Die Drohkulissen vor dem Start der Fußball-WM waren fast so groß wie das XXL-Turnier selbst. Zahlreiche Bedenken dominierten den WM-Vorlauf: zu teuer, zu heiß und politisch brisant. Ein Überblick zeigt, welche Sorgen berechtigt waren und was als Panikmache abgestempelt werden kann.
Wetter-Chaos blieb weitgehend aus
Das befürchtete Wetter-Chaos mit Unwettern und extremer Hitze blieb weitgehend aus. Dennoch musste die Vorrundenpartie zwischen Frankreich und dem Irak wegen eines Gewitters für rund zwei Stunden unterbrochen werden. Das Sechzehntelfinale zwischen Mexiko und Ecuador sowie das Achtelfinale der Engländer begannen jeweils mit Verspätung. Bei der Club-WM im Vorjahr waren in den USA noch sechs Partien wegen Unwettern unterbrochen worden.
Die hohen Temperaturen und die drückende Schwüle blieben dennoch eine Belastung für Spieler und Fans – und dürften auch das Finale prägen. Im Endspiel zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag in East Rutherford bei New York werden Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet. Außerdem ist die Bevölkerung in New York aufgerufen worden, Masken zu tragen, da Rauch von Waldbränden in Kanada und im US-Bundesstaat Minnesota über die Metropole zieht.
Trump hielt sich weitgehend zurück
Die Sorge, Donald Trump könnte die WM für seine politische Agenda nutzen, war groß. Schließlich hatte der US-Präsident das Turnier mehrfach zu seinem persönlichen Prestigeprojekt erklärt. Bislang hielt er sich jedoch weitgehend zurück und sorgte nur einmal für Aufsehen: Nach der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun setzte er sich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino erfolgreich für eine Überprüfung der Sperre ein. Beim Finale wird der US-Präsident wieder im Rampenlicht stehen. Er soll den Pokal überreichen und könnte die Siegerehrung zu seinem großen WM-Auftritt machen.
Sicherheitsbedenken: Zwischenfälle in Mexiko
Der Krieg im Nahen Osten, Unruhen in Mexiko und die Haushaltssperre in den USA hatten im Vorfeld erhebliche Sicherheitsbedenken ausgelöst. Während die Spiele in Kanada und den USA weitgehend reibungslos verliefen, kam es in Mexiko mehrfach zu Zwischenfällen: Fans stürmten ein bereits überfülltes Fanfest in Guadalajara, nach einem Sieg der Co-Gastgeber fuhr ein Auto in eine feiernde Menschenmenge, zudem starben bei Jubelfeiern in Mexiko-Stadt mehrere Menschen.
Für Diskussionen sorgte vor der WM auch die Rolle der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE. Deren Chef Todd Lyons hatte von einer „Schlüsselrolle“ im Sicherheitskonzept gesprochen. ICE steht seit längerem wegen der rigorosen Vorgehensweise bei der Inhaftierung von Migranten in der Kritik. Wie umfangreich der Einsatz während der WM tatsächlich ausfiel, blieb jedoch unklar. Größere Zwischenfälle mit Fans sind bislang nicht bekannt.
Stadien voll – Rekordkulisse trotz 48 Teams
Die Sorge vor leeren Stadien, vor allem in den USA, wo Fußball nicht die Sportart Nummer eins ist, erwies sich als unbegründet. Bereits vor den Viertelfinals strömten laut FIFA mit Blick auf die Partien in allen drei Ausrichternationen mehr als 6,25 Millionen Zuschauer in die Stadien – so viele wie nie zuvor bei einer WM. Der Rekord überrascht allerdings nur bedingt: Erstmals nahmen 48 Teams teil, es standen 104 statt 64 Begegnungen auf dem Spielplan.
Laut FIFA waren 99,7 Prozent aller verfügbaren Plätze belegt. Vor allem in der Gruppenphase waren allerdings auch viele freie Sitze zu sehen. Im Schnitt kamen vor den Viertelfinals laut offizieller Zahlen rund 65.000 Fans pro Partie. 1994 lag der Durchschnitt nach dem Finalsieg von Brasilien gegen Italien bei 68.991 Zuschauern. Diesen Wert kann das Turnier in diesem Jahr auch dann nicht mehr erreichen, sollten das Spiel um Platz 3 sowie das Finale bis auf den letzten Platz besetzt sein.
Preis-Irrsinn in den Arenen
Dass die WM für Fans teuer werden würde, war spätestens beim Kauf der Tickets, der Hotelbuchung oder der Anreise zum Stadion klar. Für zusätzlichen Ärger sorgten jedoch die Preise in den Arenen. In den USA mussten Besucher teils tief in die Tasche greifen: Bis zu 20 Euro für ein Bier, mehr als 17 Euro für Pommes oder rund sieben Euro für eine Flasche Wasser.
Aber auch in Mexiko waren Speisen und Getränke deutlich teurer als gewohnt. Im Aztekenstadion kostete ein Bier umgerechnet rund 15,50 Euro – und damit fast so viel wie der gesetzliche Tagesmindestlohn im Land.
Qualitätsverlust blieb aus – Überraschungen inklusive
Viele Kritiker warnten wegen der Erweiterung vor spürbaren Klassenunterschieden und einseitigen Spielen. Zwar schaffte es mit Kap Verde nur ein krasser Außenseiter in die K.o.-Phase, trotzdem verkauften sich die vier Debütanten um Jordanien und Usbekistan und andere Underdogs teuer, sodass von einer deutlichen Verschlechterung der Spielqualität wenig zu sehen war.
Kap Verde rang etwa Spanien ein 0:0 ab und scheiterte im Sechzehntelfinale gegen Titelverteidiger Argentinien erst nach Verlängerung. Die Demokratische Republik Kongo holte ein 1:1 gegen Portugal, Paraguay schockte Deutschland. Der Karibikstaat und Debütant Curaçao feierte gegen Ecuador einen historischen ersten WM-Punkt.



