Vorfreude auf die WM 2026: Ein Turnier der Superlative
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 steht vor der Tür, und wie schon so oft vor großen Turnieren ist die Skepsis vielerorts groß. Dennoch hat dieses Mega-Event eine echte Chance verdient. Denn der Fußball besitzt eine magische Anziehungskraft, gegen die selbst der lautstärkste Präsident machtlos ist. Ein Kommentar.
Historische Momente im Aztekenstadion
Erinnern Sie sich noch an die WM 1970? Pelé verzückte die Fußballwelt und wurde zum dritten Mal Weltmeister. In einem berauschenden Finale gegen hilflose Italiener tänzelte er mit seinen Brasilianern zum Titel – mit solcher Geschwindigkeit, Technik und Wucht, dass es fast überirdisch wirkte. Oder 1986, als zwischen dem schamlosesten Betrug der WM-Geschichte und ihrem herrlichsten Tor keine fünf Minuten lagen: Diego Maradona erzielte im Viertelfinale gegen England erst mit der Hand Gottes das 1:0 und dribbelte sich das schlechte Gewissen kurz darauf mit einem unglaublichen Solo zum 2:0 von der Seele.
Schauplatz war sowohl 1970 als auch 1986 das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt. Am Donnerstag steht dieser Fußballtempel erneut im Mittelpunkt einer WM, wenn die 23. Weltmeisterschaftsendrunde an einem ihrer geschichtsträchtigsten Orte mit dem Spiel Mexiko gegen Südafrika eröffnet wird. Eine Begegnung mit Erinnerungswert: 2010 bestritt Südafrika als Gastgeber das erste WM-Spiel – gegen Mexiko. Nun treffen sie sich auf mexikanischem Boden wieder.
Größte WM aller Zeiten mit 48 Teams
1970 spielten noch 16 Mannschaften um den Titel, 1986 waren es 24 – und jetzt sind es bei der größten WM aller Zeiten 48. Ein einzelner Gastgeber reicht dafür nicht mehr aus, daher richten die USA (vor allem), Kanada und Mexiko die Endrunde gemeinsam aus. Doch anders als vor 56 oder 40 Jahren schaut dieses Mal wirklich fast die ganze Welt zu: eine Sportveranstaltung als völkerverbindendes Spektakel.
Das klingt natürlich zu schön, um wahr zu sein. Und ja, man kann und muss bei dieser WM über Dinge reden, die einem die Vorfreude verderben können. Trotzdem gibt es weltweit viele Menschen, die es kaum erwarten können, dass der Ball endlich rollt; die mitfiebern, wenn ihr Star ein Tor erzielt oder ein anderer es verhindert, und die gemeinsam Siege oder zumindest Achtungserfolge bejubeln. Und warum auch nicht?
Fußball als verbindendes Element
Fußball ist das einzige Spiel der Welt, das gleichzeitig Milliarden Menschen bewegt und jedem Einzelnen das Gefühl gibt, mittendrin zu sein. Er kann Freude erzeugen, wo sonst keine ist. Dass es nun noch einige Nationen mehr gibt, die daran teilhaben dürfen, ist bei aller sportlichen Fragwürdigkeit eines aufgeblähten Mega-Turniers ein durchaus tröstlicher Gedanke. Nicht zu vergessen die Kinder, die jetzt mitfiebern. Sie kennen es ohnehin nicht anders – für sie fand jede WM der vergangenen Jahre in einem Land statt, über das Erwachsene gestritten haben. Das hat sie nicht davon abgehalten, für ihre Helden zu brennen. Und das wird auch dieses Mal nicht anders sein.
Erstteilnehmer und ihre Träume
Besonders groß ist die Freude bei den Mannschaften, die erstmals bei einer WM dabei sind: Curaçao, Jordanien, Kap Verde, Usbekistan – jahrelang haben sie von einer Teilnahme geträumt. Für die Spieler dieser Teams ist es der größte Moment ihres Fußballerlebens, und für ihre Familien und die Fans daheim ist diese WM kein politisches Ereignis und kein Kommerzspektakel. Auch sie haben ein Recht darauf, das in vollen Zügen zu genießen.
Die deutsche Elf als Sinnbild
Und in Deutschland? Hier ist die Skepsis dieser Tage wieder einmal groß. Soll ich mir die Spiele wirklich anschauen, zumal spät am Abend oder gar mitten in der Nacht? Ist der Fußball nicht längst zum Geschäft verkommen, in dem es nur noch um Profit geht? Und kann die deutsche Nationalmannschaft überhaupt mithalten? Dass der Fußball dennoch auch bei uns eine große Wirkung entfalten kann, hat die Heim-EM vor zwei Jahren gezeigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat es seinerzeit geschafft, das Land hinter dem Team zu vereinen. Zwei Jahre später ist Deutschland kein Topfavorit, aber auch kein krasser Außenseiter. Die Mannschaft steht sinnbildlich für die ganze Veranstaltung: Man traut ihr nicht so recht über den Weg. Aber das Team ist gut genug, um weit zu kommen. Man darf ihm das ruhig zutrauen.
Ein paar Siege könnten helfen, wenn es nur darum geht, sich einfach mal wieder freuen zu dürfen. Vielleicht sogar gemeinsam. Denn Fußball besitzt eine Anziehungskraft, gegen die selbst der lauteste Präsident machtlos ist.
Ausblick auf das Finale
Am 19. Juli wird in East Rutherford, New Jersey, der neue Champion gekürt. Nach mehr als fünf Wochen Fußball mit 104 Spielen. Die Welt wird danach keine andere geworden sein, aber wenn man sich in ein paar Jahren an die WM 2026 erinnert und einem dabei wie bei den Turnieren 1970 und 1986 zuerst der Fußball in den Sinn kommt, hätte diese Weltmeisterschaft mehr erreicht, als man vor dem ersten Anpfiff erwarten durfte.



