WM-Cliquen: Wer in der Nationalelf am besten miteinander kann
WM-Cliquen: Wer in der Nationalelf am besten kann

Rudi Völler, der Sportdirektor des DFB, hat die Erfahrung gemacht, wie eine Weltmeisterschaft schiefgehen kann. 1994 scheiterte die deutsche Mannschaft als Titelverteidiger früh im Viertelfinale. Der Kader war zerstritten, es gab Ego-Trips und Disziplinlosigkeiten, wie den Stinkefinger-Skandal um Stefan Effenberg. Völler betont daher: „Ein guter Teamgeist ist fundamental. Die gute Stimmung kommt nicht nur durch Quatschereien. Da ist auch die Mannschaft gefordert.“

Völler selbst ist eng dran am Team, nimmt Spieler beiseite, trinkt Kaffee mit ihnen und bekommt so ein Gespür für das Klima. Die Vorbereitung in Chicago lässt hoffen: Innerhalb der Mannschaft scheint es zu stimmen. Im sechstägigen Trainingslager war zu beobachten, in welchen Grüppchen die Spieler zusammenkamen. Bundestrainer Julian Nagelsmann ließ bewusst eine lange Leine für den Zusammenhalt. Die Stars genossen es, unbeobachtet durch Chicago zu flanieren.

Die Cliquen im DFB-Team

Im kurdischen Café „Hevi“ in Chicago waren immer wieder Spieler wie Nick Woltemade, Jonathan Tah, Florian Wirtz, Kai Havertz und Joshua Kimmich zu Gast. Sie posierten für ein Foto im lässigen Freizeit-Look. Die Ex-Leverkusener Tah und Wirtz waren oft gemeinsam zu sehen. Intern ist Tah in der Hierarchie aufgestiegen und hat Vize-Kapitän Antonio Rüdiger überholt. Gemeinsam mit Kimmich handelte er die WM-Prämien aus.

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Der Bayern-Block ist der größte im Team: Manuel Neuer, Kimmich, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka, Jamal Musiala und Jonas Urbig. Die Torhüter Neuer und Urbig sind eng verbunden, gingen sogar kurz nach Sonnenaufgang am Strand des Lake Michigan spazieren. Neuer ist ein Bindeglied zwischen allen. Selbst mit Oliver Baumann, der für ihn das WM-Tor räumen musste, stimmt die Chemie. Nach dem Testspielsieg gegen die USA gingen beide Seite an Seite in die Kabine.

Newcomer wie Nathaniel Brown werden sofort akzeptiert. Er berichtete von einem Treffen mit Neuer in Herzogenaurach, wo er sich vorstellte. Auch Assan Ouédraogo ist intern beliebt und bekam das WM-Ticket auch wegen gutem Feedback aus der Mannschaft.

Weitere Freundschaften und Cliquen

Die Stuttgarter Deniz Undav, Angelo Stiller und Jamie Leweling sind eng befreundet. Die England-Legionäre Havertz und Woltemade wurden ebenfalls gemeinsam gesehen. David Raum und Goretzka teilen Interessen wie Golfen und gingen in Chicago shoppen. Am freien Sonntag zogen Nadiem Amiri, Malick Thiaw und Felix Nmecha los.

Im Base Camp in Winston-Salem soll die Gemeinschaft fortgeführt werden. Kimmich stiftet zum Kreuzworträtseln an, das Kartenspiel „Uno“ ist hoch im Kurs. Eine Dartscheibe ist auch dabei, mit Pascal Groß und Maximilian Beier als Spitze. Die Dortmund-Clique um Nico Schlotterbeck umfasst Waldemar Anton und Groß. Anton gilt als „Klebstoff der Mannschaft“, weil er Kulturen verbindet.

Musiala, Rüdiger und Leroy Sané teilen Interessen wie Musik und Mode und verstehen sich super. Sanés Beliebtheit wurde sichtbar, als nach seinem Tor zum 2:1-Sieg gegen die USA die halbe Mannschaft auf ihn zustürmte. Auch bei einer rüden Grätsche gegen Raum war das Team sofort als kollektiver Bodyguard zur Stelle.

Kimmich formulierte bereits auf dem Weg zur WM: Es sei nicht wichtig, den besten Kader der Welt zu haben, sondern das beste Team. Dieser Appell soll jetzt mit Leben gefüllt werden.

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