Argentiniens Vizepräsidentin heizt Falkland-Streit vor WM-Halbfinale gegen England an
Vizepräsidentin heizt Falkland-Streit vor WM-Halbfinale an

Im Vorfeld des WM-Halbfinals zwischen Argentinien und England hat Argentiniens Trainer Lionel Scaloni vor einer Vermischung des sportlichen Duells mit dem Falkland-Krieg vor 44 Jahren gewarnt. „Wir denken an Argentinier, an Menschen, die wir im Krieg verloren haben. Aber das müssen wir von dem Spiel trennen“, sagte Scaloni vor der Partie in Atlanta am heutigen Mittwoch (21.00 Uhr/ARD und MagentaTV).

Vizepräsidentin Villarruel heizt Stimmung an

Ganz anders sah das die Vizepräsidentin Argentiniens, Victoria Villarruel. „Wir spielen gegen die Piraten-Usurpatoren. Das ist kein Spiel wie jedes andere“, schrieb sie auf X und kündigte an: „Ich werde nicht politisch korrekt sein oder mich zurückhalten. Gegen die Engländer geht es um mehr.“ Villarruels Vater hatte im Krieg um die Falkland-Inseln für Argentiniens Militärdiktatur gekämpft. Sie schrieb weiter: „Es geht darum, den Eindringlingen die Stirn zu bieten. Hoch lebe Argentinien! Wir werden nämlich bis zum letzten Atemzug fordern, was uns gehört.“

Scaloni: „Was haben die Spieler damit zu tun?“

Argentinien und Großbritannien führten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Falkland-Inseln vor der Küste Argentiniens. Dabei starben rund 1000 Soldaten. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet. Bis heute weigert sich Großbritannien, über den Anspruch auf die sogenannten Malvinas zu verhandeln. Scaloni wies darauf hin, dass der militärische Konflikt lange her und Geschichte sei. „Was haben die Spieler damit zu tun?“, fragte der 48-Jährige. „Es wäre falsch, das mit dem Spiel zu vermischen.“ In dem sportlichen Duell ermitteln die Teams den Finalgegner von Spanien.

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Erinnerungen an Maradona werden wach

Die Vermischung von Sport und Politik hat in Argentinien Tradition: Diego Maradona hatte 1986 nach dem 2:1 im WM-Viertelfinale gegen England gesagt, dass dieser Erfolg auch Rache für die Opfer des Krieges sei. Bei jenem 2:1 in Mexiko-Stadt, wo Maradona beim ersten Tor die „Hand Gottes“ zu Hilfe genommen hatte, hatte Argentinien in den dunkelblauen Auswärtstrikots gespielt. Dasselbe galt für den Sieg im WM-Achtelfinale 1998 in Saint-Étienne. Auch dieses Mal wird Argentinien wieder das blaue Trikot tragen – in dem südamerikanischen Land wird dies als gutes Omen empfunden.

Blaues Trikot? Nicht auf Scalonis Wunsch

Argentinien ist von der Ansetzung die Auswärtsmannschaft. Zuvor war gemunkelt worden, der Verband habe diesen Wunsch bei der FIFA hinterlegt. Trainer Scaloni bestritt eine Einmischung seinerseits: „Ich habe das blaue Trikot nicht verlangt.“ Dabei wäre er bei seinem englischen Amtskollegen Thomas Tuchel auf volles Verständnis gestoßen. „Wenn es um Aberglaube geht, hätte ich dasselbe gemacht. Ich habe auch meine Routinen“, sagte der Schwabe. Tuchel hatte erst in der Pressekonferenz vor dem Spiel von der Trikotfarbe erfahren.

Das WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England findet am Mittwoch in Atlanta statt. Der Sieger trifft im Finale auf Spanien.

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