Tuchel nach WM-Bronze: „Habe den Überblick verloren“ – England schlägt Frankreich 6:4
Tuchel nach WM-Bronze: „Habe den Überblick verloren“

England feiert größten WM-Erfolg seit 1966

Thomas Tuchel führt die englische Fußball-Nationalmannschaft zum größten WM-Erfolg seit dem Triumph von Wembley 1966. Mit einem wilden 6:4 (4:0) über Vize-Weltmeister Frankreich schließen die „Three Lions“ eine aufreibende, physisch enorm fordernde WM-Reise mit dem dritten Platz ab. „Es ist schwierig, das reicht für vier Spiele“, sagte Tuchel nach dem torreichsten Spiel des laufenden Turniers, das zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten geboten hatte. „Massives Kompliment für die Mentalität“, feierte Tuchel sein Team: „Das war absolut brillant.“

Fan-Buhrufe und Pressekritik vor dem Spiel

Für Tuchel hatte das Spiel denkbar bitter begonnen: Nach Verlesung der Aufstellung buhten die englischen Fans in Miami deutlich vernehmbar ihren Trainer aus. Tuchel hatte zu Beginn auf seine Superstars Jude Bellingham und Harry Kane verzichtet. „Was ist das für eine Aufstellung?“, ätzte die heimische Presse, die sich schon kräftig nach dem Halbfinal-Aus gegen Argentinien (1:2) eingeschossen hatte. „THOMAS BOO-CHEL“ höhnten sie nun. Doch Tuchel ließ sich nicht beirren vom Wirbel um seine Person und seine Position.

Tuchel erklärt seine Taktik: „Hatte Angst vor den physischen Ansprüchen“

„Ich hatte Angst vor den physischen Ansprüchen dieses Spiels. Vor der Qualität und der Geschwindigkeit, mit der Frankreich spielt. Ihr Zeitplan war nicht so fordernd, sie hatten einen Tag mehr Pause nach dem Halbfinale, sie hatten viel weniger Reisestress“, sagte Tuchel mit Blick auf die K.o.-Phase, die sein Team durch die Hitze Miamis bis in die Höhe von Mexiko-Stadt jagte. „Wir haben in der Hitze gespielt, wir haben in der Höhe gespielt, wir haben Verlängerung gespielt.“ Keine Delegation hat im Laufe der WM so viele Flugkilometer angesammelt wie die englische. Dazu hatte Frankreich sein Halbfinale gegen Spanien (0:2) schon am Dienstag bestritten – einen Tag vor Englands Last-Minute-Kollaps gegen Argentinien.

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Zweite Halbzeit: Krämpfe und Kampfgeist

In der zweiten Halbzeit musste sein Team denn auch sichtbar den vielen Flugkilometern und dem aufreibenden Ritt durch Klima- und Zeitzonen Tribut zollen. Doch wie sich die „Three Lions“ letztlich erfolgreich dem französischen Flow entgegenwarfen, machte Tuchel sichtbar stolz: „Man hat es in der zweiten Halbzeit gesehen: Wir hatten Krämpfe, wir waren müde. Aber ich hatte niemals irgendwelche Zweifel bezüglich der Mentalität. Das ist bei dieser Mannschaft etwas ganz Besonderes und das hat sie heute wieder gezeigt.“

Tuchel: „Habe den Überblick verloren“

Tuchel hatte schon mehrfach im Laufe des Turniers die besondere Einstellung seines von Superstars gespickten Teams gelobt. Nun versicherte der 52-Jährige: „Wenn du siehst, wie diese Mannschaft kämpft, gibt das Energie.“ Das Finale zu sehen, in dem sich am Sonntag Spanien und Argentinien gegenüberstehen, werde „natürlich schmerzen. Es wird auch eine Weile dauern, darüber hinwegzukommen. Aber es gibt mir mehr Energie, als es nimmt.“ Das nervenaufreibende Auf und Ab, in dem Frankreich nur haarscharf am größten Comeback der WM-Geschichte vorbei geschrammt war, hatte zuvor tatsächlich eine Menge Energie gezogen: „Mir war bis eben gar nicht klar, dass Bukayo einen Hattrick erzielt hat“, sagte Tuchel im Interview nach dem Spiel, als er auf den dreifachen Torschützen Bukayo Saka angesprochen wurde. „Ich habe den Überblick verloren. Brillant.“

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