Spaniens Liga-Chef fordert Rücktritt von FIFA-Chef Infantino
Spaniens Liga-Chef fordert Rücktritt von FIFA-Chef Infantino

Javier Tebas, Präsident der spanischen Profiliga, hat den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert. In den Sozialen Medien schrieb Tebas, der Weltfußball brauche eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiert, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstellt und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickelt. „Dabei müssen die sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Vorfeld sorgfältig geprüft werden, anstatt Entscheidungen einseitig durchzusetzen“, so der spanische Funktionär.

Gescheiterter Investorendeal als Auslöser

Hintergrund der scharfen Kritik ist das geplatzte Vorhaben, Anteile an den kommerziellen Rechten der FIFA-Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie der Klub-WM an private Investoren zu verkaufen. Infantino hatte den Plan nach massivem Widerstand aus Verbänden, Ligen und Fanorganisationen zurückgezogen. Für Tebas ist dieser Rückzieher jedoch keine Wende zum Besseren.

„Das Problem war nie nur dieser eine Vorschlag. Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind“, schrieb Tebas. „Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen. Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs.“

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Rückhalt aus Ägypten und Marokko

Isoliert ist Infantino trotz der immer lauter werdenden Kritik nicht. Der Schweizer, der sich eigentlich im März nächsten Jahres in Rabat (Marokko) ein letztes Mal für vier Jahre zum FIFA-Boss wählen lassen will, bekommt weiterhin Zuspruch. Unter anderem der Ägyptische Fußballverband bekräftigte „sein volles Vertrauen“ in die Führung von Infantino. Auch Marokko, Gastgeber des 77. FIFA-Kongresses 2027, „erneuerte seine Unterstützung“ für den umstrittenen Präsidenten.

Die Unterstützung aus Afrika und Nordafrika könnte Infantino in seiner Position stärken, auch wenn die europäischen Ligen und Verbände zunehmend auf Distanz gehen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Kritik in konkrete Gegenkandidaten oder eine veränderte Stimmung beim Kongress umsetzt.

Ein Präsident unter Druck

Seit seinem Amtsantritt 2016 steht Infantino immer wieder in der Kritik. Schon mehrfach wurden Vorwürfe bezüglich Führungsstil, Transparenz und der Nähe zu autokratischen Regimen laut. Der gescheiterte Investorendeal ist nur der jüngste Streitpunkt. Tebas, der als Präsident der spanischen Liga zu den einflussreichsten Kritikern Infantinos gehört, sieht die Glaubwürdigkeit der FIFA als Institution in Gefahr.

„Der Weltfußball braucht eine Führung, die nicht allein über die Köpfe der Mitglieder hinweg entscheidet“, forderte Tebas. Seine Worte sind umso gewichtiger, als die spanische Liga zu den größten und kommerziell erfolgreichsten Fußball-Ligen der Welt zählt. Eine offene Rebellion der europäischen Ligen könnte den Druck auf Infantino weiter erhöhen.

Wie geht es weiter?

Der 77. FIFA-Kongress soll im Jahr 2027 in Marokko stattfinden. Zuvor steht im März nächsten Jahres die Wahl des FIFA-Präsidenten an. Dass Infantino erneut kandidiert, gilt als wahrscheinlich, doch die Diskussion über seine Zukunft ist neu entfacht. Ob sich ein ernstzunehmender Herausforderer findet, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Debatte über die Führung des Weltfußballs wird Infantino nicht mehr loslassen.

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