WM 2026: England nur noch ein Pub-Team, Kimmich hadert, Tah würde wieder schießen
WM 2026: England nur Pub-Team, Kimmich hadert, Tah wieder

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada läuft auf Hochtouren. Während einige Teams wie Frankreich und Norwegen jubeln, gibt es bei anderen reichlich Kritik und Emotionen. England zog zwar ins Achtelfinale ein, doch die Leistung gegen die Demokratische Republik Kongo war ernüchternd. Thomas Tuchel sieht sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt. In Deutschland hadert Joshua Kimmich mit dem erneuten frühen Aus, und Jonathan Tah würde trotz seines Fehlschusses wieder einen Elfmeter schießen. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat eine ungewöhnliche Bitte an die Eltern.

Englische Medien: „Nur noch ein Pub-Team“ – Nur Kane wird gefeiert

England hat das Achtelfinale erreicht, aber die Art und Weise sorgt für Unmut. Beim mühevollen 2:1-Sieg gegen die Demokratische Republik Kongo zeigte die Mannschaft von Thomas Tuchel eine schwache Vorstellung. „Ich habe große Bedenken. Wir freuen uns alle, dass England weitergekommen ist, aber besonders, wenn England den Ball verliert, ist die Abwehr sehr anfällig“, kritisierte Wayne Rooney bei der BBC. Tuchels Elf sei „einfach nicht auf der Höhe“, bemängelte der frühere Weltklasse-Stürmer.

Die englische Presse fiel vernichtende Urteile. Der „Daily Star“ schrieb: „Thomas Tuchels katastrophale Entscheidung wäre beinahe aufgedeckt worden – England entgeht nur knapp einer WM-Überraschung.“ Die Mannschaft habe sich in ein „Pub-Team“ verwandelt, spielte „langsam und schlampig“. Der „Guardian“ analysierte: „England war in diesem Spiel zeitweise wirklich am Ende.“

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Im Fokus standen erneut Tuchels Personalentscheidungen. „Der eklatante Mangel an Kreativität auf der englischen Ersatzbank wurde deutlich, als ziellose Flanken in den Strafraum geschlagen wurden“, hieß es beim „Daily Star“. Das Blatt verwies auf die nicht nominierten Premier-League-Stars Phil Foden und Cole Palmer.

Positiv hervorgehoben wurde nur Doppelpacker Harry Kane, der nun fünf Turniertreffer erzielte. „Von nun an werde ich ihn Sir Harry Kane nennen“, adelte Frankreichs Ex-Stürmerstar Thierry Henry den Bayern-Angreifer beim US-Sender CBS. „Er allein war die Antwort.“ Die „Sun“ titelte „Kate & the Great“ zu einem Foto von Kane und seiner Ehefrau Kate. Der „Daily Mirror“ schrieb: „Harry Kane rettet das glanzlose englische Team und hält den WM-Traum am Leben.“ England trifft im Achtelfinale auf Co-Gastgeber Mexiko.

Kimmich hadert mit WM-Aus: „Macht mich fertig“

Joshua Kimmich hat sich mit deutlichen Worten zum erneuten frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft geäußert. „Ich bin gerade einfach nur leer und mir ist überhaupt nicht danach, mich zu melden. Aber es gehört dazu, sich auch diesen Situationen zu stellen“, schrieb der DFB-Kapitän auf Instagram. „Gemeinsam hatten wir vor, eine sehr erfolgreiche WM zu spielen, Deutschland würdig zu vertreten und einen kleinen Beitrag für eine positive Entwicklung in unserem Land zu leisten. Und wir sind gescheitert. Mal wieder. Und das macht mich fertig.“

Deutschland war im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausgeschieden – im Elfmeterschießen. Es war das dritte Turnier in Folge mit einem frühen Aus: 2018 und 2022 war bereits in der Gruppenphase Schluss. Kimmich war bei allen drei Pleiten dabei. Der 31-Jährige betonte, er sei „stolz“, Kapitän zu sein, aber die Enttäuschung sei groß. „Wir hätten Euch allen und auch uns gerne mehr zurückgegeben“, schrieb er an die Fans. Einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft schloss er aus: „Aufgeben ist für mich niemals eine Option. Um wieder klarzukommen, werde ich aber sicher mehr als ein paar Tage brauchen.“

Tah würde wieder Elfmeter schießen

Jonathan Tah hat trotz seines verschossenen Elfmeters im entscheidenden Duell gegen Paraguay angekündigt, wieder antreten zu wollen. „Ich würde ihn nächstes Mal wieder schießen! Mit voller Überzeugung und Zuversicht, ihn für Deutschland reinzumachen“, schrieb der Abwehrspieler des FC Bayern auf Instagram. Der Fehlschuss beschäftige ihn noch immer: „Der verschossene Elfmeter ist mir schon Tausende Male durch den Kopf gegangen und man versucht, ihn in seinen Gedanken irgendwie doch ins Tor zu lenken. Aber die Realität ist, dass der Ball nicht drin war. Und das tut weh.“

