England ist im WM-Halbfinale gegen Frankreich ausgeschieden. Die Three Lions unterlagen dem Titelverteidiger mit 1:2 und verpassten damit den Einzug ins Endspiel. Lothar Matthäus, Rekordnationalspieler des DFB, übt scharfe Kritik an der Taktik von Trainer Thomas Tuchel. Er sieht eine Parallele zum dramatischen Aus von 1999, als England gegen Frankreich im Halbfinale der Europameisterschaft verlor.
Matthäus: Tuchel hat sich verzockt
„Thomas Tuchel hat sich verzockt“, sagte Matthäus in seiner Kolumne bei Sky. „Er hat zu defensiv agieren lassen, obwohl England spielerisch überlegen war. Das erinnert mich an 1999, als Kevin Keegan ebenfalls zu defensiv spielte und England verlor.“ Matthäus kritisierte vor allem die Aufstellung: „Warum hat er Harry Kane so früh ausgewechselt? Kane war der gefährlichste Stürmer. Ohne ihn hatte England keine Durchschlagskraft mehr.“
Spielverlauf: England dominant, aber chancenlos
England begann stark und ging durch einen Treffer von Bukayo Saka in Führung (18. Minute). Frankreich glich jedoch noch vor der Pause durch Kylian Mbappé aus (32.). Nach der Halbzeit drückte England weiter, ließ aber beste Chancen liegen. In der 78. Minute traf Olivier Giroud per Kopf zur Entscheidung. England hatte in der Schlussphase noch zwei Großchancen, scheiterte aber an Frankreichs Torhüter Hugo Lloris und der eigenen Abschlussschwäche.
Statistik: Mehr Ballbesitz, weniger Tore
England hatte 62 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse, Frankreich nur sieben. Doch die Effizienz fehlte. „Das nützt nichts, wenn du die Tore nicht machst“, kommentierte Matthäus. „Frankreich war abgezockter und hat seine Chancen genutzt. England hat zu viel Respekt gezeigt.“
Tuchel: „Wir haben alles gegeben“
Thomas Tuchel zeigte sich nach der Niederlage enttäuscht, aber nicht niedergeschlagen. „Wir haben alles gegeben, aber es hat nicht gereicht. Frankreich war effektiver. Das ist schwer zu akzeptieren, aber wir müssen nach vorne schauen.“ Auf die Kritik an seiner Taktik angesprochen, sagte Tuchel: „Ich stehe zu meiner Entscheidung. Wir wollten kompakt stehen und kontern. Das hat bis zum Gegentor gut funktioniert.“
Auswirkungen: England vor dem Umbruch
Für England beginnt nun eine ungewisse Zukunft. Mehrere Leistungsträger wie Harry Kane und Raheem Sterling haben ihr Karriereende im Nationalteam angedeutet. „Das war vielleicht die letzte Chance dieser Generation“, analysierte Matthäus. „Jetzt steht ein Umbruch an. Die jungen Spieler wie Saka und Bellingham müssen die Verantwortung übernehmen.“
Die Niederlage im Halbfinale ist ein Rückschlag für den englischen Fußball, der nach dem EM-Titel 2021 auf dem Vormarsch schien. Trainer Tuchel steht nun in der Kritik, sein Vertrag läuft noch bis 2024. Der englische Verband hat sich noch nicht zu einer möglichen Trennung geäußert.
Matthäus: Parallele zu 1999 unübersehbar
Lothar Matthäus bleibt bei seiner Analyse. „1999 war England gegen Frankreich ebenfalls haushoch überlegen, aber hat verloren. Das ist kein Zufall. Es liegt an der Mentalität. England hat zu viel Respekt vor großen Turnieren. Das muss sich ändern, wenn sie endlich einen Titel gewinnen wollen.“
England muss nun am Spiel um Platz drei gegen Portugal antreten. Ein Trostpflaster, das die Enttäuschung über das verpasste Finale kaum lindern dürfte.



