Nach dem blamablen WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay (4:5 n.E.) richtet sich die Kritik nicht nur gegen Bundestrainer Julian Nagelsmann (38). Auch die Spieler stehen massiv in der Verantwortung. Zahlreiche deutsche Weltmeister finden nach dem bitteren K.o. deutliche Worte – und sprechen von fehlender Weltklasse, mangelnder Kreativität und einer Mannschaft, die den Ansprüchen längst nicht mehr gerecht wird.
Kroos: „Keinen einzigen Weltklasse-Spieler“
Toni Kroos (Weltmeister 2014) erklärte: „Wir haben aktuell keinen einzigen Weltklasse-Spieler. Wir haben Spieler mit dem Potenzial, Weltklasse-Spieler zu werden, aber das heißt noch nicht, dass sie es bereits sind.“ Der sechsmalige Champions-League-Sieger sieht eine Diskrepanz zwischen Potenzial und tatsächlicher Leistung auf höchstem Niveau.
Sami Khedira (Weltmeister 2014) zeigte sich erschüttert: „Ich bin sehr erschüttert über das Ausscheiden. Es ist die Quittung für die letzten Jahre. Aktuell reicht es nicht zur Weltklasse.“ Damit spielt er auf die schwachen Turnierleistungen der vergangenen Jahre an, darunter das Vorrunden-Aus bei der WM 2022 in Katar und das Viertelfinal-Aus bei der EM 2024.
Hummels: Heim-EM wird zu gut geredet
Mats Hummels (Weltmeister 2014) kritisierte die verklärte Wahrnehmung der jüngsten Turniere: „Wir hatten die Heim-EM, Heim-Nations-League und das Turnier hier mit dem großen Teilnehmerfeld. Die Heim-EM wird mir immer noch zu gut geredet. Die beiden anderen Turniere waren jeweils enttäuschend.“ Der Innenverteidiger sieht keine kontinuierliche Steigerung, sondern wiederholte Rückschläge.
Lothar Matthäus (Weltmeister-Kapitän 1990) ging auf Nebenschauplätze ein: „Es gibt einiges aufzuarbeiten, auf dem Platz und außerhalb des Platzes. Frauen, Familien, alles war dabei. Viele Schlagzeilen. Ich weiß nicht, warum man jetzt schon von Anfang an die ganzen Familien dabei haben muss.“ Er deutet an, dass die vielen Begleitumstände die Konzentration der Mannschaft beeinträchtigt haben könnten.
Schweinsteiger: DNA verloren, Kreativität fehlt
Bastian Schweinsteiger (Weltmeister und WM-Held 2014) stellte grundsätzliche Fragen: „Was haben wir für ein Spielermaterial? Wer kann uns garantieren, dass wir mit einem neuen Trainer erfolgreicher sind? Alle meine Ex-Kollegen sagen zu mir: Ihr habt die DNA verloren und Fußball spielen könnt ihr auch nicht mehr so gut, und deshalb seid ihr ausgeschieden. Es fehlt die Kreativität, die es bei einer Weltmeisterschaft braucht.“
Philipp Lahm (WM-Kapitän 2014) zeigte sich fassungslos: „Ich war bei den letzten Turnieren nach dem Ausscheiden nie so fassungslos wie nach diesem Mal. Bei mir war es deswegen sehr ruhig, ich war auch sehr nachdenklich. Man wünscht sich natürlich eine Nationalmannschaft lange im Turnier, und ich habe mich eigentlich schon auf das Achtelfinale am Samstag gegen Frankreich gefreut. Ich hatte eine riesige Vorfreude und die ist auf einmal weg. Deswegen war es eine unglaubliche Enttäuschung.“
Kramer und Klinsmann: Zu wenig in allen Belangen
Christoph Kramer (Weltmeister 2014) urteilte knapp: „Du darfst gegen Paraguay nicht in ein Elfmeterschießen. Unter dem Strich war es in allen Teilen zu wenig.“ Jürgen Klinsmann (Weltmeister 1990) ergänzte: „Die Art und Weise, wie wir rausgeflogen sind, ist eine riesige Enttäuschung. Die Mannschaft war nicht darauf vorbereitet, die Kontrolle in den 120 Minuten zu übernehmen. Sie hatten zu wenig Energie, waren nicht entschieden und aggressiv genug, um den Kampf gegen ein sehr starkes Team aus Paraguay anzunehmen.“
Die Botschaft der Weltmeister ist eindeutig: Nicht nur der Bundestrainer steht nach dem WM-Debakel in der Kritik. Vor allem die Mannschaft muss sich fragen lassen, warum sie gegen Paraguay weder spielerisch noch mental den entscheidenden Schritt machen konnte. Die Forderung nach einer schonungslosen Aufarbeitung wird nach diesem blamablen Aus immer lauter.



