Gijón 2.0? Österreich gegen Algerien in brisanter WM-Konstellation
Am Sonntag treffen Österreich und Algerien in Kansas City aufeinander – und die Ausgangslage erinnert an das berüchtigte „Nichtangriffsspiel“ von Gijón 1982. Beide Teams wissen vor dem Spiel genau, dass ihnen ein Unentschieden zum Weiterkommen reicht. Zudem ist bereits bekannt, welcher Gegner im Achtelfinale auf den Gruppenzweiten beziehungsweise -dritten wartet. Diese Transparenz könnte zu einem taktisch geprägten, risikoscheuen Spiel führen – ähnlich wie damals zwischen Deutschland und Österreich.
Die Schande von Gijón: Ein historischer Nichtangriffspakt
Bei der WM 1982 in Spanien führte Deutschland früh mit 1:0 gegen Österreich – ein Ergebnis, das beiden Teams den Einzug ins Achtelfinale sicherte. In der Folge verweigerten beide Mannschaften jegliche Offensivbemühungen, was als „Schande von Gijón“ in die Fußballgeschichte einging. Der damalige österreichische Nationalspieler Hans Krankl bezeichnete die Partie gegenüber der APA als „ein sogenanntes Scheißmatch“. Algerien, das sein letztes Gruppenspiel bereits absolviert hatte, war der Leidtragende und schied aus. Als Konsequenz finden seitdem die letzten Gruppenspiele zeitgleich statt.
Aktuelle Konstellation: Remis reicht beiden Teams
In Gruppe C der WM 2026 mit 48 Teams – bei der auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen – sind Österreich und Algerien die letzten, die ihre Vorrundenspiele bestreiten. Jordanien ist bereits ausgeschieden, Argentinien sicher Gruppensieger. Beide Mannschaften wissen genau, welches Ergebnis für das Weiterkommen nötig ist: Ein Unentschieden genügt. Zudem ist bekannt, dass der Gruppenzweite im Achtelfinale auf Europameister Spanien trifft, während der Gruppendritte einen vermeintlich leichteren Gegner bekäme. Diese Konstellation könnte dazu verleiten, Risiken zu vermeiden – oder sogar eine Niederlage in Kauf zu nehmen.
Österreichs Posch: „Gar nicht“ – Keine Angst vor neuem Skandal
Österreichs Abwehrspieler Stefan Posch, zuletzt leihweise bei Mainz 05 aktiv, wies die Parallelen zu Gijón entschieden zurück: „Gar nicht.“ Er betonte: „Wir gehen ins Spiel einfach so, dass wir es gewinnen wollen. Wir sind alle Sportler, Fußballer. Ich kann nicht in ein Spiel gehen und sagen, heute gehen wir rein und verlieren. Das funktioniert ja nicht. Das hat keiner von uns jemals gemacht und wird es auch nie machen. Deswegen stellt sich für uns da gar keine Frage.“
Algeriens Rachegelüste und die Last der Geschichte
In Algerien ist die „Schande von Gijón“ bis heute allgegenwärtig. Vor allem die ältere Generation hat nicht vergessen, wie Deutschland und Österreich damals den Underdog um den verdienten Aufstieg brachten. Rund um das Trainingscamp der Algerier in Lawrence, Kansas, ist der angebliche Betrug von 1982 das dominierende Thema unter Fans und Journalisten. Für viele wäre ein Sieg gegen Österreich eine kleine Genugtuung für das damalige Unrecht. Die aktuelle algerische Mannschaft, trainiert von Vladimir Petkovic, tat sich bislang schwer: Nach einem 0:3 gegen Argentinien zum Auftakt erkämpfte sie sich ein knappes 2:1 gegen Jordanien. Mittelfeldspieler Farès Chaïbi kündigte an: „Wir sind Algerien. Wir werden mit Selbstvertrauen antreten und alles geben, um zu gewinnen.“ Dabei könnte eine Niederlage taktisch sogar vorteilhaft sein, um als Gruppendritter einen leichteren Achtelfinalgegner zu bekommen.
Fazit: Spannung zwischen Sportgeist und taktischer Kalkulation
Das Spiel am Sonntag wird genau beobachtet werden. Während die Verantwortlichen beteuern, auf Sieg spielen zu wollen, bleibt abzuwarten, ob die historische Last und die klare Rechenaufgabe zu einem ähnlich risikoarmen Spiel wie 1982 führen. Die Welt erinnert sich an Gijón – und hofft auf eine würdigere Partie.



