, dann mitreißend: Frankreich bezwingt Marokko.“ „Le Parisien“ meint: „Nichts kann sie aufhalten. Die Welt liegt ihnen zu Füßen.“ „The Athletic“ fragt: „Kann sie überhaupt jemand stoppen?“ Kylian Mbappé führt mit acht Toren das Rennen um den Goldenen Schuh an.
Kurzmeldungen
Spaniens Trainer Luis de la Fuente will vor dem Belgien-Duell nicht an Frankreich denken: „Wir sind komplett auf das Spiel morgen fokussiert.“ Kylian Mbappé gab nach seiner Auswechslung Entwarnung: „Ich habe einen Schlag auf die Ferse bekommen, aber es geht gut.“ Belgiens Trainer Rudi Garcia macht sich keine Sorgen um feindselige Stimmung nach dem Sieg gegen die USA. England bangt um den Einsatz von Marc Guehi (muskuläre Probleme) und Declan Rice (Magen-Darm). Der britische Premierminister Keir Starmer schürt Hoffnung auf einen zusätzlichen Feiertag bei einem England-Finalsieg. Norwegen wechselte vor dem Viertelfinale das Hotel wegen Unzufriedenheit. In der Schweiz ist die Sperrstunde in mehreren Kantonen für das Viertelfinale gegen Argentinien aufgehoben. Die Gelbe Karte gegen Frankreichs Michael Olise bleibt bestehen. Belgiens Verband beschwerte sich über den zugewiesenen Trainingsplatz. Der Zuschauerschnitt der WM liegt bei 65.204 und damit unter dem von 1994 (68.991), aber die Gesamtzuschauerzahl von 6,26 Millionen ist ein Rekord. Marokko muss ohne den künftigen Bayern-Profi Ismael Saibari auskommen. Auch Justin Bieber wird bei der Halbzeitshow des WM-Finales erwartet. Zlatko Dalic tritt als kroatischer Nationaltrainer zurück.



