WM-Experte Arie van Lent hat kein Mitleid mit der englischen Nationalmannschaft nach dem Halbfinal-Aus gegen Argentinien. Die Three Lions führten durch ein Tor von Anthony Gordon, brachen aber in der zweiten Halbzeit ein und verloren 1:2. Van Lent äußerte sich im Interview mit ntv.de überrascht über das Verhalten der Engländer, die sich nach der Führung tief in die eigene Hälfte zurückzogen.
Van Lent: „Ich habe mich über das Verhalten der Engländer sehr gewundert“
„Ich habe mich schon sehr über das Verhalten der Engländer gewundert“, sagte van Lent. „Diese Idee, mit einer Fünferkette nur nach vermeintlicher Sicherheit zu suchen, konnte mit Ansage nicht funktionieren.“ Der ehemalige Bundesliga-Stürmer sprach Trainer Thomas Tuchel jedoch vom Vorwurf frei, das Spiel vercoacht zu haben. „Das glaube ich nicht. Ich denke, der Rückzug war einfach eine Reaktion auf den Zustand der Mannschaft. Sie standen am eigenen Fünfmeterraum wie ein Häufchen Elend.“
Van Lent, gebürtiger Niederländer, zeigte kein Mitleid mit den Engländern: „Nein, überhaupt nicht! Was soll ich als Holländer sagen? Wir standen dreimal im Finale und haben noch nichts gewonnen. Die Engländer müssen weiter leiden, so wie wir es auch müssen.“
Kritik an Schiedsrichter und Spielweise
Der WM-Experte kritisierte auch die robuste Gangart in der ersten Halbzeit. „Die ersten 30 Minuten haben mich an Frankreich gegen Paraguay erinnert. Bis zur ersten Gelben Karte in der 37. Minute war’s schon echt dreckig. Da lag ständig einer am Boden, da wurde getreten und nachgehakt“, so van Lent. Er forderte ein früheres Eingreifen des Schiedsrichters, um mehr Ruhe ins Spiel zu bringen.
Argentiniens Aufwachphase und Messis Rolle
Entscheidend für den Umschwung war laut van Lent die veränderte Rolle von Lionel Messi. „Bis dahin war es ein schwaches, sehr unauffälliges Spiel von ihm. England hatte ihn gut zugestellt. Dann aber wich er auf die offensiven Flügel aus, und die Three Lions verloren den Zugriff. Das war eine ganz bewusste Entscheidung, Messi aus dem Zentrum zu ziehen – spielentscheidend.“
Zudem kamen mit Nicolas Gonzalez und Lautaro Martinez frische Kräfte, die gemeinsam mit Alexis Mac Allister große Gefahr erzeugten. „Das Gegentor hat Argentinien wieder ins Spiel geholt. Sie haben schnell bewiesen, was für eine gute Mannschaft sie sind“, so van Lent.
Tuchels Zukunft und Englands Abschneiden
Van Lent riet England, Tuchel als Nationalcoach zu behalten. „Er ist ein sehr guter Trainer, sehr geradlinig. Dass er nach dem Spiel die Verantwortung übernommen hat, macht einen großen Trainer aus.“ Das Abschneiden der Engländer bewertete er als solide: „Die Ansprüche sind erstaunlich. Sie reden, als seien sie eine Nation, die schon viermal Weltmeister wurde, dabei waren sie es nur einmal – und das auch noch durch Betrug. Hätten wir damals den VAR gehabt, hätte Deutschland jetzt vielleicht einen Stern mehr.“
Ausblick auf das Finale
Für das Finale zwischen Spanien und Argentinien sieht van Lent Spanien leicht vorn. „Spanien hat gegen Frankreich quasi nichts zugelassen und im gesamten Turnier nur einen Gegentreffer kassiert. Technisch und taktisch sind sie den Argentiniern voraus. Aber Argentiniens Mentalität, immer wieder zurückzukommen, ist herausragend.“



