WM 2026: „Bubi“ reist für 10.000 Euro zu jedem Spiel der DFB-Elf
WM 2026: „Bubi“ reist für 10.000 Euro zu jedem DFB-Spiel

Ein Fan mit Leidenschaft: „Bubi“ und seine Reise zur WM 2026

Hans-Joachim Toews, im Fanclub liebevoll „Bubi“ genannt, ist ein Phänomen. Der 65-jährige ehemalige Chemikant aus Insheim hat seit 2014 kein einziges Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft verpasst. Nun steht die Weltmeisterschaft in den USA bevor, und „Bubi“ reist erneut mit einer Gruppe von 68 Fans aus dem DFB-Fan-Club Rheinland-Pfalz an. Die Kosten dafür sind enorm: Rund 10.000 Euro muss er selbst aufbringen. „Egal, wo wir spielen: Ich fahre hin“, sagt er entschlossen.

Die Organisation einer Fan-Reise

Toews ist im DFB-Fan-Club Rheinland-Pfalz eine Institution. Seit 2014 organisiert er die Fahrten zu den Länderspielen. Der Landesverband zählt etwa 4000 Mitglieder, und 68 davon begleiten „Bubi“ diesmal zur WM. Die Vorbereitung ist aufwendig: „Ob man eine elektrische Zahnbürste mitnehmen kann oder wie viele Unterhosen man einpacken sollte – solche Fragen bekomme ich ständig“, erzählt er lachend. „Man vergisst manchmal, dass man es mit erwachsenen Leuten zu tun hat. Aber sie verlassen sich auf mich.“

Kosten und Ersparnisse

Die Reise ist teuer. Toews rechnet mit 9000 bis 10.000 Euro Eigenanteil. „Dafür muss der ein oder andere Urlaub wegfallen, aber die WM ist ja nur alle vier Jahre“, sagt er. Diesmal reist er ohne Familie – seine Frau und die vier Enkelkinder verbringen den Sommer in Italien. Auch bei der Unterkunft muss er sparen: „Ich muss zum ersten Mal das Zimmer mit einem Mann teilen. Bei den Preisen teilt man sich gerne ein Zimmer.“ Ein Doppelzimmer im DFB-Fan-Camp kostet rund 300 Euro pro Nacht.

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Die WM-Tickets für DFB-Fan-Club-Mitglieder sind vergleichsweise günstig: 60 Dollar pro Spiel. Um an diese Tickets zu kommen, müssen Fans über zwei Jahre Punkte durch Stadionbesuche sammeln. „Ich verstehe die ganze Schwarzmalerei nicht. 60 Dollar für eine Karte fürs Finale finde ich wirklich günstig“, so Toews. Wer nicht im Fan-Club ist, zahlt zwischen 155 und 7400 Euro pro Ticket.

Reise durch die USA

Die WM 2026 wird in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen, mit 16 verschiedenen Stadien. Toews’ Gruppe reist von Houston nach Toronto und dann nach New York. „Inlandsflüge zahlt jeder selbst, da bekommt man keine Vorteile“, erklärt er. Bis zum Finale hat er noch nicht gebucht: „Ich traue Deutschland das Achtelfinale zu, wenn sie Gruppenerster werden. Danach könnte es gegen Frankreich gehen – das ist vielleicht eine Nummer zu groß“, scherzt er.

WM-Highlights und Veränderungen im Fußball

Seine schönste WM-Erinnerung ist das legendäre 7:1 gegen Brasilien 2014. „Das war absoluter Wahnsinn, noch schöner als das Finale. Viele brasilianische Fans kamen zu uns und gratulierten herzlich. Fürs Finale wurden uns dann die Daumen gedrückt – Argentinien und Brasilien sind ja Erzfeinde.“ Das Zusammenkommen der Fans ist für Toews das Schönste: „Man trifft Menschen aus allen Ecken der Welt. Ich habe heute noch Kontakte aus Brasilien und Südafrika.“

Katar 2022 war für ihn trotz der Kontroversen die schönste WM: „Kurze Wege, viele Stadien, viele Spiele. Man konnte an einem Tag zwei, manchmal sogar drei Spiele sehen. Das war optimal. In den USA ist das leider nicht möglich wegen der Entfernungen.“ Damals flog die Gruppe täglich von Dubai zu den Spielen und zurück, weil Übernachtungen in Katar zu teuer waren.

Doch der Fußball verändert sich. „Die Preise sind für normale Menschen zunehmend nicht erschwinglich“, kritisiert Toews. Auch die Distanz zwischen Fans und Spielern wächst: „Früher habe ich mit einem Spieler ein Bild gemacht – heute muss ich durch fünf Securitys, wenn ich überhaupt näher komme. Die Spieler gehen aus dem Bus, schreiben maximal zwei, drei Autogramme und verschwinden im Hotel. Wenn man etwas fragen will, hören sie nichts wegen ihrer Kopfhörer.“

Zukunft und Trikotsammlung

Eigentlich sollte Katar seine letzte Reise sein. „Aber dann dachte ich, die USA sind doch schön. Jetzt habe ich gesagt, ich höre auf. In zwei Jahren ist aber die Europameisterschaft in England – ein Muss. Und in vier Jahren die WM in Europa. Irgendwann reicht’s“, sagt er lachend.

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Natürlich trägt Toews jeden Tag ein Trikot. Für seinen 30-tägigen Aufenthalt hat er 30 Trikots eingepackt. In seiner Sammlung fehlt nur das pinkfarbene Auswärtstrikot von 2024, das damals vergriffen war. „Mittlerweile soll es das wieder geben. Dann ist meine Sammlung komplett.“ Als Wertanlage sieht er die Trikots nicht – ihm geht es um die Freude am Fußball.