Tuchel führt England zu historischem WM-Bronze: 6:4 gegen Frankreich
Tuchel führt England zu historischem WM-Bronze

Thomas Tuchel hat innerhalb von weniger als zwei Stunden eine bemerkenswerte Wandlung vom Buhmann zum Helden vollzogen. Grund dafür waren spektakuläre 100 Minuten Fußball, in denen England beim Spiel um Platz drei der Weltmeisterschaft Frankreich mit 6:4 besiegte und sich den dritten Platz sicherte. Dies ist die beste WM-Platzierung einer englischen Mannschaft seit dem Titelgewinn im Jahr 1966.

Historischer Erfolg für England

Der dritte Platz ist nicht nur die erste WM-Medaille für England seit 60 Jahren, sondern auch die erste, die im Ausland gewonnen wurde. „Das ist die erste Medaille seit 60 Jahren, die erste Medaille im Ausland. Ich hoffe, die Spieler sehen das“, sagte Tuchel nach dem Spiel. Dabei waren vor dem Anpfiff noch Buhrufe durch das Stadion gehallt, als Tuchels Foto auf der Anzeigetafel gezeigt wurde. Die Niederlage im Halbfinale gegen Argentinien, bei der England eine Führung ab der 85. Minute aus der Hand gab, hatte für Unmut gesorgt.

Eine Halbzeit für die Geschichtsbücher

Bereits zur Halbzeit führte England mit 4:0 und begeisterte die Fans mit einer entfesselten Offensive. Die britische Presse überschlug sich mit Lob. Der „Daily Star“ schrieb, dass die ganze Welt von dem Spiel gefesselt worden sei, und der „Guardian“ urteilte, das Spiel „zählte zu den Höhepunkten des Turniers“ und sei „wirklich fantastisch“ gewesen. Tuchel selbst blieb jedoch bescheiden: „Wir erlauben es uns fast nicht, damit zufrieden zu sein, weil wir so ehrgeizig sind. Wir wollten ins Finale kommen, deshalb schmerzt es“, sagte er. „Es gibt vieles, auf das man stolz sein kann, aber dennoch werden viele von uns nicht glücklich sein.“

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Hendersons Schlüsselrolle

Besonders bemerkenswert war die Rolle von Jordan Henderson, den Tuchel trotz vieler Kritik in den Kader berufen hatte. Der 36-jährige Mittelfeldspieler von Brentford hielt vor dem Spiel eine emotionale Rede im Hotel, die das Team in die richtige Stimmung brachte. „Jordan Henderson hat eine großartige Rede im Hotel gehalten, um uns in die richtige Stimmung zu bringen“, berichtete Tuchel. Nach dem Abpfiff war es Henderson, der den nur zu Trainingszwecken mitgereisten Torwart Jason Steele zum Podest rief und ihm seine Medaille umhängte – eine Geste, die von den englischen Fans mit lautem Jubel quittiert wurde. Auch Jude Bellingham zeigte seine Wertschätzung, indem er nach seinem Tor zum Endstand direkt zu Henderson lief und ihm einen Kuss auf die Stirn gab.

Blick nach vorne

Verteidiger Djed Spence, der zu den Entdeckungen des Turniers zählt, sieht in dem dritten Platz den Beginn von etwas Großem: „Es ist das beste Ergebnis seit 1966. Ich denke, das kann ein Sprungbrett für uns sein. Und im nächsten Turnier bringen wir hoffentlich etwas nach Hause.“ Das nächste große Turnier ist die Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland. Tuchel dürfte bis dahin Ruhe haben, wenn die Ergebnisse stimmen. Auf Scharmützel mit Ex-Nationalspielern lässt er sich nicht ein: „Das Beste, was du tun kannst, ist auf dem Platz zu reagieren und den nächsten Sieg holen. Alles andere ist nur reden und das bringt dir keine Punkte. Ich bin froh über die Reaktion und wie wir gespielt haben.“

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