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Der 30-Jährige war einer von mehreren deutschen Spielern, die im Elfmeterschießen scheiterten. Auch Nick Woltemade und Kai Havertz vergaben ihre Versuche. Woltemade schrieb: „Ehrlich... dass meine erste WM so zu Ende geht, trifft mich hart.“ Er habe Verantwortung übernehmen wollen: „Das bedeutet aber gleichzeitig, mit den Konsequenzen leben zu müssen – auch wenn es weh tut.“

Österreichs Bundespräsident bittet Eltern: Kinder länger aufbleiben lassen

Vor dem Achtelfinale gegen Spanien hat Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen eine ungewöhnliche Bitte an die Eltern im Land gerichtet. In einem auf Facebook veröffentlichten Video sagte der 82-Jährige: „Liebe Eltern, lassen Sie sie heute, also am Donnerstag, ein wenig länger aufbleiben.“ Das Spiel beginnt um 21 Uhr Ortszeit in Österreich. Van der Bellen erklärte: „Ja, bis spät in die Nacht hinein Fernsehen ist nicht gut. Ich weiß das. Aber drücken Sie diesmal ein Auge zu, damit die Kinder, die das wollen, unser Nationalteam live anfeuern können. Solche Erinnerungen nimmt man doch sein Leben lang mit. Und obendrein haben wir derzeit die letzten Tage vor den Ferien.“

Für Österreich ist es das erste K.o.-Spiel bei einer WM seit 1954. Die Partie findet in Inglewood bei Los Angeles statt.

Belgien feiert dramatisches Comeback, Senegal sauer

Belgien hat ein spektakuläres Comeback gefeiert und Senegal mit 3:2 nach Verlängerung besiegt. Dabei lag das Team von Domenico Tedesco bereits 0:2 zurück. Romelu Lukaku (86.) und Youri Tielemans (89.) retteten die Partie in die Verlängerung, in der Tielemans in der 5. Minute der Nachspielzeit per Elfmeter den Siegtreffer erzielte. Lukaku dachte nach dem Spiel an seinen verstorbenen Vater: „Ich glaube, mein Vater wacht über mich. Ganz sicher“, sagte der Angreifer.

Senegal hingegen zeigte sich enttäuscht. Mittelfeldspieler Pape Gueye kündigte an, unter dem aktuellen Trainer nicht mehr spielen zu wollen. „Ich möchte heute schon ankündigen, dass ich, solange dieser Trainerstab im Amt ist, eine Pause bei der Nationalmannschaft einlegen werde“, schrieb er auf Instagram. Gueye war beim Stand von 2:0 für Senegal in der 66. Minute ausgewechselt worden.

DFB-Spitze in der Kritik: Hamann fordert Hinterfragung

Nach dem frühen WM-Aus mehrt sich die Kritik an der Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Sky-Experte Dietmar Hamann nannte namentlich Präsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig. „Man muss auch mal die Führung des DFB infrage stellen“, sagte Hamann. Insbesondere der bis 2028 verlängerte Vertrag von Bundestrainer Julian Nagelsmann stößt auf Unverständnis. „Wir haben vor zwei Jahren eine durchschnittliche EM gespielt und eine schlechte Quali. Und trotzdem wird der Vertrag dieses Bundestrainers verlängert. Ich glaube, es ist an der Zeit, die Herren Neuendorf und Rettig zu hinterfragen, wie das passieren konnte.“

Auch frühere Weltmeister wie Guido Buchwald und Jürgen Kohler forderten einen Neuanfang. „Es darf so nicht weitergehen“, schrieb Buchwald im „Kicker“. „Gescheitert ist die DFB-Auswahl auch, weil ihr Spieler fehlten, die den Unterschied ausmachen“, ergänzte Kohler.

Nagelsmann selbst war nach der Rückkehr aus den USA kommentarlos am Münchner Flughafen durch einen Hinterausgang verschwunden. Seine Zukunft ist offen.

USA und Frankreich souverän, Norwegen feiert

Die USA zogen mit einem 2:0-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina ins Achtelfinale ein, mussten dabei aber rund 30 Minuten in Unterzahl spielen. Frankreich besiegte Schweden souverän mit 3:0 und trifft nun auf Paraguay. Norwegen feierte den ersten Einzug in ein WM-Achtelfinale seit 28 Jahren. Erling Haaland erzielte den Siegtreffer zum 2:1 gegen die Elfenbeinküste. „Das ist Geschichte, das ist unglaublich“, sagte Haaland nach dem Spiel.

Der Iran sorgte für politische Verstimmungen: US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin jubelte über das Vorrunden-Aus des Iran, was der iranische Außenminister Abbas Araghtschi scharf kritisierte. „Sie haben der Welt bewiesen, dass Sie nicht in der Lage sind, ein internationales Turnier auszurichten“, schrieb Araghtschi auf X.