WM-Aus als Aufbruch: Kanada präsentiert sich als stolzes Fußballland
WM-Aus als Aufbruch: Kanada als stolzes Fußballland

Kanada ist bei der Heim-WM im Achtelfinale ausgeschieden. Die Mannschaft verlor gegen Marokko mit 0:3, doch die Stimmung im Team und im Land ist trotzdem positiv. „Dass wir es bei dieser Weltmeisterschaft unter die 16 besten Mannschaften geschafft haben, ist großartig – für das Land und für diese Mannschaft“, sagte Mittelfeldspieler Stephen Eustáquio nach dem Spiel. „Aber genau dort müssen wir jetzt ansetzen. Das muss unser neuer Maßstab sein.“

Historischer Erfolg trotz Niederlage

Für Kanada war der Einzug ins Achtelfinale bereits ein historischer Erfolg. Bei den beiden vorherigen WM-Teilnahmen 1986 und 2022 war das Team punktlos in der Vorrunde ausgeschieden. In diesem Jahr als Mitgastgeber gelang erstmals der Sprung in die K.o.-Runde. Insgesamt 13 Spiele des Turniers fanden in Toronto und Vancouver statt, drei davon bestritt Kanada als Heimteam. In den Ausrichterstädten wurde kräftig für den Fußball geworben – etwa in Vancouver, wo die bekannte Science World in einen riesigen WM-Ball verwandelt wurde.

Hoffnung auf WM-Effekt

Abwehrspieler Alistair Johnston zeigte sich beeindruckt von der Fußballbegeisterung im Land: „Die Menschenmengen, die Straßen voller Fans, die gemeinsam zu den Spielen gezogen sind. Wir haben der Welt gezeigt, dass Kanada ein echtes Fußballland ist.“ Er hofft auf einen nachhaltigen WM-Effekt: „Dass die Teenager von heute zugesehen haben und in vier Jahren dabei sein wollen.“ Für die WM 2030 wird sich Kanada allerdings qualifizieren müssen – anders als in diesem Sommer als Gastgeber.

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Trainer Marsch schwört Team auf Zukunft ein

Trainer Jesse Marsch, ein US-Amerikaner, sprach nach dem Spiel auf dem Rasen von Houston zu seinen Spielern. „Jesse hat uns gesagt, dass das wahrscheinlich die beste erste Halbzeit war, die er mit uns je erlebt hat“, berichtete Eustáquio. „Wir müssen einfach weiter an uns glauben und weiter hart arbeiten. Das war wohl seine wichtigste Botschaft. Er ist sehr stolz auf die Mannschaft. Und jetzt beginnt die Arbeit für morgen, wir müssen gemeinsam die Vorbereitung auf die nächste WM in Angriff nehmen.“

Sorgen um Alphonso Davies

Der bekannteste kanadische Nationalspieler, Bayern-Profi Alphonso Davies, war bei dieser WM praktisch kein Faktor. Den 25-Jährigen plagten muskuläre Probleme am Oberschenkel, nach einem Kreuzbandriss war er zuvor schon lange ausgefallen. „Ich wollte der Mannschaft keine Last sein. Deshalb habe ich mich in dieser Situation entschieden, zu pausieren“, sagte Davies. „Jedes Mal, wenn ich spiele, möchte ich mein Bestes geben. Vor dieser Partie konnte ich das wegen der Verletzung einfach nicht mit der nötigen Freiheit tun.“ Marsch überbrachte den Bayern-Fans die gute Nachricht, dass eine MRT-Untersuchung keine neue Verletzung ergeben habe.

Davies als Identifikationsfigur der Zukunft

Eustáquio betonte, dass Davies das Team „auf jede Art unterstützt hat, die ihm möglich war“. Insbesondere als Gegenspieler des marokkanischen Starspielers Achraf Hakimi sei Davies vermisst worden. „Da wäre der Bayern-Profi genau der Richtige gewesen“, sagte Eustáquio. In ein paar Jahren wird Davies wahrscheinlich auch der erste kanadische Ex-Nationalspieler sein, der auf der Videowand im Stadion von allen Zuschauern erkannt wird – ähnlich wie Wayne Gretzky im Eishockey, der beim letzten kanadischen WM-Spiel auf der Ehrentribüne in Houston zu sehen war.

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